Beim Urnengang am 28. Februar werden in der Surbtaler Gemeinde Endingen zwei neue Gemeinderäte gesucht. Das rief den Verein «Zurzibieter Frauen» auf den Plan, der sich im Gründungsjahr 2013 auf die Fahne geschrieben hatte: In jedem Gemeinderat soll mindestens eine Frau vertreten sein. «Wir haben rund zehn Frauen angefragt, von denen wir dachten, dass sie gute Kandidatinnen wären», sagt Ursi Payne, die selbst acht Jahre im Endinger Gemeinderat tätig war.

«Das Resultat nach der intensiven Suche war ernüchternd», gesteht sie. «Alle sagten ab.» Mal stand die Familie im Vordergrund, mal der Beruf, oder die finanzielle Entschädigung im Milizsystem wurde als zu gering erachtet. Dabei hätte sich selbst der aktuelle Gemeinderat – zurzeit ein reines Männergremium – über weiblichen Zuwachs gefreut, versichert Payne.

«Die Zurückhaltung der Frauen in der Lokalpolitik kennt viele Gründe», glaubt Susanne Holthuizen, selbst Gemeinderätin in Lengnau und wie Payne Vorstands-Mitglied der «Zurzibieter Frauen». «Meist ist es die Mehrfachbelastung aus Familie, Beruf und Politik, die eine zu grosse Hürde darstellt», sagt sie.

Auch das traditionelle Rollenbild spiele vor allem auf dem Land noch immer eine Rolle. «Dabei sind Frauen im Gemeinderat durchaus bereichernd», sagt Holthuizen, «sie kommunizieren anders, setzen sich gezielter für einzelne Themen ein und stellen die Sachpolitik in den Vordergrund.» Viele trauten sich die Aufgabe aber nicht zu. Aus eigener Erfahrung sagt sie: «Es ist nicht einfach, bei einer Versammlung vorne hinzustehen, scharfzüngig zu sein und wenn nötig auch mal die Ellbogen auszufahren.»

Nur in zwei Gemeinden mehr Frauen

Der Gemeinderat mit Susanne Holthuizen ist einer der seltenen Ausnahmen im Zurzibiet: Nur in Lengnau und Kaiserstuhl sind die Frauen in der Mehrheit mit jeweils drei von fünf Sitzen. Nebst Endingen gibt es zwei weitere Gemeinden, in denen gar keine Frau im Gemeinderat ist. In 13 der 23 Gemeinden (inklusive Würenlingen) sitzt nur eine Frau im Gemeinderat. Insgesamt sind es 29, was einem Frauenanteil von 25 Prozent entspricht. Heidi Wanner in Koblenz ist der einzige weibliche Gemeindeammann im Bezirk.

Vor drei Jahren zählte das Zurzibiet noch 33 Gemeinderätinnen und zwei weibliche Ammänner. «Dieser Rückgang widerstrebt unseren Bemühungen», sagt Holthuizen, «das gefällt uns natürlich nicht.» Doch weder Holthuizen noch Payne glauben, dass man in diesem kurzen Zeitraum bereits von einer Tendenz sprechen kann.

Auffällig ist, dass die lokale Politik der kantonalen und nationalen hinterherhinkt – zumindest im Vergleich mit dem Zurzibiet. Im Grossen Rat liegt der Frauenanteil aktuell bei 31 Prozent. Im Nationalrat beträgt er 32 Prozent, wird durch den Ständerat (15 Prozent) aber nach unten gezogen. Ursi Payne erklärt diesen Umstand wie folgt: «Auf kantonaler und nationaler Ebene sind die Parteien daran interessiert, Frauen auf ihre Listen zu setzen. Auf Gemeindeebene gibt es hingegen kaum noch aktive Parteistrukturen.»

2017 soll eine Kandidatin gefundenwerden

Die jüngste Erfahrung in Endingen bestärkt die «Zurzibieter Frauen», in Zukunft wieder aktiver auf die Gemeinden zugehen und Frauen ihre Unterstützung anzubieten. Payne ist zuversichtlich, dass für die reguläre Erneuerungswahl 2017 Kandidatinnen gefunden werden. Im Herbst soll ein Workshop zum Thema durchgeführt werden. Um dem Ziel, pro Gemeinderat eine Frau zu stellen, einen Schritt näher zu kommen.