Angefangen hat alles mit einer Forderung des Lengnauer Publizisten Roy Oppenheim vor rund drei Jahren: Er machte sich dafür stark, dass die christlich-jüdische Geschichte der Surbtaler Gemeinden Endingen und Lengnau besser dokumentiert und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Oppenheim, der aus einer jüdischen Familie stammt, dachte beispielsweise an ein Museum in einem der beiden Dörfer.

Die Idee stiess beim Kanton auf Interesse, ein runder Tisch wurde einberufen. Dort einigten sich die Interessenvertreter von Gemeinden und jüdischen Institutionen auf die Ausarbeitung eines Konzepts.

Fragt man die Beteiligten nun nach dessen Stand, so wird geschwiegen. Umfassend informieren werde das Projektteam im April, sagt Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur beim Kanton Aargau. Er habe alle Beteiligten gebeten, sich vorher noch nicht öffentlich zu äussern, um das Gelingen des bedeutenden Projekts nicht zu gefährden, erklärt er auf Anfrage.

Und doch sickert bereits jetzt durch, dass die Arbeitsgruppe Grosses vor hat: Weit mehr als nur ein Museum im eigentlichen Sinn ist vorgesehen. Gemäss übereinstimmenden Aussagen von mehreren Insidern ist ein Projekt angedacht, dessen Realisierung zwischen 10 und 20 Millionen Franken kosten könnte und nationale, vielleicht sogar internationale Ausstrahlung erlangen soll. Der Name des Projekts lautet «Doppeltür». Er geht auf eine Bestimmung zurück, wonach Juden und Christen nicht beieinander wohnen durften, die aber durch den Bau von getrennten Hauseingängen umgangen wurde. Zur Erinnerung: Endingen und Lengnau waren ab 1776 fast hundert Jahre lang die einzigen Orte in der Schweiz, in denen sich Juden niederlassen durften. Die jüdische Korporation verwaltete sich selber, baute Synagogen und unterhielt eine Schule. Erst mit der Verankerung von Niederlassungs- (1866) und Kultusfreiheit (1874) auch für Nichtchristen in der Bundesverfassung erhielten die Juden Gleichberechtigung.

Mitbeteiligt am Kulturprojekt ist auch die Badener Agentur «im Raum». Die Beschreibung des Projekts Doppeltür auf deren Website lässt erahnen, um was es geht: «Am bestehenden jüdischen Kulturweg anknüpfend, soll die Vermittlung schauplatzorientiert und in Etappen realisierbar sein. Inhaltliche Schwerpunkte liegen bei der Ansiedlungsgeschichte der Juden in den Dörfern Endingen und Lengnau und beim alltäglichen Zusammenleben mit den Christen. Zudem sollen Bezüge zur Geschichte der Juden in der Schweiz und in Europa sowie zu übergeordneten Themen der Gegenwart wie Integration und Toleranz geschaffen werden.»

«Doppeltüre» soll also mehrere historische Schauplätze beinhalten. Dazu sagt Thomas Pauli: «Das Surbtal ist voll von ehemaligen Kulturdenkmälern, die es zu erschliessen gilt.» Zu diesen Kulturdenkmälern zählen beispielsweise die beiden Synagogen in Endingen und Lengnau, der jüdische Friedhof sowie auch Häuser mit Doppeltüren. Im Surbtal wird denn auch gemunkelt, dass im Rahmen des Projekts solche Häuser vor dem Zerfall gerettet und renoviert werden könnten. Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass es kein klassisches Museum geben wird, vorstellbar sei ein Besucherzentrum, sagt Thomas Pauli. 

Umsetzung Schritt für Schritt

Die Summe von 10 bis 20 Millionen Franken, die das Projekt «Doppeltüre» angeblich kosten könnte, will er weder dementieren noch kommentieren. «Wichtig zu betonen ist in diesem Zusammenhang, dass es sich um ein Modul-Projekt handelt. Das bedeutet, dass nicht alle Ideen auf einen Zeitpunkt hin realisiert werden müssen, sondern Schritt für Schritt umgesetzt werden können», sagt Pauli. Auch Fragen zur Finanzierung beantwortet er nicht. Angeblich, so heisst es in den beiden Dörfern, hoffe das Projektteam, Geldgeber zu finden.

Die Surbtaler Ammänner wollen sich auf Anfrage nicht äussern. Noch sei rein nichts spruchreif, das Projetteam befinde sich mitten im Erarbeitungsprozess. Ihre Träume haben sie aber bereits verraten – im gemeinsamen Mitteilungsblatt «Surbtaler» schrieben sie einen Text über «fiktive Zukunftsvorstellungen». Eine Vision lautet so: «Das Surbtal ist Ausgangspunkt für viel beachtete Aufsätze und inhaltliche Diskussionen zum Zusammenleben verschiedener Religionen. Das internationale bedeutende Museum Doppeltür im Surbtal ist fertiggestellt.»