Kaiserstuhl

Gemeinde erweitert den Hafen um 20 Bootsplätze – wer einen erhält, entscheidet das Los

Der Hafen am Rheinufer vor Kaiserstuhl gehört zum Naherholungsgebiet der Stadt und soll vergrössert werden.

Der Hafen am Rheinufer vor Kaiserstuhl gehört zum Naherholungsgebiet der Stadt und soll vergrössert werden.

In Kaiserstuhl gibt es grünes Licht für mehr Anlegeplätze. Sie haben laut Bericht keinen Einfluss auf die Umwelt, das Baugesuch liegt auf.

Die 35 Anlegeplätze am Hafen von Kaiserstuhl sind begehrt, die Warteliste der Bootsbesitzer lang. Einheimische warten rund fünf Jahre auf einen Platz, Auswärtige gar über 20 Jahre. Seit Sommer 2017 ist klar: Das Städtchen will seinen vor über 20 Jahren erstellten Hafen am idyllischen Rheinufer sanieren und auf 55 Plätze vergrössern.

Die vom Kanton nachträglich verlangte Prüfung zur Umweltverträglichkeit verzögerte den Ausbau jedoch. Nötig wird ein solcher Bericht, wenn mehr als 50 Bootsplätze geplant sind. Nun liegt der positive Bericht vor.

Somit ist klar, dass das Städtchen alle 20 neuen Plätze realisieren kann. Das entsprechende Baugesuch für die Erweiterung liegt bis 24. Januar auf – die Sanierung des bestehenden Hafens erfolgte bereits im Frühling.

Kaiserstuhl in Bildern:

Mit der Umweltverträglichkeitsprüfung wird geklärt, ob ein Projekt den rechtlichen Vorschriften zum Schutz der Umwelt entspricht. Dass diese positiv ausgefallen ist, freut den zuständigen Stadtrat Daniel Hersche. Er habe aber auch damit gerechnet, dass der Hafen die Umwelt nicht beeinträchtige.

«Offenbar fühlen sich gewisse Tiere und Pflanzen gerade wegen der Hafenanlage wohl im Flussabschnitt vor Kaiserstuhl», sagt er. So wurden 2015 vom Aussterben bedrohte Bachmuscheln dort gefunden. In Kaiserstuhl befindet sich somit die einzige im Aargau bekannte Fundstelle.

Bei einem Tauchgang dieses Jahres sind jedoch keine weiteren Muscheln mehr entdeckt worden. Vor Beginn der Bauarbeiten ist ein weiterer Tauchgang geplant. Falls dabei Muscheln gesichtet werden, ist eine Umsiedlung geplant.

Mieter zahlen rund 80 Prozent der Kosten

Wie dem Umweltverträglichkeitsbericht zu entnehmen ist, der dem Baugesuch beiliegt, leben am Ufer und im Fluss auch andere wichtige oder geschützte Tier- und Pflanzenarten. «Am Ufer wächst ein Triumvirat von Schilfpflanzen, die so kaum vorkommen», sagt Hersche. Diese werden, falls nötig, während der Bauzeit umgepflanzt.

Die an den Ufern Kaiserstuhls heimischen Libellenarten stehen zwar nicht auf der Roten Liste, gelten aber als Leitarten von Fliessgewässern. Damit die Libellen gut wegfliegen können, wenn sie geschlüpft sind und das Wasser verlassen, ist deshalb zwischen dem neuen Steg und der Bunkerwand ein freier Abstand von mindestens 15 Zentimetern vorgesehen.

Am städtischen Hafen legen ausschliesslich Freizeitschiffe wie Sport- oder Ruderboote mit einer maximalen Breite von 2,2 Metern an. Die Mieter stammen aus Kaiserstuhl, den umliegenden Gemeinden bis nach Baden. Aktuell nutzen täglich rund drei Boote den Hafen, in Zukunft sollen es deren fünf sein.

An der Sommergmeind 2018 sagte der Souverän Ja zum Kreditantrag von 510'000 Franken. Die Sanierung kostet rund 175'000 Franken, die Erweiterung 215'000. Die Finanzierung der Sanierung und Erweiterung geschieht grösstenteils durch die Mieter der Bootsplätze.

Hierfür wurden zum einen die bestehenden, eher tiefen Mietgebühren um 25 Prozent angehoben, zum anderen vermietet das Städtchen die neuen Liegeplätze für 15 Jahre vor. Dies deckt 80 Prozent der Finanzierung, den Rest übernimmt die Gemeinde.

Der Bunker soll eine Aussichtsplattform werden

Wer einen Bootsplatz ergattern will, muss also einen Mietvertrag für die Dauer von 15 Jahren unterzeichnen. Die Kosten betragen insgesamt 18'000 Franken. Die Hälfte des Betrags muss bei Baubeginn, die andere bei Bezug bezahlt werden.

15 Plätze vergab Kaiserstuhl bereits an die künftigen Besitzer – via Losentscheid, weil mehr Interessenten als Bootsplätze vorhanden sind. Sofern gegen das aufliegende Baugesuch keine Einsprachen eingehen, werden die restlichen Bootsplätze voraussichtlich im Februar verlost.

Gemäss Baugesuch sind die 20 neuen Bootsplätze zwischen dem Infanteriebunker und der Grundwasserfassung Rheinhalde im Gegensatz zur bestehenden Anlage als freischwimmender Steg geplant, der sich dem Wasserniveau anpasst. Deshalb sind auch keine Dalben vorgesehen, die als Pfähle in den Gewässergrund eingerammt werden.

Die neuen Bootsplätze sind über vier Streben und zwei Zugangsstege erreichbar, die über lokale Betonfundamente mit der betonierten Uferbefestigung verbunden werden. Die einzelne Anlegestelle unmittelbar unterhalb des Bunkers wird aufgehoben. «Der Baustart ist mit dem Start der Schiffssaison im April vorgesehen», sagt Stadtrat Daniel Hersche. Das Städtchen rechnet mit einer Bauzeit von rund zwei Monaten.

Hafen als Standortvorteil

Da Orte zum Verweilen und Ausruhen auf dem Wanderweg entlang des Rheinufers rar sind, möchte Kaiserstuhl ausserdem den Bunker kaufen, dessen Dach als Aussichtsplattform mit Blick auf das Schloss Rötteln zugänglich machen und zwei Sitzbänke montieren. Eine Zusage der Armee bestehe bereits, heisst es im Baugesuch.

Der Hafen ist für Kaiserstuhl ein wichtiger Standortvorteil und der Rhein ein grosser Bestandteil des Naherholungsgebiets. Wie dem Baugesuch zu entnehmen ist, lohne sich der Hafen, der sich am linken Rheinufer unmittelbar unterhalb der Zollbrücke befindet, auch finanziell für die Stadt. Zudem ist die Anlegestelle des Städtchens auf Schweizerseite die einzige rheinaufwärts bis hin zum Stauwehr Eglisau und rheinabwärts bis nach Rümikon.

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