Ersatzwahlen in Schneisingen

Gerangel um den einen Sitz im Gemeinderat

In Schneisingen kämpfen drei Personen um den frei gewordenen Platz im Gemeinderat.

In Schneisingen kämpfen drei Personen um den frei gewordenen Platz im Gemeinderat.

In Schneisingen kämpfen drei Personen um den frei gewordenen Platz im Gemeinderat. Ein Rückzug könnte das Rennen mitentscheiden.

Die nationalen Wahlen diesen Herbst werfen ihre Schatten voraus. Kandidatinnen und Kandidaten bringen sich allmählich in Position. Auch im Bezirk: Claudia Hauser (Döttingen, FDP) und Elena Flach (Rekingen, SP) treten beispielsweise nächste Woche an einem Podium in Lengnau auf.

In Schneisingen ist in diesen Tagen derweil Lokalpolitik Trumpf. Wer durch die Gemeinde am Übergang vom Wehn- ins Surbtal fährt, dem stechen die zahlreichen Plakate ins Auge. Geworben wird darauf für die bevorstehenden Ersatzwahlen vom 19. Mai. Zu besetzen gilt es den Gemeinderatssitz, der durch den Rücktritt von Martin Robmann frei geworden ist.
Während andernorts oft mühsam Kandidaten gesucht werden, können die Schneisinger Wahlberechtigten übernächsten Sonntag aus dem Vollen schöpfen. Gleich drei Personen stellen sich für den zweiten Wahlgang zur Verfügung. Nebst den beiden Frauen Clara Suter-Tech und Cristina De Pasquale hat auch Walter Welti seine Kandidatur eingereicht.

Die Kandidatinnen und der Kandidat in der Übersicht:

Politik-Verdrossenheit scheint im Ort ein Fremdwort zu sein. Bereits bei den letzten Gesamterneuerungswahlen stellten sich sieben Kandidaten für fünf Gemeinderatssitze in Schneisingen zur Wahl. «Ich finde es hocherfreulich», sagt Claudia Graf-Grossmann, bis 2013 Gemeindeammann in Schneisingen. Sie beobachtet das Geschehen inzwischen aus der Distanz. Graf-Grossmann ist weggezogen und lebt momentan in Frankreich. Sie glaubt den Grund für die Bereitschaft, hier ein Amt in der Exekutive ausüben zu wollen, zu kennen. Im Unterschied zu anderen Gemeinden sei das Amt im Gemeinderat nicht negativ besetzt. «Die Leute nehmen am Dorfleben teil und wollen etwas bewegen.» So hat es Graf-Grossmann während ihrer zwölfjährigen Zeit im Gremium erlebt.

Unterschiedliche Strategien

Die drei parteilosen Kandidaten stimmen der Einschätzung von Claudia Graf-Grossmann zu. Sowohl Suter-Tech, De Pasquale und Welti heben das intakte Dorfleben mit seinen knapp zwei Dutzend Vereinen hervor. Alle drei sind im Dorf bestens vernetzt und versuchen die gut 1000 Stimmberechtigten zu mobilisieren.

Suter-Tech, die als Kind mit den Eltern nach Schneisingen kam, nachdem ihre Grosseltern einst nach Argentinien ausgewandert waren, engagiert sich unter anderem bei den Landfrauen. Die zweifache Mutter arbeitet zudem Teilzeit in einer Pizzeria. Die 34-Jährige möchte nicht zuletzt wegen ihres Alters frischen Wind und «eine vielleicht etwas andere Sichtweise» einbringen. Suter-Tech, die im ersten Wahlgang Anfang Februar von allen Kandidaten am meisten Stimmen erhalten hat (154, absolutes Mehr 239), wirbt im öffentlichen Raum am aktivsten für ihre Wahl. Nebst Plakaten und Flyern, organisierte sie auch eine Standaktion. «Ich will in den Gemeinderat und dafür muss man etwas investieren.»

Erst seit knapp vier Jahren lebt Cristina De Pasquale in Schneisingen. Sie lag im ersten Wahlgang mit 150 Stimmen knapp hinter ihrer Konkurrentin. Die 39-Jährige arbeitet als kaufmännische Liegenschaftsverwalterin im familieneigenen Unternehmen und betreibt ausserdem mit ihrem Mann einen Pferdehof. Wie Suter-Tech setzt De Pasquale weniger auf ein inhaltliches Programm. Sie möchte bei einer Wahl ihre Stärken «strukturiertes und visionäres Denken» in die Waagschale werfen.

Wohin gehen Widmers Stimmen?

Wie seine Konkurrentinnen ist auch Walter Welti ein politischer Nobody. Der 64-Jährige, der bis zu seiner Frühpensionierung vor fünf Jahren in der Computerbranche tätig war, ist Präsident der Genossenschaft Elektra Schneisingen. Welti erreichte im ersten Wahlgang mit Abstand am wenigsten Stimmen (12). Dennoch rechnet er sich gute Chancen aus. Einfluss auf den Ausgang in zwei Wochen dürfte der Rückzug von Daniel Widmer haben. Er erreichte im Februar mit 100 Stimmen das drittbeste Ergebnis, verzichtet aber auf eine neuerliche Kandidatur.

Nicht zuletzt deshalb würden die Karten jetzt neu gemischt, sagt Walter Welti. Er war im ersten Wahlgang nicht offizieller Kandidat. Seither spüre er aber in der Bevölkerung viel Rückenwind. Im Unterschied zu Suter-Tech und De Pasquale verzichtet er auf eine aufwendige Plakat-Aktion. «Ich versuche die Menschen in persönlichen Gesprächen abzuholen.» Seine Argumente kommen möglicherweise unterschiedlich an. Welti befestigte an Bushaltestellen Flyer. Diese sind schon zweimal entfernt worden. «Es sieht so aus, als seien diese Wahlen doch hart umkämpft», sagt Welti.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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