Mellstorf

Formel 1 aufgepasst: Jetzt kommt der Elektro-Julier

Sven Rohner, der 23-jährige Student aus Mellstorf, Gemeinde Wislikofen, baut seine Autos selber. Besser gesagt: Elektro-Rennautos. Maschinenbau-Student Rohner will mit dem Elektro-Rennwagen den Geschwindigkeits-Weltrekord brechen.

Er mag schnelle Autos. Das ist keine sehr überraschende Feststellung. Schon gar nicht bei einem jungen Mann. Er mag die Autos aber elektronisch, leise und leicht.

Sven Rohner, der 23-jährige Student aus Mellstorf, Gemeinde Wislikofen, baut seine Autos grad selber. Besser gesagt: Elektro-Rennautos. Keine Kinderspielzeuge, sondern Maschinen, die bis zu 160 km/h schnell sind.

Präsentation bei Sauber

Das neuste Werk heisst «Julier» und hatte Mitte Mai sein Rollout beim Formel-1-Rennstall Sauber in Hinwil. Ein Kernteam aus 20 Studenten der ETH Zürich und der Hochschule Luzern konstruierte, dimensionierte und baute die Rennmaschine in nur sieben Monaten zusammen.

Rohner, der Maschinenbau an der ETH Zürich studiert, ist mittlerweile zum Geschäftsleiter und Präsidenten des Akademischen Motorsportvereins Zürich (AMZ) avanciert. Der Mellstorfer betreut als Experte die Studenten, die zum ersten Mal bei diesem Rennwagen-Projekt dabei sind.

Höhepunkt des «Formula Student»-Projektes sind internationale Wettbewerbe für die Rennautos. Es gibt über 550 Teams verschiedener Universitäten auf der ganzen Welt, welche mit ihren Boliden gegeneinander antreten. Das Team der ETH Zürich wird diesen Sommer an fünf Wettbewerben in Europa teilnehmen.

Seit 2010 existiert eine eigene Klasse für Elektrofahrzeuge. «Wir wollen zeigen, dass Elektro-Fahrzeuge Spass machen und die Zukunft sind», sagt Auto-Fan Rohner.

«Letztes Jahr haben wir mit unserem Elektro-Rennwagen zum ersten Mal in der Geschichte der ‹Formula Student› nicht nur alle Elektrofahrzeuge, sondern auch alle Verbrenner-Konkurrenten mit einer schnellsten Runde geschlagen», sagt Rohner stolz.

Zum zweiten Mal dabei

Der Student ist zum zweiten Mal bei der Konstruktion eines Rennautos dabei. «Für mich war dieses Projekt die Rettung, um aus dem theoretischen ETH-Alltag auszubrechen. Ich habe den Hang, etwas praktisch umzusetzen. Die Konstruktion eines Rennwagens ist eine einmalige Erfahrung.»

Dieses Jahr wollen sie mit dem «Julier» die erfolgreiche Saison von letztem Jahr noch übertreffen. Im Juli ist in Silverstone das erste Rennen mit dem neuen Fahrzeug angesetzt.

Rohner: «Ich hoffe, dass wir den Weltrekord für das von 0 auf 100 km/h am schnellsten beschleunigende Elektro-Auto aufstellen.» Dafür müssten sie die Marke von 2,6 Sekunden unterbieten.

Im Vergleich zu den Formel-1-Rennwagen ist der «Julier» viel kleiner, fährt höchstens 120 km/h, ist viel leichter und – das Wichtigste, so Rohner – sie sind frei in der Konstruktion und müssen sich nicht von so vielen baulichen Regeln einschränken lassen wie die Konstrukteure der Formel-1-Boliden.

Von 0 auf 100 km/h sind sie mit der Formel 1 auf Augenhöhe.

Technik begeisterte ihn schon früh

Schon als Bub war Sven Rohner von der Technik fasziniert. «Früher habe ich Töffli frisiert und einen Spiegeleierbratautomaten als Maturarbeit an der Kanti entwickelt.»

Doch am meisten geprägt hat ihn das Elternhaus. Sein Vater Guido Rohner baute die Firma Ilsebo Handels AG in Wislikofen auf. Die Firma vertreibt Handrasenmäher genauso wie Aufsitzrasenmäher, Schneepflüge oder Kommunalfahrzeuge.

«Ich bin mit diesen Geräten aufgewachsen und habe meinem Vater jeweils geholfen, sie zusammenzusetzen.» Sein Vater habe sein technisches Verständnis schon früh gefördert.

Ob Sven Rohner einst in den Familienbetrieb einsteigen wird, weiss er noch nicht. Zuerst möchte er einen Master in Strukturmechanik machen. «Aber wer weiss, vielleicht steige ich dereinst doch noch in die Rennwagen-Branche ein.»

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