Leuggern

Geldsegen auch bei der katholischen Kirche – sie kann die Steuern senken

Kirchenpflegepräsident Beat Elsener vor der katholischen Kirche in Leuggern. Dank der unerwarteten Einnahmen von 2,1 Millionen Franken sollen die Kirchensteuern sinken.

Kirchenpflegepräsident Beat Elsener vor der katholischen Kirche in Leuggern. Dank der unerwarteten Einnahmen von 2,1 Millionen Franken sollen die Kirchensteuern sinken.

Nicht nur die Einwohnergemeinde, sondern auch die katholische Kirchgemeinde Leuggern-Kleindöttingen profitiert von den Sondersteuern in Millionenhöhe. Sie saniert damit ihr Gotteshaus.

Sondersteuern in Höhe von 23,7 Millionen Franken hat die Gemeinde Leuggern erhalten: Das Geld stammt von einer natürlichen Person, als Folge eines ausserordentlichen Ereignisses, wie Gemeindeammann Stefan Widmer Anfang Woche erklärte. Der Gemeinderat will nun den Steuerfuss von 117 auf 107 Prozent senken.

Neben der Gemeinde kommt auch die katholische Kirchgemeinde Leuggern-Kleindöttingen in den Genuss von ausserordentlichen Steuereinnahmen, wie Kirchenpflegepräsident Beat Elsener auf Anfrage bestätigt: «Der Betrag, den wir erhalten haben, beläuft sich auf 2,1 Millionen Franken.»

In den vergangenen Jahren belief sich der Kirchensteuerertrag in Leuggern auf rund 1,4 Millionen Franken jährlich. «Der unerwartete Steuersegen ermöglicht es uns, die Kirchensteuern von 21 auf 20 Steuerprozente zu senken», sagt Elsener. Beschlossen ist die Steuersenkung aber noch nicht: Abgestimmt wird an der Kirchgemeindeversammlung am 28. November.

Elsener spricht weiter von einem sehr willkommenen Zustupf: Die Leuggermer Kirche mit dem imposanten Glockenturm – es ist mit 56,5 Metern der höchste im Kanton Aargau – wird derzeit saniert. Glockenturm, Fenster und Fassade werden erneuert. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 2,5 Millionen Franken, wovon die Kirchgemeinde 1,5 Millionen Franken beisteuert (den Rest bezahlen die nationale und kantonale Denkmalpflege sowie die Stiftung der Kirche St. Peter und Paul bei).

«Der Kredit für den Umbau war schon bewilligt worden, bevor wir von den ausserordentlichen Steuererträgen Kenntnis erhielten», so Elsener. So wurde auf der Website der Kirche unter anderem ein Spendenaufruf zugunsten der Renovation platziert. «Der Zustupf hat nun aber zur Folge, dass wir kein Fremdkapital aufnehmen müssen und Schulden abbauen können», erklärt Beat Elsener.

Wie die Gemeinde die rund 24 Millionen anlegt

Gemäss Steuerrechner des Kantons Aargau müsste sich der ausserordentliche Betrag zugunsten der Kirche – angesichts der Summe von 23,7 Millionen Franken zugunsten der Gemeinde – auf rund 4 Millionen Franken belaufen. Warum der Betrag nun mit 2,1 Millionen Franken tiefer ausfällt, dazu will Elsener keine Stellung nehmen.

Eine mögliche Erklärung: Falls die natürliche Person verheiratet ist und eine der beiden Ehepartner nicht Mitglied bei der katholischen Kirche ist, beläuft sich der ausserordentliche Betrag zugunsten der Kirchgemeinde laut Steuerrechner des Kantons auf rund 2 Millionen Franken.

Markus Stoll, Steuerspezialist beim VZ Vermögenszentrum, bestätigt: «Das schweizerische Steuerrecht basiert auf dem System der Familienbesteuerung. Dabei kennt der Kanton Aargau folgende Regelung: Im Falle, dass nicht alle Mitglieder derselben Familie der gleichen Religionsgemeinschaft angehören, erfolgt eine proportionale Aufteilung des Steuersatzes auf die jeweilige Konfession der Familienmitglieder, wobei die minderjährigen Kinder mitberücksichtigt werden.» 

Derweil werden Details bekannt zur Frage, wie der Gemeinderat die Sondersteuern von fast 24 Millionen Franken anlegt. Gemeindeammann Widmer erklärte gegenüber «20 Minuten»: «Das Geld haben wir bei verschiedenen Banken angelegt. So müssen wir keine Negativzinsen zahlen.»

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