Schweizer Box-Hoffnung

Für den grossen Olympia-Traum musste er hungern – und legte den Job nieder

Davide Faraci sammelt auf einer Crowdfunding-Plattform Geld für Rio. fba/Archiv

Davide Faraci sammelt auf einer Crowdfunding-Plattform Geld für Rio. fba/Archiv

Der Zurzibieter Davide Faraci boxt am Wochenende in der Türkei ums Olympia-Ticket. Dafür hat er seinen Job niedergelegt und ist er in eine tiefere Gewichtsklasse zurückgewechselt. Die Folge: Er musste einige Kilogramm abnehmen.

Davide Faraci träumt von den Olympischen Spielen. Vor vier Jahren hat er die Teilnahme in London um einen einzigen Sieg verpasst. 2016 soll das anders sein, da will der 24-Jährige nach Brasilien reisen. Der Kleindöttinger wäre der erste Schweizer in einem olympischen Boxring seit München 1972.

Dafür ist Faraci bereit, auf vieles zu verzichten. Zum Beispiel auf ein geregeltes Einkommen und – um eine Gewichtsklasse tiefer zu starten – auf reichlich Essen. Bis zum 12. Februar hat der gelernte Automatiker 60 Prozent in seinem Lehrbetrieb Merki + Häfeli AG in Würenlingen gearbeitet.

Der Druck bei der Arbeit, der Druck im Training: Das alles wurde zuviel und die Erholung kam zu kurz. Deshalb hat Faraci seinen Job bis auf weiteres niedergelegt. «Ich liess mich freistellen und kann mich zu 100 Prozent auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele konzentrieren», sagt Faraci.

Damit etwas Geld reinkommt, hat er sich bei «I believe in you» angemeldet. Auf der Crowdfunding-Plattform können Sportler für ihre Projekte Geld sammeln. Gegründet wurde die «digitale Kollekte» von den Olympia-Athleten Mike Kurt (Kanu) und Fabian Kauter (Fechten).

8000 Franken hatte sich Faraci bis Mitte April zum Ziel gesetzt. Bereits jetzt sind 8500 Franken von insgesamt 45 Unterstützern zusammengekommen (Stand Freitag, 8. April).

Boxer Davide Faraci sucht auf der Website ibelieveinyou.ch nach Unterstützern für seinen grossen Traum von den olympischen Spielen.

Boxer Davide Faraci sucht auf der Website ibelieveinyou.ch nach Unterstützern für seinen grossen Traum von den olympischen Spielen.

«Ibelieve in you»-Projekt von Davide Faraci

«Reisen, Hotels und kein Lohn – das alles kostet natürlich», sagt Faraci, «damit die Qualifikation diesmal klappt, unterstützt mich ein erfahrenes Team aus Sport und Organisation. In der Vorbereitung trainiere ich mit international erfahrenen Trainern und den besten Boxern Europas. So kann ich Vollzeit im optimalen Umfeld trainieren.»

Von den 8000 Franken sind 3200 für taktische Trainings und Feinarbeit beim zweifachen Vizeweltmeister Mike Hanke in Berlin vorgesehen. 4800 Franken für Sparringslager in den nationalen Stützpunkten in Heidelberg und Rom.

Im Januar hat der siebenfache Schweizer Meister von Swissboxing erfahren, dass er sich nur im Mittelgewicht (bis 75 kg) für die Olympischen Spiele qualifizieren kann. Erst vor eineinhalb Jahren hatte er den Wechsel vom Mittel- ins Halbschwergewicht (bis 81 kg) vollzogen. Nun muss er sich also wieder in seine alte Gewichtsklasse herunterhungern. Kein einfaches Unterfangen für einen Athleten, der kaum Fettpölsterchen aufweist.

An Qualiturnier in der Türkei

Am Donnerstag flog Faraci in die Türkei. In Samsun am Schwarzen Meer findet das erste von zwei Olympia-Qualifikationsturnieren statt. Die zweite und letzte Chance folgt im Juni in Aserbaidschans Hauptstadt Baku. «Dass ich das schaffen kann, habe ich schon bewiesen», zeigt er sich zuversichtlich. So einfach wie in seinem «I believe in you»-Video namens «Ticket für Rio» dürfte es allerdings nicht werden.

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