Für jeden der 403 Kaiserstuhler hatte die Einwohnergemeinde Ende 2012 ganze 3502 Franken Schulden. Deutlich besser steht man ein paar Kilometer rheinabwärts da: Koblenz verzeichnet pro Kopf ein Nettovermögen von 2049 Franken. Der Zurzibieter Durchschnitt liegt bei einer Schuldenlast von 749 Franken pro Einwohner (siehe Tabelle im PDF). Diese Zahlen gehen aus der neusten Publikation des kantonalen Statistischen Amts hervor. Sie beziehen sich auf die Gemeinderechnungen aus dem Jahr 2012 und zeigen: Drei Viertel der Zurzibieter Gemeinden sind verschuldet.

Selber finanzieren ist unmöglich

Kaiserstuhl gehört zu den zehn höchst verschuldeten Gemeinden im Kanton. Das kommunale Sorgenkind liegt mit einer Steuerkraft von 2267 Franken pro Kopf zwar etwa im regionalen Durchschnitt. Die Gemeinde hat aber mit 7,8 Prozent den tiefsten Selbstfinanzierungsgrad im Zurzibiet. Dieser gibt Auskunft darüber, wie weit Investitionen aus eigenen Mitteln bezahlt werden können. Bei einem Selbstfinanzierungsgrad von unter 100 Prozent entstehen neue Schulden. Das Bezirksmittel liegt bei 79 Prozent.

«Unsere finanzielle Lage ist ernst», sagt Susanne Suter Böhm, Vizeammann von Kaiserstuhl. Die Gründe seien vielfältig; Kaiserstuhl habe in den letzten Jahren viel investieren müssen: «Wir liessen das Schulhaus sanieren, mussten Geld in den Bahnhofbau stecken und haben über eine Million Franken in die neue Parkieranlage inklusive Parkierkonzept gesteckt.» Zudem habe man sich vor ein paar Jahren in die Fisibacher Schulanlage eingekauft und letztes Jahr die Rheingasse sanieren lassen.

«Wir waren noch viel stärker verschuldet», sagt die Frau Vizeammann. «Fisibach hat die Anteile am Schulhaus infolge einer Neuorganisation wieder zurückgekauft, das hat unsere Lage etwas verbessert.» Davon abgesehen sei man in den letzten zwei Amtsperioden mit der Schuldentilgung kaum vom Fleck gekommen: «Mit der laufenden Rechnung konnten wir nie Überschuss erwirtschaften; zudem erhalten wir praktisch keinen Finanzausgleich», sagt Susanne Suter Böhm.

Den Steuerfuss, «seit jeher bei 120 Prozent», wolle man lieber nicht erhöhen. «Die Weiterentwicklung der Gemeindefinanzen hängt auch mit den künftigen Schulstandorten des Kreisschulverbandes Belchen zusammen.» Ein Entscheid diesbezüglich werde bis Ende Jahr erwartet.

Falsches Bild von Koblenz

Eine Differenz von 5551 Franken trennt Kaiserstuhl von Koblenz. Die Gemeinde hat das höchste Pro-Kopf-Vermögen im Bezirk. Gemeindeammann Heidi Wanner relativiert allerdings: «Die Statistik ergibt ein falsches Bild», sagt sie. Koblenz sei schuldenfrei, «aber das liegt in erster Linie daran, dass wir vor ein paar Jahren den Eigenwirtschaftsbetrieb Elektra für sieben Millionen Franken verkaufen konnten».

Damit habe man langfristige Schulden abgebaut und ein Eigenkapitalpolster angelegt. Dieses wird nun nach und nach angezapft: «Wir müssen in den nächsten Jahren für rund eine Million Franken die Heizanlage in der Schule erneuern.» Ausserdem sei eine Erschliessung geplant, die Kosten in der Höhe von 2,5 Millionen Franken mit sich bringe.

Koblenz sei also keineswegs eine reiche Gemeinde, das zeige schon der hohe Steuerfuss von 118 Prozent «Dass vom Elektra-Geld noch so viel übrig ist, zeigt, wie haushälterisch wir mit den Finanzen umgehen», sagt Wanner. Denn viel komme nicht herein: «Die Steuerkraft pro Kopf liegt deutlich unter dem Durchschnitt.» Die Statistik zeigt: Pro Einwohner verzeichnete Koblenz 2012 rund 1900 Franken Steuern.

Nur in sechs Gemeinden im Bezirk ist die Steuerkraft geringer; Schlusslicht ist Rietheim mit 1499 Franken. Deutlich über 3500 Franken lagen Döttingen und Leibstadt. «Mit der Freiämter Gemeinde Oberwil-Lieli – mit einer Steuerkraft von über 5200 Franken – können wir im Zurzibiet nicht mithalten», sagt Wanner schmunzelnd.

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