Es gibt Pop- und Rockstars, Gitarren-Helden, Star-Geiger, Tasten-Virtuosen. Und es gibt Jazz-Musiker und Bassisten. Letztgenannte stehen selten im Mittelpunkt. Samuel Huwyler ist beides: Jazz-Musiker und Bassist. Man muss ziemlich gut sein, um es mit dieser Kombination ins Rampenlicht zu schaffen. Dieses ist Samuel Huwyler heute gewiss. Der 27-jährige Endinger erhält im Stadtsaal Zofingen einen Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums. «Jazz ist ein Nischenprodukt, deshalb freut mich die Unterstützung und Aufmerksamkeit umso mehr», sagt Huwyler. 20 000 Franken Förderbeitrag erhält er. «Ich empfinde das als Wertschätzung dessen, was ich seit Jahren mache», fügt der Musiker an.

Huwyler betont: «Anders als in manchen Popbands zählt in meinen aktuellen Kollektivbands das Gesamtprodukt.» Alle Musiker sind wichtig, niemand ragt heraus. Und ein Solo-Bassist sei er sowieso nicht. Huwyler ist bescheiden, weiss aber durchaus um seine Stärken. Er ist gut vernetzt, erscheint pünktlich und gut vorbereitet zu Bandproben. Huwyler hält mit seinem Bassspiel die ausufernden Klangwelten der Band zusammen und bewahrt stets den Überblick. «Ich glaube, die Leute spielen gerne mit mir zusammen», sagt er. Dabei versucht er, auf seiner Fender mit Jahrgang 1964 eine eigene Sprache zu finden. «Ich bin gut in den ungeraden Metren», sagt Huwyler, während andere Bassisten ihren Fokus mehr auf die Geschwindigkeit legten.

Wolfgang Böhler, Jurymitglied des Aargauer Kuratoriums, nennt Samuel Huwyler ein Ausnahmetalent, das sich in der Schweiz einen hervorragenden Namen geschaffen hat. «Dass er als Bassist und Gitarrist ein gefragter Sideman ist, zeigt sich an seinen Konzertverpflichtungen und am vielfältigen Portefeuille an Tonträger-Produktionen.» Als Sohn eines Jazz-Schlagzeugers ist Musik in Huwylers Umfeld allgegenwärtig. Nach vier Jahren Unterricht in klassischer Gitarre entdeckt er die E-Gitarre und gründet seine erste Rockband «TRD», die heute noch besteht. Mit 16 Jahren wechselt er zum E-Bass und absolviert anschliessend das Musikstudium an der Hochschule Luzern. 2013 schloss er mit dem «Master of Arts – Major Performance Jazz» ab.

Derzeit ist Huwyler auf Tour mit «Laurent Méteau’s Metabolism» und seiner Workingband «The Great Harry Hillman», die 2015 den mit 15 000 Franken dotierten Jazzpreis der Zürcher Kantonalbank gewonnen hat. 31 Konzerte in sechs Wochen stehen auf dem Programm. Länder wie England, Belgien, Deutschland, Tschechien und die Schweiz finden sich auf der Liste. «Nach einer Tour habe ich oftmals keinen Rappen mehr in der Tasche», sagt Huwyler. Wenn er auf einem Formular seinen Beruf angeben muss, schreibt er Grafiker und nicht Musiker. Seine Arbeit als selbstständiger Grafiker ist seine Haupteinnahmequelle. Für diverse Veranstalter und Firmen designt Huwyler mit seiner Firma «Humus Artwork» Flyer oder Plakate. Für den Sportpark Aare-Rhein dürfte er ein 50-seitiges Imagebook gestalten.

Klar ist: Für den Musiker Huwyler sind die 20 000 Franken Gold wert. Jurymitglied Böhler sagt: «Bei so vielen Begehrlichkeiten aus der Szene ist es schwierig, den eigenen Fokus zu behalten und die eigenen künstlerischen Ansprüche wahrzunehmen. Dies ist jedoch unabdingbar für ein vielversprechendes Talent mit offensichtlichem Potenzial auch als Komponist.» Die Jury erachtet ihren Beitrag deshalb auch als Ermutigung zur persönlichen Weiterentwicklung. Huwyler soll Freiräume erhalten zum Üben, Tüfteln und Hören. Huwyler ist froh, dass er dank dem Beitrag nicht mehr «an jedem Apéro» spielen muss, dass er seine Energie und Zeit für das aufwenden kann, was ihm Spass macht. Eine klare Investition hat er mit den 20 000 Franken noch nicht geplant. «Wahrscheinlich brauche ich sie einfach fürs Leben», sagt er.