Die Atomgegner bringen sich in Stellung: Die Nachricht, dass Beznau I nach 1100 Tagen Stillstand Ende März wieder ans Netz geht, sorgt auf der einen Seite für die üblichen Reaktionen.

Die Grünen und der trinationale Atomschutzverband, dem mehr als 100 Gemeinden aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich angehören, sagen Beznau den Kampf an.

Es gibt aber auch die andere, stillere Seite. Einer dieser Vertreter ist Peter Hirt. Der Gemeindeammann der Beznau-Standortgemeinde Döttingen wertet das grüne Licht der Atomaufsichtsbehörde Ensi als «positive Nachricht». Am Telefon entfährt ihm gar ein für seine Verhältnisse euphorisches «Freude herrscht!»

Gespeist von Axpo-Geldern

Diese Freude kommt nicht von ungefähr. Das AKW Beznau und mit ihm die Betreiberin Axpo sind wichtige Arbeitgeber und Steuerzahler für Region und Gemeinde. Döttingen, gespeist von Axpo-Geldern, war lange Zeit das Aargauer Steuerparadies.

Doch als die Aktiensteuer-Millionen der Axpo eingebrochen sind, stieg der Steuerfuss innerhalb von sechs Jahren von 60 auf 110 Prozent. Eine weitere Steuererhöhung auf 115 Prozent lehnte der Souverän an der letzten Wintergmeind ab.

«Hätte die Axpo in den letzten Jahren das bezahlt, was sie immer bezahlt hat, hätten wir mit den Steuern nicht raufmüssen», sagt Hirt. Doch nicht nur die 4000-Einwohner-Gemeinde traf es empfindlich, «auch der Kanton hat das gespürt», ist Hirt überzeugt.

Nebst den Steuergeldern profitiert die Region auch von der Axpo als Arbeitgeber. Von den 500 Angestellten im AKW Beznau wohnen rund 400 im Aargau.

Dass Beznau I wieder ans Netz darf, erfuhr Hirt nicht aus den Medien, sondern bereits vorgängig vom Betreiber. «Wir haben einen guten Draht.

Zwischen der Gemeinde und der Betriebsleitung sowie der Axpo besteht ein regelmässiger Kontakt», sagt Hirt. Den Informationsfluss bezeichnet er als «sehr gut».

Auch bei kleineren Störfällen im Atomkraftwerk wird die Gemeinde umgehend per Telefon und in der Folge per Mail informiert.

Hatte der Ammann Bedenken, ob Beznau I je wieder ans Netz kann? «Sicherheitstechnisch war ich immer der Überzeugung, dass die Verantwortlichen die Probleme in den Griff bekommen.

Allerdings war ich mir nicht sicher, ob auch politisch der Weg geebnet bleibt. Die politische Meinung können wir nicht beeinflussen.»

Aufatmen bei Fernwärmenetz

Nebst der Gemeinde Döttingen freut sich auch die Regionale Fernwärme Unteres Aaretal (Refuna) über die Wiederaufnahme des Betriebs im ersten Reaktorblock.

Das Fernwärmenetz versorgt mehr als 2600 Kunden in den umliegenden elf Gemeinden mit Abwärme aus dem Kernkraftwerk Beznau. Mit der Wärme werden Gebäude aus Industrie, Gewerbe, Schulen und Verwaltungen sowie Wohnbauten beheizt und Warmwasser erzeugt.

Doch gerade in kalten Wintertagen reicht die Abwärme aus nur einem Reaktorblock nicht aus. Die Refuna musste deshalb in den letzten Jahren nach neuen Wärmequellen Ausschau halten, um die lückenlose Abdeckung zu sichern.

«Früher oder später muss die Refuna ohnehin unabhängig von Beznau funktionieren», sagt Hirt.

Die Fernwärmenetz-Betreiber sagen: «Es ist unbestritten, dass das Kernkraftwerk Beznau nach erreichen der Lebensdauer den Betrieb einstellen wird. Die Refuna arbeitet aktiv an der Beschaffung neuer Wärmequellen und wird für eine lückenlose Ablösung sorgen.»