Die nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat im Januar 20 Orte vorgeschlagen, die aus ihrer Sicht als Areal für Oberflächenanlagen zur Verpackung von Atommüll geeignet sind. Ein möglicher Standort liegt im Industriegebiet zwischen Rekingen und Mellikon.

Während sich der Gemeinderat von Rekingen prompt gegen eine Oberflächenanlage ausgesprochen hatte, wollte sich Mellikon noch vor einem Monat nicht festlegen. «Der Gemeinderat hat beschlossen, vorerst eine neutrale Haltung einzunehmen», sagte Gemeindeammann Rolf Laube (Bild rechts) an einer Diskussionsveranstaltung des Vereins Loti (Nördlich Lägern ohne Tiefenlager).

Ablehnende Haltung angestrebt

«Ich konnte vor einem Monat nicht klar Nein sagen, weil wir im Gemeinderat noch keine Stellungnahme erarbeitet hatten», erklärt Rolf Laube: «Jetzt läuft aber alles auf eine ablehnende Haltung heraus.»

Mellikon plant im Mai einen Workshop, an dem die Bevölkerung eingeladen wird, gemeinsam mit dem Gemeinderat die Haltung in der Frage betreffend eines Oberflächenlagers zu erarbeiten. Der Wissensstand sei unterschiedlich, sagt Laube. Es sei ihm wichtig, gemeinsam mit der Bevölkerung eine Meinungsbildung zu erarbeiten. «Ich strebe ganz klar eine ablehnende Haltung an.» Im Moment würden eigentlich alle Argumente gegen eine solche Oberflächenanlage sprechen, erklärt er.

«Die so genannte Heisse Zelle, also der Ort, wo das radioaktive Material umgeladen wird, wäre unmittelbar in unserer Nähe», erklärt Laube. «Die Oberflächenanlage käme nicht weit weg vom Dorf weg zu stehen. Wir könnten die Anlage von unseren Häusern aus sehen.»

Es sei enorm wichtig, dass ein Beschluss gefasst werde, hinter dem die ganze Region stehen könne. «Entscheidend ist darum auch die Nähe Mellikons zu Bad Zurzach. Ich befürchte, dass ein Oberflächenlager negativen Einfluss auf das Image des Kurorts haben könnte.»

Region soll Stärke zeigen

Er habe regelmässig das Gefühl, dass Mellikon und das Zurzibiet gegen den Kanton Zürich kämpfen müssten, sagt Laube. «Im Kanton Zürich gibt es Politiker, die glauben, man könne das Oberflächenlager in den Aargau abschieben. Dagegen müssen wir uns wehren. Unsere Region muss jetzt Stärke zeigen. Denn der Kanton Zürich ist auch stark.»

Der Planungsverband Zurzibiet habe letztes Jahr eine Stellungnahme verfasst, die besagt, dass man in unserer Region kein Tiefenlager haben möchte. Ausser, ein Platz in der Region stelle sich als sicherster Standort heraus. «Aber ich habe das Gefühl, dass Standorte ausgewählt worden sind, in denen wenig Leute leben und in denen es wenig Widerstand geben wird. Wir werden darum die Unterstützung der ganzen Region brauchen.»

Eine Oberflächenanlage in Mellikon entspreche ausserdem nicht den Legislaturzielen der Gemeinde. Das Handeln des Gemeinderats richte sich in erster Linie auf die Erhaltung und Förderung einer guten Lebensqualität und eines lebenswerten und gesunden Lebensraums sowie einer gesunden finanziellen Entwicklung der Gemeinde aus.