Der grosse Tannenbaum mit seinen Lichtern auf dem Platz hinter der Klingnauer Kirche leuchtet jetzt hinunter auf ein kleines Holzhaus, das auf dem Brunnen steht. Es ist mit Stroh ausgelegt. Darauf stehen, aus Holz geschnitzt, Schäfchen und Figuren: Maria und Josef mit dem Kind in der Krippe sind nur schemenhaft angedeutet. In ihrer Schlichtheit bieten sie dem Betrachter Raum, sich eigene Gesichter auszudenken. Die IG Chlausmarkt hatte die Krippe, die nun jeden Advent dort stehen wird, von Otto R. Schärer fertigen lassen.

Schärer, 34 Jahre Förster im Forstkreis Aare-Rhein, seit sieben Jahren pensioniert und engagierter Holzbildhauer, hat die letzten Schäfchen geschnitzt und auch Sterne, Engel, Tannenbäumchen zum Kauf angeboten. Der Frost hielt sich in Grenzen und überhaupt: Punch, Glühwein und der Grinch, der Zaubertrunk der Stausee-Hüüler (grüner Wodka mit Pfefferminztee) gehören genauso zum Clausmarkt wie Raclette, Fondue und Suppe.

Gamsmöckli und Klarsichtkerzen

Auch mit vielen Anbietenden gibt es jeweils am Samstag vor dem ersten Advent ein nettes Wiedersehen: Die Petri-Jünger boten wiederum Forellen- und Zanderfilets an; bei der Rumänienhilfe gab es unter anderem feine Hagenbuttenconfi, und die Auswahl an Adventskränzen war erneut vielfältig. Auch die Frauen vom Chilschpeler Gschänkchorb fehlten nicht. Frisch in ihrem Angebot waren Gamsmöckli im Kräutermantel – ein Angetrauter ist versierter Jäger – sowie Apfelbutter. Apfelbutter? Herstellerin Esther Christ aus Villigen klärt auf, dass es sich dabei um einen, in England auf Scones zur Tea Time heiss geliebten Brotaufstrich handelt. Apfelmus und süsser Most werden dafür zusammen mit Zimt, Nelken und weiteren Gewürzen über viele Stunden eingekocht.

Dinkelkatzen, Topflappen, Blätzliwolldecken, aus Frottétüchlein gefertigte Schneemänner und Samichläuse, Mispeln, Schmuck und Kerzen, Quittengelee und Alpkäse, Olivenöl aus Palästina und Magenbrot aus der Schulküche – wer nur gucken wollte, hatte einen schweren Stand. Aber schliesslich war der eine und andere Kauf ja für einen guten Zweck. So boten Jungwacht und Blauring originelle Klarsichtkerzen an, die sie in Gläser gegossen und mit Figürchen aus Fimo-Knetmasse dekoriert hatten. Den 4.-Seklern hatte eine Tante nähenderweise kräftig unter die Arme gegriffen: So konnten sie durch den Verkauf von bunten Turnbeuteln, Lätzli, Nuggi- und Schlüsselbändern das Geld fürs Abschlusslager vermehren.

Schwemmholz ist «in»! Die Kerzenständer, die der Kleindöttinger Rolf Sutter daraus fertigt, sind aber etwas Besonderes, verschraubt er solches Holz doch zu kunstvollen Gebilden. Daneben fertigt er Kerzenständer aus alten Bodenbrettern. Durch seine fachmännische Behandlung mit Hartwachsöl verwandeln sich die unzähligen Holzwurmlöcher in kunstvolle Dekors. Da die Schreinerei, bei der Sutter angestellt ist, nicht nur in alten Häusern, sondern auch auf der Habsburg und auf Schloss Wildegg Aufträge erledigt, kann es sein, dass man mit dem Kauf einer dieser Kerzenständer unverhofft ein Stück adeligem Fussboden daheim stehen hat.