Die Ankündigung von Oliver Brun kam unerwartet: Der Ammann von Klingnau gab vor wenigen Tagen seinen Rücktritt als Vorsteher der Zurzibieter Gemeinde bekannt. Nur eineinhalb Jahre nach seiner Wahl. Brun ist bei weitem kein Einzelfall. Sein Entscheid liegt im allgemeinen Trend. In der laufenden Legislatur haben im Aargau bisher 188 Behördenmitglieder ihre vorzeitige Demission eingereicht. Das ist jeder fünfte. Damit dürfte die Zahl der zwei vorgehenden Perioden übertroffen werden.

Allein im Bezirk Zurzach stellten von 2014 bis 2017 ein halbes Dutzend Gemeindepräsidenten ihr Amt vorzeitig zur Verfügung. Zwischen 2009 und 2013 waren es noch drei. Die häufigsten Gründe: Berufliche Überbelastung; im Fall von Oliver Brun sind es private Umstände; Peter Nyffeler aus Leuggern zog weg und bei Heidi Wanner ging die Freude am Politisieren verloren.

Eines zeigt der Blick in die Statistiken nachhaltig auf: Die Bereitschaft, sich langfristig in den Dienst der Gemeinde zu stellen, sinkt seit Jahren. Die Zeiten, in denen Personen ihr halbes Leben in der Exekutive verbrachten, nehmen laufend ab, wie einer Studie vom Zentrum für Demokratie Aarau zu entnehmen ist. Durchschnittlich steht im Aargau – wie im Zurzibiet – ein Ammann noch rund fünf Jahre an der Spitze der Gemeinde.

Ausnahmen gibt aber nach wie vor, auch im Bezirk Zurzach: Kurt Schmid aus Lengnau brachte es bis zu seinem Rücktritt 2013 auf 28 Jahre als Gemeindeammann. Von dieser Marke sind Peter Hirt und Stefan Schuhmacher zwar noch ein gutes Stück entfernt. Die Ammänner aus Döttingen und Siglistorf stehen aber immerhin im fünfzehnten Jahr an der Spitze ihrer Gemeinde und sind damit die dienstältesten Ammänner im Bezirk Zurzach. Amtsmüdigkeit ist sowohl bei Hirt wie bei Schuhmacher aber nicht auszumachen. Beide stellen sich an den Gesamterneuerungswahlen im Herbst für eine weitere Periode zur Verfügung.

Die Grafik beinhaltet einen Fehler: Bei Patrick Gosteli beträgt die Ammann-Amtszeit 7 Jahre. Er ist seit 2010 Ammann und ist seit 2006 im Gemeinderat.

Die Grafik beinhaltet einen Fehler: Bei Patrick Gosteli beträgt die Ammann-Amtszeit 7 Jahre. Er ist seit 2010 Ammann und ist seit 2006 im Gemeinderat. 

Keine Verschleisserscheinungen

Schuhmacher hat den Entscheid diese Woche seinen Gemeinderatskollegen mitgeteilt. Viel Zeit zum Überlegen habe er nicht benötigt, versichert er. Ein Rücktritt sei nie zur Debatte gestanden, sagt Stefan Schuhmacher. «Dafür bin ich viel zu motiviert. Ich möchte im Dorf nach wie vor etwas bewegen.» Solange die Siglistorfer ihm das Vertrauen schenken, will er weitermachen. Verschleisserscheinungen sind beim 55-jährigen Vater von fünf erwachsenen Kindern keine auszumachen. Obwohl er, wie viele seiner Amtskollegen, durchschnittlich rund 20 Stunden wöchentlich für die Gemeindegeschäfte investiert. «Als Landwirt bin ich in der glücklichen Lage, meine Aufgaben flexibel zu erledigen», sagt Schuhmacher.

Ähnlich klingt es bei Peter Hirt. Der Döttinger engagiert sich seit über 30 Jahren in der kommunalen Politik. 1984 schaffte er erstmals den Sprung in den Gemeinderat. Seit 2002 leitet Hirt nun die Geschicke der Gemeinde im Unteren Aaretal. Daneben ist er Zivilschutzkommandant und betreibt in einem kleinen Pensum sein Heizungs- und Sanitärgeschäft, das einst 25 Mitarbeiter zählte. «Damit man alles unter einen Hut bekommt, ist ein intaktes Umfeld notwendig.»

Diese Ammänner sind schon ein Weilchen dabei:

Frei von Sorgen verliefen die Amtszeiten von Peter Hirt und Stefan Schuhmacher dennoch nicht. Döttingen war einst Steuerparadies im Kanton. Der Satz lag dank der Einnahmen der Axpo bei rekordverdächtigen 60 Prozent. Inzwischen ist Döttingen ein normaler Ort mit einem normalen Steuerfuss und normalen Alltagssorgen wie andere Gemeinden im Zurzibiet. Siglistorf hatte seinerseits das Nein zur Fusion mit Schneisingen zu verkraften. An solchen Herausforderungen seien sie gewachsen, sagen beide. Vielleicht mit ein Grund, dass ihnen die Freude an der Politik nicht abhandengekommen ist.