Der Fall Funda Yilmaz sorgte letztes Jahr schweizweit für Schlagzeilen: Die heute 26-Jährige wurde in Buchs erst im zweiten Anlauf eingebürgert. Nach dem erfolglosen ersten Versuch hatte sie Anwalt Markus Leimbacher engagiert, der unter anderem eine Beschwerde an den Regierungsrat verfasste und mit dem Gemeinderat vereinbarte, dass ein weiteres Einbürgerungsgespräch geführt werde. Seit einigen Wochen versucht Leimbacher – der nach dem Vierfachmord in Rupperswil die Opferfamilie vertrat –, einer weiteren Frau zum roten Pass zu verhelfen: der 40-jährigen Bangladescherin Kaniz Fatema Khan aus Wislikofen.

Der Gemeinderat des kleinen Dorfs im Zurzibiet empfiehlt der Gemeindeversammlung, ihr Gesuch wegen zu schwacher sprachlicher Kenntnisse und mangelhafter Integration abzulehnen. Das Gesuch ihrer beiden Kinder hingegen soll bewilligt werden. Markus Leimbacher: «Ich kenne Kaniz Khan schon länger – als Anwalt in einer anderen Angelegenheit. Meiner Meinung nach gibt es keine objektiven Gründe, die gegen eine Einbürgerung sprechen. Ich kenne Menschen, die den roten Pass erhalten haben, aber deutlich weniger gut Hochdeutsch und Schweizerdeutsch sprechen als sie.»

Kaniz Khan habe in den vergangenen Tagen viele Reaktionen von Einwohnerinnen und Einwohnern aus Wislikofen erhalten. «Wichtig wird nun sein, dass sie diese Leute davon überzeugen kann, an der Gemeindeversammlung teilzunehmen und für sie abzustimmen.»

Ursprünglich hätten sich gar vier Khans einbürgern lassen wollen – also neben Kaniz Fatema Kahn und den beiden Kindern auch ihr Mann. Inzwischen lebe dieser aber nicht mehr in Wislikofen und getrennt von ihr, und er habe sein Gesuch in dieser Gemeinde zurückgezogen. Markus Leimbacher: «Der Gemeinderat empfahl vorerst die ganze Familie nicht zur Einbürgerung. Auf unsere Hinweise betreffend der rechtlichen Situation teilte der Gemeinderat die Gesuche von Frau Khan und ihrer Kinder aber auf.» Die Mutter wird nun nicht zur Einbürgerung empfohlen, die Kinder hingegen schon. «Es gab Momente, in denen Kaniz Khan überlegte, ihr Gesuch zurückzuziehen, doch ich konnte sie überzeugen, es weiter zu versuchen.»

«Ich unterhalte mich seit fünfeinhalb Jahren mit ihr auf Deutsch»

«Ich unterhalte mich seit fünfeinhalb Jahren mit ihr auf Deutsch.»

Stimmen aus Wislikofen zum Fall Khan.

Die Gemeindeversammlung findet kommenden Mittwoch statt. «Noch haben wir nicht besprochen, ob wir den Fall weiterziehen würden, wenn es mit der Einbürgerung nicht klappen sollte. Auch eine allfällige Strategie steht noch nicht fest», sagt Leimbacher. «Unsere Hoffnung ist, dass bereits die Wisliker Stimmbürger ihrem Gesuch zustimmen.»

Kaniz Khan lebt seit zwanzig Jahren in der Schweiz, seit zehn Jahren in Wislikofen. Sie arbeitet als Köchin in der Maia-Stiftung Haus Goldenbühl, einer Institution für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung. Sie sagte diese Woche: «Seit ich in Wislikofen lebe, habe ich den Wunsch, Schweizerin zu werden. Hier wohne, lebe und arbeite ich, und ich fühle mich richtig wohl hier.» Laut ihrem Vorgesetzten ist sie gut integriert, sie unterhalte sich täglich mit Nachbarn und anderen Einwohnern, und sie habe auch schon Feste für die Dorfbewohner organisiert.

AZ-Karikaturist Silvan Wegmann zum Fall Wislikofen: