Rümikon

Geplante Mobilfunkanlage im Dorfzentrum: Anwohner kritisieren Salt und den eigenen Gemeinderat

Die ausgesteckte 25 Meter hohe Mobilfunkantenne mitten in der Wohnzone sorgt in Rümikon für grossen Unmut.

Die ausgesteckte 25 Meter hohe Mobilfunkantenne mitten in der Wohnzone sorgt in Rümikon für grossen Unmut.

In Zurzibieter Ort Rümikon gibt es massiven Widerstand gegen eine geplante Antenne im Dorfzentrum. Es droht ein Rechtsstreit.

Am Resultat gab es nichts zu rütteln: Über 61 Prozent der Rümiker Stimmberechtigten nahmen Anfang August am brisanten Urnengang teil. Und sie erteilten der Vorlage, die das Zurzibieter Dorf mit seinen etwas über 300 Einwohnern seit Monaten in Atem hält, eine wuchtige Absage. 93 Personen (Nein-Anteil 84 Prozent) sprachen sich gegen den Abschluss des Baurechtsvertrags für eine Mobilfunkanlage aus. Nur 18 waren dafür. Streitpunkt ist ein Sender des Telekommunikationsanbieters Salt mitten im Zentrum. Beim Projekt geht es, laut Salt, primär um die Verbesserung der 3G- und 4G-Versorgung.

Mit der Ablehnung gerät auch der Gemeinderat unter Druck. Dieser hatte sich mit Salt auf den Bau der Anlage geeinigt. Laut Walter Fischer, der sich im Namen der Gegner äussert, war die Vereinbarung von Anfang an nicht gesetzeskonform. «Über die vorgesehene Parzelle hätte die Behörde nicht in Eigenregie verfügen dürfen, sondern die Bevölkerung ­einbeziehen müssen», sagt ­Fischer.

Bevölkerung aussen vor gelassen

Der Unmut richtet sich also nicht nur gegen Salt, sondern vor allem gegen die Vorgehensweise des Gemeinderats. Kritisiert wird die Informationspolitik. Eine transparente Orientierung sei versäumt worden, monierten Teilnehmer bereits an den letzten Gemeindeversammlungen vergangenen November und im Juni – obwohl das Thema die Leute offensichtlich bewegte. Zu einem Austausch sei es erst gekommen, nachdem Einsprachen gegen das Projekt eingegangen waren, sagt Walter Fischer.

Unterzeichnung des Vertrags im Kompetenzbereich

Ammann Urs Habegger nimmt die Kritik der Gegner zur Kenntnis und räumt Fehler ein: «Nach heutigem Wissensstand hätten wir die Bevölkerung früher informieren sollen.» Im Nachhinein sei man immer schlauer. Hab­egger sagt aber auch, dass die Unterzeichnung des Mietvertrages mit Salt im Kompetenzbereich des Gemeinderats gelegen sei.

Walter Fischer hält seinerseits fest, dass der Baurechtsvertrag über den nun abgestimmt wurde, nach dem Entscheid des Souveräns nun nicht unterzeichnet werde dürfe.

Die Suche nach einem alternativen Standort

Urs Habegger pflichtet dem bei. Nur: Wie geht es weiter in dieser verworrenen Angelegenheit? Es gehe jetzt darum, mit Salt das Gespräch zu suchen, um Anpassungen vorzunehmen und mögliche Alternativen zu prüfen, sagt Urs Habegger. Als denkbaren Standort nennt der Ammann das Industrie- und Gewerbegebiet ausserhalb des Dorfkerns, wo bereits die anderen Mobilfunkanbieter Swisscom und Sunrise ihre Sender betreiben.

Mit einer solchen Variante könnten sich auch die Gegner anfreunden. Sie legen Wert darauf, dass sie sich nicht per se gegen die Installation einer Antenne wehren. «Aber nicht mitten in der Wohnzone, wo die Strahlenbelastung nachweislich am höchsten ist», sagt Walter Fischer. Zudem würde der Ortsbildschutz missachtet. Das bereits ausgesteckte Gerüst ragt 25 Meter in die Höhe.

Entscheidend dürfte nun sein, wie Salt die neue Situation beurteilt. «Bisher sind wir von der Gemeinde nicht kontaktiert worden. Wir warten daher eine offizielle Stellungnahme ab, um über die weiteren Schritte befinden zu können», sagt eine Sprecherin. Der entsprechende Brief wird in den nächsten Tagen eintreffen. An der Sitzung diese Woche hat der Gemeinderat ein Schreiben verfasst.

Für die Gegner ist der Fall indes klar: Sollte Salt an seinen Plänen festhalten, wäre die Gemeinde verpflichtet, den Rechtsweg einzuschlagen.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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