Atomkraftwerke

Gibt es in den Aargauer AKW einen Fachkräftemangel?

Blick aufs AKW Leibstadt (Archivbild).

Blick aufs AKW Leibstadt (Archivbild).

Das AKW Mühleberg sucht seit einem Monat einen Reaktoroperateur. Bisher ohne Erfolg. Haben die AKW Beznau und Leibstadt im Aargau dieselben Probleme, um an Fachkräfte zu kommen?

Ohne Reaktoroperateure funktioniert kein Atomkraftwerk. Sie sitzen an den Schaltknöpfen und überwachen alles. Einen solchen Spezialisten sucht das Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) bereits seit einem Monat – und zwar per sofort. Dem AKW liefen die Fachkräfte davon, berichtet «10 vor 10», Jobs in der Kernenergie seien wegen des gleitenden Atomausstiegs unattraktiv geworden.

Mühleberg geht in fünf Jahren als erstes AKW vom Netz, dies begrenzt die Karriereaussichten von Fachleuten. Der Jahresbericht 2013 des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) kritisierte im KKM eine hohe Personalfluktuation, «welche auf einen bedeutenden Verlust an werksspezifischem Wissen und Erfahrung hinweist.»

Doch wie ist die Personallage bei den Aargauer Atomkraftwerken Beznau und Leibstadt? In Beznau (KKB) und in Leibstadt (KKL) ist die Situation indes stabil, die Fluktuation liegt konstant bei 3,5 respektive 2,8 Prozent. «Dies ist deutlich weniger als in anderen Branchen», sagt Daniela Biedermann, Sprecherin von Beznau-Betreiber Axpo. Beinahe zwei Drittel der Angestellten arbeiteten seit zehn und mehr Jahren im KKB, die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit betrage gar etwas mehr als 14 Jahre.

Ingenieure aus Deutschland

Einen expliziten Fachkräftemangel in der Nukleartechnik machen weder Beznau noch Leibstadt aus. «Wir konnten offene Positionen bisher immer besetzen», sagt Daniela Biedermann. Qualifizierte Kandidaten im technischen Bereich zu finden, sei in der Industrie generell eine Herausforderung, ergänzt KKL-Sprecherin Karin Giacomuzzi. «Das hat sich seit Fukushima nicht geändert.» Die Abschaltung von acht deutschen Atommeilern im Jahr 2011 trägt ebenfalls dazu bei, dass genug gute Ingenieure und andere Spezialisten verfügbar sind. Massgeblicher Unterschied zu Mühleberg ist bei den Aargauer AKWs die langfristige Perspektive. Leibstadt geht von einer Laufzeit bis mindestens 2045 aus, Beznau I und II werden kaum vor 2030 vom Netz gehen.

Dementsprechend ist die Personalplanung auf über zehn Jahre ausgelegt. «Dadurch wird der Know-how-Erhalt und -Transfer gewährleistet», sagt Daniela Biedermann. Zudem bleibt genügend Zeit, um neue «hoch spezialisierte Mitarbeiter auszubilden», sagt Karin Giacomuzzi. Die Ausbildung zum Reaktoroperator ist mehrstufig und dauert bis zu zehn Jahre. «Sie wird nach wie vor als attraktiv empfunden», sagt Biedermann, es gäbe keine Probleme, genügend Nachwuchs zu rekrutieren.

Das KKB lässt 2014 vier Reaktoroperateure ausbilden, acht weitere erreichen die nächsthöhere Lizenzstufe. Seit 2010 machten in Leibstadt 19 Operateure ihren Abschluss, 2014 sind es fünf; nächstes Jahr sind es sogar acht.

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