Am Freitag letzter Woche wurde Geschäftsleiter Christian Aerni per sofort freigestellt. Jetzt erzählt er der az, wie es dazu kam. "Ich musste sofort das Büro räumen und mein Geschäftsauto stehen lassen", sagt er. "Das wäre es dann gewesen, hiess es." Die Besitzer, Andreas und Melchior Lütschg aus Glarus, wollten ihn bei den folgenden Kündigungen und der Mitarbeiterinformation nicht mehr dabei haben, sagt er.

Dass die Besitzer die Bilanz deponieren und dass die Firma konkurs gehen wird, erfuhr er selbst erst einen oder zwei Tage zuvor. Sich darüber äussern durfte er nicht. Die Monteure wurden von den Eigentümern am Montag informiert. Als Andreas Lütschg dem Personal in Leuggern tags darauf den bevorstehenden Konkurs eröffnete, war zumindest teilweise diese Information schon durchgesickert.

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H. Erne Metallbau AG ist konkurs (TeleM1, 29. September 2016)

In Leuggern verlieren 70 Angestellte ihren Job. Die Traditionsfirma Erne Metallbau AG hat diese Woche beim Bezirksgericht ihre Bilanz deponiert.

Langjähriger Patron nicht beteiligt

Nicht involviert war der langjährige Patron und Besitzer Hans Erne, der noch drei Prozent des Aktienkapitals hielt und zum Verwaltungsrat gehörte, aber nicht mehr an dessen Sitzungen teilnahm. Gegenüber der az sagt Hans Erne, dass er diese Position nur auf dem Papier innehatte. "Ich war an keinen Sitzungen mehr beteiligt."

Dass die Auffanggesellschaft nicht zustande gekommen ist, überrascht Aerni nicht. Weiter möchte er sich zurzeit aber nicht äussern und stattdessen abwarten, wie die weiteren Abklärungen des Konkursamtes verlaufen. 

"Es war aussichtslos"

Geschäfsleiter Aerni war selbst erst seit 20 Monaten bei der Metallbau Erne AG angestellt. Hans Erne hatte ihn auf Anfang 2015 eingestellt. Dass die Lage für die Firma aussichtslos war, sei ihm damals auch noch nicht bewusst gewesen. Vier Monate später übernahmen Andreas und Melchior Lütschg mit 97 Prozent fast das gesamt Aktienkapital von Erne, wobei sie schon zuvor Darlehen gegeben hatten. Damals ging auch Aerni davon aus, dass die Firma mit der finanziellen Sanierung über den Berg sei. Der folgende Verlust sei aber "gigantisch" gewesen, sagt Aerni. "Es war aussichtslos."

Indirekt bestätigt Aerni damit die Informationen von Andreas Lütschg, dass seit der verhängnisvollen Auftragsübernahme beim Walliser Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance insgesamt rund 10 Millionen Franken abgeschrieben werden mussten. Das Unternehmen hatte sich dabei bei einer grossen Offerte zu Schweissarbeiten völlig verkalkuliert.

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In der letzten August-Ausgabe der Firmenzeitschrift sprach er Christian Aerni die finanzielle Probleme direkt an. In Bezug auf das Engagement am Bau des Pumpspeicherkraftwerk schrieb er von "enorm negativen finanziellen Auswirkungen".

Die Abwärtsspirale

Damals zeigte er sich aber noch kämpferisch. "Es steht ausser Frage, dass der Risikoabwägung vor dem Angebot beziehungsweise der Auftragsannahme einer solchen Herausforderung, grösste Beachtung geschenkt werden muss", schrieb er weiter und meinte damit offensichtlich jene Fehlkalkulation, welche die Firma in eine Abwärtsspiral riss. Teilweise waren am Pumpspeicherkraftwerk über 60 Schweisser und Monteure, auch von Subunternehmern, für die Leuggermer Firma tätig.