Was den Strassenverkehr betrifft, müssen sich die Menschen am Hochrhein auf einen heissen Sommer einstellen. Im Juli, August und September 2014 wird die Rheinbrücke Koblenz-Waldshut wegen Sanierungsarbeiten komplett gesperrt sein. Eine halbseitige Sperrung würde laut dem Baudepartement, bei dem die Projektleitung liegt, noch mehr Probleme bringen. Auch der Bau einer Behelfsbrücke stehe «im Augenblick» nicht zur Diskussion heisst es seitens des Kantons. Den Übergang halbseitig offen zu halten, ist keine Option. Projektleiter Roberto Scappaticci: «Eine Teilsperrung würde die Bauzeit erheblich verlängern und eine Ampelregelung die Verkehrsprobleme am Zoll noch vergrössern.» Aus Umweltschutzgründen müsse die Brücke vollständig in eine luftdichte Gerüsthülle verpackt werden, erklärt Scappaticci. Allein vier Wochen dauere das Einbringen des neuen Fahrbahnbelags, der in dieser Breite nicht unter Verkehr aufgebracht werden könne.

Jochen Seipp vom Werbe- und Förderungskreis ist der Meinung, die Möglichkeit einer Behelfsbrücke für Autos müsse zumindest geprüft werden. Auch diese Alternative sei in Erwägung gezogen worden, sagt Scappaticci. «Aus finanziellen Überlegungen und auch aus Platzgründen kommt eine Hilfsbrücke nicht infrage.»

Ein offizielles Umleitungskonzept liegt noch nicht vor. Während davon auszugehen ist, dass sich der private Verkehr seinen Weg selbst sucht, – etwa über Rheinheim – werden von Zollverwaltung Umleitungsrouten für Lastwagen erarbeitet. Nach gegenwärtigem Stand der Dinge soll die Rheinbrücke Bad Säckingen angesteuert werden. Mögliches Problem dabei: Das elektronische Abfertigungsverfahren wird nach wie vor über den Zollhof im Gewerbepark Hochrhein bei Waldshut abgewickelt, weshalb die Lastwagen auch während der Brückensperrung dort vorfahren müssen. Waldshut-Tiengens Oberbürgermeister Martin Albers: «Das hört sich gar nicht gut an.» Er verweist aber auch darauf, dass parallel zur Brückensanierung die umgestaltete Zollkreuzung fertig wird. Damit könne die positive Botschaft vermittelt werden: «Wenn die Brücke wieder befahrbar ist, wird die gesamte Verkehrssituation am Grenzübergang verbessert sein.»

Gewerbe und Handel in Aufruhr

Als «dramatisch» hat die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee die Folgen der Brückensperrung für den Handel mit Schweizer Kunden bezeichnet. Benachbarte Grenzübergänge wie Rheinheim/Bad Zurzach seien jetzt schon überlastet. Damit seien mehr Staus programmiert. Christa Bader, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Tiengen: «Wir haben die Sorge, dass Kunden Alternativen suchen und dann bei diesen Alternativen bleiben.» Einkaufstouristen könnten etwa nach Laufenburg ausweichen, wo direkt an der Brücke ein grosses Geschäftszentrum steht. Jochen Seipp, Sprecher des Werbe- und Förderungskreises Waldshut, sieht ebenfalls «gravierende Folgen» für den Einzelhandel in der Region Waldshut-Tiengen voraus.

Zurückhaltend äussert sich Waldshut-Tiengens Oberbürgermeister Martin Albers über die möglichen Konsequenzen für den örtlichen Handel: «Das ist schwer vorherzusagen, weil man nicht weiss, wie die Kundschaft reagiert.» Schliesslich kämen die Eidgenossen ja nach wie vor, obwohl es jetzt schon Verkehrsprobleme gebe.

Roland Gerard ist Redaktor beim «Südkurier» in Waldshut-Tiengen.