Bad Zurzach

Gegen die Abrisspläne des Wahrzeichens lehnt sich niemand auf

Trotz seiner zweifelhaften Ästhetik hat der Turm den Charakter eines Wahrzeichens.

Trotz seiner zweifelhaften Ästhetik hat der Turm den Charakter eines Wahrzeichens.

Die Nachricht, dass das Turmhotel in Bad Zurzach bald Geschichte sein wird, hat keine Aufruhr ausgelöst. Gemeinde, Touristiker und Denkmalpflege hängen kaum am Wahrzeichen des Fleckens.

Das Turmhotel in Bad Zurzach soll weg. Darüber ist man sich bei der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach «intern einig». Widerstand gegen diesen Plan gibt es bisher nicht. Gemeindeammann Reto S. Fuchs zeigt Verständnis: «Das Hotel ist wirtschaftlich nicht mehr rentabel. Es kann keinem privatwirtschaftlichen Unternehmen zugemutet werden, ein Verlustgeschäft zu betreiben, nur um ein Wahrzeichen zu erhalten.» Natürlich sei es in gewisser Hinsicht schade um den Turm. «Andererseits habe ich noch nie jemanden getroffen, der ihn wirklich für ein ästhetisches Meisterwerk hält.»

Trotzdem sei das Bauwerk ein Wahrzeichen, an das sich die Bewohner gewöhnt hätten. Für Fuchs ist nicht gesagt, dass das neue Hotel wieder ein Turm werden muss. Jedoch sei es wünschenswert, wenn der Neubau wieder Wahrzeichencharakter hätte. Es sei nun Aufgabe der Städteplaner, abzuklären, was möglich ist.

Kein Problem für den Tourismus

Auch die lokale Tourismusorganisation hat kein Problem damit, dass das alte Wahrzeichen bald der Vergangenheit angehören soll: «Wir begrüssen die Pläne. Es ist klar, dass mit dem alten Turm etwas passieren muss», sagt Peter Schläpfer, Geschäftsführer der Bad Zurzach Tourismus AG. Er wünscht sich aber ein neues Wahrzeichen an seiner Stelle. «Es soll auf jeden Fall wieder ein Turm sein, das gehört zur Identität von Bad Zurzach.»

Ein Neubau sei eine Chance, ein attraktiveres Wahrzeichen zu bauen. Ein neues Vier-Sterne-Haus, wie es die Stiftung plant, findet er eine gute Idee. «Wir brauchen in Bad Zurzach Angebote in allen Preisklassen. Im Vier-Sterne-Bereich haben wir zwar das sehr gute Park Hotel. Aber es hätte Platz für ein zweites.»

Laut Schläpfer ist ein solches Hotel in Bad Zurzach durchaus überlebensfähig – trotz des starken Frankens. «Die derzeitige Lage ist nur eine Momentaufnahme, ein Hotel ist eine langfristige Investition», sagt er. Zudem spüre die Destination Bad Zurzach die Frankenstärke weniger stark als andere Grenzregionen. «Natürlich ist sie auch für uns eine Herausforderung. Aber unser Hauptangebot – Gesundheit und Wellness – liegt im Trend. Das ist ein wachsender Markt.»

Aber darf die Stiftung ihren Turm überhaupt einfach so abreissen? Steht er nicht unter Denkmalschutz? «Nein», sagt Simone Strub vom kantonalen Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS). Das Bauinventar der Denkmalpflege erfasse grundsätzlich Objekte, die 1920 oder früher erbaut wurden.

«Wir werden wohl nicht gegen den Abriss des Turms vorgehen», so Strub. Zwar könnten auch jüngere Bauten unter Schutz gestellt werden, dafür brauche es aber einen Antrag des Eigentümers, der Standortgemeinde oder vom Aargauer Heimatschutz. Ein solcher sei für das Turmhotel nicht eingegangen.
Sollte sich das überraschend ändern, müsste die Denkmalpflege prüfen, ob der Turm schützenswert ist.

«Dafür gibt es verschiedene Kriterien, zum Beispiel: Ist das Objekt einzigartig und steht für den Stil einer bestimmten Bauperiode? Ist es ein wichtiger Zeitzeuge?», sagt Strub. Die Ästhetik sei hingegen kein Kriterium für den Schutz eines Bauwerks. Bis zu einem Abriss dürfte es so oder so noch eine Weile dauern. Alleine das Planungsverfahren wird rund zwei Jahre in Anspruch nehmen.

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