Würenlingen

Flugzeugabsturz Würenlingen: Ein Buch wider das Vergessen

Arthur Schneider vor dem Denkmal im Würenlinger Unterwald. Er sucht nach Zeitzeugen, die über ihre Erlebnisse und Empfindungen berichten können.

Arthur Schneider vor dem Denkmal im Würenlinger Unterwald. Er sucht nach Zeitzeugen, die über ihre Erlebnisse und Empfindungen berichten können.

Arthur Schneider, von 1993 bis 2009 Gemeindeammann von Würenlingen, wird den Flugzeugabsturz vom 21. Februar 1970 nie vergessen. Jetzt sucht er Zeitzeugen, Fotos und Dokumente und will dann bis im Februar darüber ein Buch verfassen.

«Der Flugzeugabsturz vom 21. Februar 1970 im Würenlinger Unterwald war und bleibt ein trauriges Kapitel der lokalen, der nationalen und der internationalen Geschichte. Die Wunden verheilen, aber die Narben bleiben», sagt Arthur Schneider, von 1993 bis 2009 Gemeindeammann von Würenlingen. Um die Erinnerung an das schreckliche Ereignis wach zu halten, will Schneider ein Buch schreiben.

Am 21. Februar 1970, einem regnerisch-trüben Samstag, hob die Convair-990 Coronado «Basel-Land» der Swissair um 13.14 Uhr auf dem Flughafen Zürich Kloten mit dem Ziel Tel Aviv ab und flog im Steigflug Richtung Süden.

Bei Sattel-Hochstuckli explodierte im hinteren Laderaum eine Bombe. Über dem Vierwaldstättersee meldete Captain Karl Berlinger, das Navigationssystem sei ausgefallen; die Instrumente könnten wegen des dichten Rauchs im Cockpit nicht mehr abgelesen werden.

Da die Sicht im Süden für eine Notlandung unzureichend war, wurden Captain Berlinger und Co-Pilot Armand Etienne vom Fluglotsen in Zürich angewiesen, mit Unterstützung des Instrumentenlandesystems eine Notlandung von Norden her zu versuchen.

Flugzeugabsturz in Würenlingen

Flugzeugabsturz in Würenlingen

Der immer dichter werdende Rauch im Cockpit erschwerte den Piloten die Orientierung zunehmend. Captain Berlinger flog eine Schlaufe nach Westen und danach in südlicher Richtung.

Über Klingnau durchbrach die mit 38 Passagieren und 9 Besatzungsmitgliedern besetzte Maschine mit dem Kennzeichen HB-ICD die Wolkendecke und zerschellte im Würenlinger Unterwald.

Sekunden zuvor hatte sich Captain Berlinger mit den Worten verabschiedet: «I can’t see anything. Swissair 330 is going to crash. Goodbye, everybody.» Beim Absturz entstand im Waldboden eine 6 Meter breite, 3 Meter tiefe und knapp 100 Meter lange Furche. Niemand überlebte den fürchterlichen Aufprall.

Im Laufe der Untersuchung stellte sich heraus, dass der Anschlag nicht der Swissair, sondern der israelischen Fluggesellschaft El Al gegolten hatte. Da der Flug von München nach Tel Aviv verspätet war, wurde die für diesen Flug bestimmte Postsendung mit der Bombe in die Swissair-Maschine verladen.

Später übernahm die «Popular Front for the Liberation of Palestine» (PFLP) die Verantwortung für den Anschlag. Die schweizerische Bundespolizei konnte Sufian Radi Kaddoumi und Badawi Mousa Jawher als mutmassliche Attentäter identifizieren und auch ihre Adressen in Jordanien und Ägypten waren bekannt. Verhaftet wurden sie jedoch nie.

In der ARD-Dokumentation «Der Todesflug von Swissair 330 – Terroranschlag ohne Sühne» wird den deutschen und Schweizer Behörden vorgeworfen, zu wenig unternommen zu haben, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Zeitzeugen gesucht

Die dramatischen Ereignisse haben Arthur Schneider veranlasst, eine Dokumentation in Buchform zu verfassen. «Der Flugzeugabsturz in unserem Dorf war ein erschütterndes Ereignis, das nicht in Vergessenheit geraten darf», sagt Schneider.

Es sei nicht seine Absicht, die politischen Hintergründe zu beleuchten. Es gehe ihm vielmehr darum, aufzuzeigen, wie die Menschen im Dorf den Absturz und die Tage danach erlebten.

Schneider will das Buch bis Mitte Februar nächsten Jahres fertig geschrieben und gedruckt haben. Am 21. Februar 2015 jährt sich der Swissair-Absturz bei Würenlingen zum 45. Mal.

Arthur Schneider hat vor längerer Zeit mit dem Sammeln von Dokumenten begonnen, die im Zusammenhang mit dem Würenlinger Flugzeugabsturz stehen. Unter anderem kann er auf den Schlussbericht der eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommission zurückgreifen sowie auf Zeitungen, die mit Sonderausgaben vom Unglück berichteten.

Gesucht werden weitere Fotos, Dokumente und vor allem Berichte von Augenzeugen und Helfern über die bis heute nachwirkenden Ereignissen im Würenlinger Unterwald.

«Heute leben noch einige Zeitzeugen, die berichten können, was sie damals gesehen, erlebt und empfunden haben. In ein paar Jahren ist es für Befragungen zu spät», sagt Schneider. Er beabsichtigt, im Buch auch Tochter und Sohn von Captain Karl Berlinger zu Wort kommen zu lassen.

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