Nachruf

«FraKe» liebte und prägte seine Heimat: Zum Tod von Bad Zurzachs alt Gemeindeammann Franz Keller

16 Jahre lang war er Gemeindeammann, acht Jahre Grossrat für die CVP. Den gebürtigen Endinger nannten bald alle auch privat nur noch «FraKe»: In Gedenken an den Ur-Zurzibieter Franz Keller (1931-2020) – ein Nachruf von AZ-Journalistin Rosmarie Mehlin.

Mama ist wohl eines der ersten Worte, die ein Kleinkind zu hören bekommt. Als wir vor 28 Jahren in den Bezirk Zurzach zogen, war einer der ersten Begriffe, die mir immer wieder zu Ohren kamen: FraKe. Unterwegs im Flecken war oft ein «Hallo FraKe» oder «en Guete, FraKe» an die Adresse eines Velofahrers zu hören. Nicht mehr ganz jung, gross, zackig pedalend – erwiderte er die Grüsse und Wünsche meist lachend.

Franz Keller war 16 Jahre lang, bis 1989, Gemeindeammann. Acht Jahre hatte er für seine CVP auch im Grossen Rat politisiert. Das Kürzel FraKe hatte zunächst hauptsächlich Eingang in Parteikreise gefunden. Im Verlaufe der Jahre aber war es im Flecken zu einem Markenzeichen für einen der vielseitigsten Ur- Zurzibieter geworden.

Im Herzen ein Bauernbub

Aufgewachsen war Franz Keller in Endingen auf einem Bauernhof, der damals mitten im Dorf stand. Jahrzehnte lang hatten die Nachfahren den Hof von dort aus bewirtschaftet und sind erst vor wenigen Monaten auf den Loohof ausgesiedelt. Als er – für mich bleibt er FraKe – mir dies berichtet hatte, war aus jedem seiner Worte zu hören, dass er tief im Herzen ein Bauernbub geblieben war.

Doch auch der Weg, den er beruflich ging, hatte ihm grosse Befriedigung gebracht. Zeitgemäss müsste man von seiner Karriere sprechen. Doch dieses Wort will so ganz und gar nicht zu Franz Keller passen. Allzu klein war sein Machthunger und allzu gross seine Begeisterungsfähigkeit.

Er war ein Genussmensch. Genussvoll ging er den Weg vom Primarlehrer in der Provinz zum Bezirkslehrer für Deutsch, Französisch, Englisch und Geschichte in Zurzach bis zum dortigen Rektor. Anschliessend wurde er vollamtlicher Rektor an der Wirtschaftsschule KV Zurzach und blieb es bis 1995. Am 100-Jahre-Jubiläum des KV 2010 hatte er mit Anekdoten aus der KV-«Frühzeit» die Lacher der Gäste auf seiner Seite, so etwa mit jener vom Schreibmaschinenlehrer Rohner: Der habe stets eine Nagelschere zur Hand gehabt für jene Schülerinnen, deren lange Nägel drohten, die Tastatur zu ruinieren.

Detailtreu und verschmitzt

Bei aller Ernsthaftigkeit, mit der Franz Keller nebst seinem Beruf auch seiner Leidenschaft, der Geschichte des Bezirks, nachging, so war er doch kein Trockenbrötler. Akribisch vertiefte er sich in seine Recherchen; unterhaltsam oder informativ waren viele seiner Artikel, die er als freier Mitarbeiter für die «Botschaft» schrieb; präzise und spannend lesen sich seine Chroniken.

Besonders faszinierend aber war es, ihm zuzuhören. Auch weil bei aller Detailtreue eine Prise Verschmitztheit nicht fehlte. Er nahm den Weltenlauf und die Natur sehr viel wichtiger, als sich selbst. Seine Schilderungen etwa nach einer seiner ausgedehnten Wanderungen zwischen Rhein- und Surbtal lässt Google-Earth bettelarm aussehen, so anschaulich, detailliert und lebendig berichtete er über die verschiedenen Flur-, Weg- und Siedlungsnamen.

Ganz besonders intensiv bewundert habe ich FraKe in den letzten Monaten seines Lebens. Die Gelassenheit, mit der er seine Altersleukämie trug und kommunizierte, die Kraft und Zuversicht, mit denen er ihr den Kampf angesagt hatte, waren vorbildlich und berührend zugleich. Ein Trost für alle, die ihn so gerne haben, ist zweifelsfrei die Tatsache, dass FraKe bis zu seinem Tod mit fast 89 Jahren denselben absolut wachen und klaren Geist hatte wie eh und je.

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