Auf diese Meldung hat man in Würenlingen sehnlichst gewartet. Vor einer Woche meldete die Aargauer Staatskanzlei: «Um dem akuten Hausärztemangel entgegenzutreten, lockert der Kanton Aargau die Zulassungsbeschränkungen für Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland. Die Verordnung tritt am 1. Mai 2018 in Kraft.»

Weiter wird die zuständige Regierungsrätin Franziska Roth zitiert: «Unter dem Hausärztemangel zu leiden haben vor allem Bewohnerinnen und Bewohner in ländlichen Regionen und es wird zusehends schwieriger, Praxen, zum Beispiel nach Pensionierungen, aufrechtzuerhalten.»

Damit nimmt sie, wenn auch nicht explizit, Bezug auf den Fall des Würenlinger Hausarztes Dr. Peter Horowitz. Er und die Würenlinger Bevölkerung hatten den Stein ins Rollen gebracht. Die Nachfolgelösung seiner Praxis wurde durch die restriktive Umsetzung des Ärztestopps verhindert (Lesen Sie hier).

Horowitz selbst wandte sich an die Regierung, Teile der Bevölkerung, angeführt von Ex-Ammann Arthur Schneider, schrieben Briefe nach Aarau. Schneider wurde von Roth gar zu einer persönlichen Audienz geladen.

Mit dem Resultat, dass auf Regierungsebene ein Umdenken und Einlenken stattgefunden hat. «Mit grosser Freude und Genugtuung habe ich den Entscheid aus Aarau zur Kenntnis genommen», sagt Horowitz. Der bald 70-Jährige wird seinem Nachfolger aus Deutschland die Praxis übergeben können.

Der 44-Jährige erfüllt die neuen Kriterien des Kantons. «Sobald die Berufsausübungsbewilligung eingetroffen ist, wird er seine Zelte in Frankfurt abbrechen», kündigt Horowitz an. Die Praxisübergabe wird frühestens im Herbst stattfinden. Damit gibt es auch in Zukunft zwei Arztpraxen in der 4600-Einwohner-Gemeinde.

Öffentlicher Druck war nötig

«Was hier passiert ist, ist ein Paradestück gelebter Demokratie», freut sich Würenlingens Gemeindeammann André Zoppi, «die Bürger – und nicht die Behörden – haben etwas bewegt.» Vor allem den Einsatz seines Vorgängers Arthur Schneider streicht Zoppi heraus. «Nicht zuletzt dank seiner Direktheit und Hartnäckigkeit sind Regierungsrat und Grossrat zum Schluss gekommen, den Ärztestopp differenziert zu beurteilen.»

Zoppi kritisiert aber auch: «Offenbar brauchte es den öffentlichen Druck. Im Idealfall handeln Politiker jedoch proaktiv.» Dennoch lobt er Roth: «Es ist erfreulich, dass sie die Sache in die Hand genommen hat und sich nicht hinter Juristen und Beamten versteckt hat.»

Schneider selbst sagt: «Die Weiterführung der Arztpraxis von Dr. Peter Horowitz ist ein hart erkämpfter Erfolg. Der Regierungsrat hat eine von Franziska Roth vorgeschlagene Verordnungsänderung beschlossen. Ich gratuliere zu diesem Entscheid.»

Dennoch gibt er zu bedenken: «Das erreichte Ergebnis ist der sogenannte Tropfen auf den heissen Stein. Mit den Zulassungsbewilligungen von ausländischen Ärzten ist das Hausärzte-Problem nicht gelöst. Wir brauchen mehr einheimische Ärzte, um das Manko beheben zu können. Fehlende Hausärzte und geschlossene Arztpraxen sind Katastrophen – für Ältere, immobile Kranke und Betagte.»

Schneider fordert die Gesundheitsdirektoren auf, das Thema dringend auf die Traktandenliste zu setzen. Und schliesslich: «Die gewählten Parlamentarier in Bundesbern haben eine gewaltige Hausaufgabe vor sich.»

Ähnlich äussert sich der Zurzibieter CVP-Grossrat René Huber: «Mit der neuen Verordnung wurde eine akute Situation entschärft, aber das grundsätzliche Problem nicht gelöst.» Huber war einer der Ersten, als er im Juni 2017 mit seiner Interpellation auf den Hausärztemangel im Kanton aufmerksam gemacht hatte.

Die Reaktion des Regierungsrats stimmte ihn zunächst wenig optimistisch. Der Ärztestopp gelte bis zum 30. Juni 2019 und soll dann durch ein neues System des Bundes abgelöst werden, hiess es damals. «Die Wende, die nun auch aufgrund des Drucks aus der Bevölkerung zustande gekommen ist, freut und überrascht mich.»

Wo sind die Schweizer Hausärzte?

Dass Gesuche ausländischer Ärzte individuell geprüft werden und Kriterien definiert wurden, sei der richtige Weg. Doch müssen Anreize in der Aus- und Weiterbildung geschaffen werden, um mehr einheimischen Nachwuchs für den Hausarzt-Beruf zu gewinnen.

«Eine Patentlösung habe ich auch nicht», sagt Huber, «es ist ein gesamtschweizerisches Problem, das den Bund in den nächsten Jahren beschäftigen wird – ja beschäftigen muss.»

Horowitz beschäftigt sich nun seinerseits mit der Fortführung des Praxisbetriebs. Er sucht eine zusätzliche Praxisassistentin, nachdem sich Bianca Meier auf eine Weltreise verabschiedet hat.

Ursprünglich, als keine Aussicht auf eine erfolgreiche Nachfolgelösung bestand, wollte er per Ende März in Pension gehen. «Nun mache ich weiter, bis mein Nachfolger hier ist», sagt er.