Bad Zurzach

Gemeinderats-Ersatzwahl: ein Kampf zwischen Bärndütsch und Schwäbisch

Urs Ammann (Mitte) interviewt Uwe Fiederman und Lovey Wymann.

Urs Ammann (Mitte) interviewt Uwe Fiederman und Lovey Wymann.

Am 25. September finden die Gemeinderats-Ersatzwahlen für Vizeammann Meinrad Moser statt. An einem Podium lernten interessierte Bürger im «Höfli» die Gemeinderatskandidaten kennen. Gemeinderat Peter Lude wird als Vizeammann kandidieren.

Lovey (sprich: Lavi) Wymann und Uwe Fiedermann haben einiges gemeinsam: Beide wollen in den Gemeinderat von Bad Zurzach – aber nur eine(r) kann Nachfolger werden von Meinrad Moser. Beide sind Brillenträger, beide Mitte 50, beide leben erst seit wenigen Jahren in Bad Zurzach und beide sind parteilos. Parteilos im Gemeinderat sitzen sei ungut, monierte alt Gemeindeammann Franz Nebel. Es habe ja keine Partei einen Kandidaten nominiert, konterte es aus einer anderen Ecke im Säli.

Gut und gerne 50 Mannen und Frauen hatten sich zum Podiumsgespräch eingefunden. Initiiert worden war es von Urs Ammann, dem Präsidenten der Finanzkommission, der die beiden Kandidaten auch verbal in die Zange nahm. Heiss waren die Fragen nicht. Wohl aber geeignet, mit Lovey und Uwe – man duzte sich – bekannt zu werden. Nebst einigen Gemeinsamkeiten gibt es nicht nur das Geschlecht betreffend markante Unterschiede.

Lovey Wymann in Königsblau mit Leggins und modischer Tunika, präsentiert sich selbstbewusst und wortreich: Gebürtig aus dem Emmental, lebe sie mit Kater Pumuckel und Katze Calimera seit 2013 im Flecken. Von Beruf sei sie Werbetexterin und Journalistin, aktives Mitglied der reformierten Kirchgemeinde, des Münsterchors und weiterer Vereine. Sie sei «extrem gut vernetzt und ein Informations-Junkie», habe viel im Ausland gelebt und sei nun in Bad Zurzach «erstmals nicht nur in einer Wohnung, sondern auch im Ort daheim.»

Uwe Fiedermann in Jeans und kariertem Hemd, stellt sich bedächtig und augenzwinkernd vor: Er habe «Migrationshintergrund», sei in der Nähe von Stuttgart geboren und aufgewachsen und inzwischen hier eingebürgert. Seit der Lehre als EDV-Kaufmann sei er im IT-Bereich tätig und beruflich weit gereist. Er sei «sehr sozial, nicht der emotionalste, ein analytischer Mensch.» Seine zweite Frau hat er in Interlaken kennen gelernt. Mit ihr und deren 12-jährigen Sohn lebe er seit 2014 im Flecken, «diesem Paradies auf Erden».

Sind sich des Aufwands bewusst

Beide Kandidaten betonen, dass sie den Aufwand von mindestens 600 Stunden jährlich (ca. vier Monate «Normalarbeitszeit»), den das Amt eines Gemeinderates mit sich bringt, nicht scheuen. Wichtige Themen im Flecken sind nach Wymanns Ansicht «Verkehr, die Zukunft der Schule, Tagesbetreuung». Für Fiedermann hingegen ist «am wichtigsten überhaupt, dafür zu sorgen, dass Bad Zurzach interessant bleibt, damit junge Leute mit Kindern hierherziehen».

Warum, bitteschön, soll Wymann gewählt werden? «Weil ich vieles in Frage stelle, den Dialog suche und sehr gerne Leute motiviere, sich selber zu engagieren». Und Fiedermann? «Vielleicht gerade weil ich noch nicht lange Zurzacher bin, ein Frischer, vollkommen unbeeinflusst und objektiv. Aber auch, weil ich ruhig, objektiv und fair bin.»

Am Schluss der Veranstaltung erklärte Peter Lude, warum er als Mosers Nachfolger für das Amt des Vizeammanns kandidiere: «In meinem siebten Jahr als Gemeinderat möchte ich dem Gemeindeammann auf den Fersen bleiben», meinte er schmunzelnd. Politische Konstanz sei ihm sehr wichtig, «gerade jetzt, da so grosse und kostspielige Projekte wie der Schulhausbau und die Ostumfahrung anstehen».

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