Endingen

Für sechs Millionen Franken: Zehn Wohnungen neben Baudenkmälern sollen ein Quartier beleben

Zehn Wohnungen mit 3,5 bis 5,5 Zimmern sollen im idyllischen Mühlequartier entstehen.

Zehn Wohnungen mit 3,5 bis 5,5 Zimmern sollen im idyllischen Mühlequartier entstehen.

Ein Ökoneubau soll einem «ausgestorbenen» Quartier wieder neues Leben einhauchen. So soll das Holz einheimisch sein, damit das Wohnhaus auch optisch ins Bild passt. Was das Bauherr-Ehepaar sonst noch plant.

Das Endinger Mühlequartier kann sich sehen lassen: Wer über die obere Surbbrücke schlendert, kommt an der Scheune vorbei zur um 1880 erbauten Mühle im Biedermeierstil. Geradeaus erblickt man einen verwachsenen Speicher, zur Linken ein 1915 erbauter lindgrüner Würfel. Alle Objekte werden im Inventar der kantonalen Denkmalpflege geführt. In dieser Idylle, diesem lokalhistorisch wichtigen Flecken soll bald ein Neubau entstehen. Zehn 3,5- bis 5,5-Zimmer-Eigentumswohnungen, Kaufpreis zwischen 620'000 und 950'000 Franken.

Die Bauherrschaft des ökologischen Bauprojekts «Mühlepüntli» liegt in den Händen von Käthe und ihrem Mann Hans-Peter Sigrist-Frey, die in Zollikofen leben. Sie entstammt der Frey-Familie, sie wuchs in dem lindgrünen Bau auf, der als Alterswohnsitz für die Müllerfamilie gebaut wurde. Ihr Ururgrossvater Andreas Frey hatte einst das Mühlegebäude errichtet. «Wir haben das Bauland ­gekauft, um ein spekulatives Projekt zu verhindern. Wenn hier was gebaut wird, wollten wir mitbestimmen und nachhaltig bauen», erzählt Hans-Peter ­Sigrist-Frey.

Familien und Senioren sollen einziehen

Das Ehepaar entschied sich, dass neben dem Mühlequartier ein Wohnbau entstehen soll, direkt hinter dem markanten Siloturm, der einst zur Landesversorgung gebaut wurde. Es sei ein ruhiges Quartier, Sigrist-Frey drückt sich vor dem Begriff «ausgestorben»: «Es braucht wieder etwas Leben am Mühleweg, eine Mischung von Familien mit Kindern und Senioren. Wir hatten dann die etwas verrückte Idee mit dem Architekturwettbewerb. Dieses Projekt ist daraus hervorgegangen.»

Das Projekt überzeugte vor allem deshalb, weil das Bauvorhaben auf das angrenzende Quartier ausgerichtet ist und sich baulich dem Ortsbildschutz fügen will: Die Aussenfassade und die Balkone in Richtung Surb sollen aus einheimischem Holz gestaltet sein und sich so optisch in die historische Facette des Quartiers einpassen. «Ein Betonbau wäre hier einfach nicht schön», so Sigrist-Frey.

Durch die grossen Fenster zur Surb hin sollen die einzelnen Wohnungen jeweils komplett mit Licht durchflutet werden. Denn der Wohnbereich geht fliessend über in Essbereich und Küche. «Manche Leute wollen geschlossene Küchen. Wir haben uns entschlossen, das wie früher zu gestalten, mit einem gemeinsamen, lichtdurchfluteten Wohn- und Essbereich», erzählt Sigrist-Frey. Der Surbblick ist unverbaubar. Auf der Rückseite soll der Blick auf eine Felswand gehen und zum Naturflair beitragen.

Solarzellen, Erdsonden und E-Mobilität

Auf der Dachfläche sind Solarzellen geplant. Das moderne ökologische Profil wird erweitert durch Erdsonden, die zur Wärmegewinnung dienen. Diese werden etwa 70 Meter in den Boden eingesetzt und entziehen ihm Wärme – Sigrist bezeichnet es als «umgekehrten Kühlschrank». Das ist im Vergleich zu Ölheizungen ressourcenschonend und spart Heizkosten. Die zur Verfügung stehenden Parkplätze in der Tiefgarage sollen mit Anschlüssen für Elektroautos aufgerüstet sein.

Die Umweltverträglichkeit ist also gewährleistet. Aber passt ein so moderner Bau in das historische Mühlenquartier? Ein unabhängiger Ortsbildschutzbeauftragter hat das Projekt abgesegnet, schliesslich wurde es extra auf das Quartier ausgelegt. Auch von der Gemeinde kommt Zustimmung: «Dem geschichtsträchtigen Ort wurde Rechnung getragen», findet Ammann Ralf Werder. Der Bau hätte bereits im Juli beginnen sollen, das komplette Projekt wurde jedoch wegen der Coronapandemie vorerst pausiert. Interessenten gab es schon zuvor, bereits im Februar gab es eine erste Zusage. Sobald es genügend Interessenten gibt, soll gebaut werden. «Wir brauchen ein Minimum an Kaufzusagen für den Baustart», sagt Hans-Peter Sigrist-Frey, zu hohe Risiken wolle man nicht eingehen. Schliesslich investiert das Ehepaar sechs Millionen Franken in das Vorhaben.

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