Der östliche Zipfel des Bezirks Zurzach kommt nicht zur Ruhe: Was ursprünglich als Mega-Fusion von zehn Gemeinden gedacht war, wird zur Revolte einer Randregion. Nachdem die Gmeind in Fisibach den Kredit für eine vertiefte Prüfung der Fusion bachab schickte und den Gemeinderat beauftragte, einen Kantonswechsel nach Zürich zu prüfen, meldet sich nun Kaiserstuhl zu Wort.

Denn sollte Fisibach tatsächlich zum Kanton Zürich wechseln, würde aus dem schmucken Städtchen am Rhein eine Aargauer Exklave. Doch so weit soll es gar nicht erst kommen, finden zumindest Gegner des Fusionsprojekts Rheintal+.

Ein fünfköpfiges Referendumskomitee hat am Freitag begonnen, Unterschriften zu sammeln. Bis zum Ablauf der Referendumsfrist am 17. Mai werden 23 Unterzeichner benötigt (10 Prozent der Simmbevölkerung). Kommt das Referendum zustande, müssten die Kaiserstuhler an der Urne nochmals über den Kredit für die Fusionsprüfung abstimmen.

An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung hatten die Kaiserstuhler noch Ja zur vertieften Prüfung der Fusion gesagt. Der Kredit von maximal 55'000 Franken erhielt 42 Ja- und 10 Nein-Stimmen, bei 7 Enthaltungen. Hätten nur 4 Bürger mehr mit Ja gestimmt, wäre das nötige Quorum von 20 Prozent der 229 Stimmbürger erreicht und das Resultat definitiv gewesen.

Das Referendumskomitee bilden Andreas und Maggie Widmer, Mary Morger, Daniel Joho und die ehemalige Stadträtin Sonja Böhm. Sie teilen mit: «Am 6. wurde von der Gemeindeversammlung vorläufig ein Kredit zur vertieften Prüfung eines möglichen Zusammenschlusses gesprochen. Wir glauben nicht, dass dieser Entscheid dem Wunsch der Mehrheit der Kaiserstuhler Stimmbürger entspricht und ergreifen deshalb das Referendum.»

«Wenn Fusion, dann mit Fisibach»

Die Ereignisse in Fisibach haben in der Nachbargemeinde Spuren hinterlassen. «Fisibach bekennt sich zu einem klaren Richtungswechsel», sagt Andreas Widmer. «Ob dieser wirklich in den Kanton Zürich führt, steht offen. Für uns ist aber klar, dass Kaiserstuhl und Fisibach zusammengehören.

Wenn überhaupt eine Fusion Sinn macht, dann zwischen diesen zwei Gemeinden.» Im Rheintal+-Verbund würde Kaiserstuhl Gefahr laufen, losgelöst am äussersten Zipfel zu vereinsamen und noch mehr an Attraktivität zu verlieren, so die Befürchtung. «Ein Nein zu diesem Abklärungskredit bedeutet ein Ja zu unseren unmittelbaren Nachbarn», sagt Maggie Widmer. Die bisherige Zusammenarbeit mit den Zurzibieter Gemeinden könne auch ohne Fusionsabklärungen weitergepflegt werden.

Wenn schon, dann zusammen: Nun wollen sich auch die Kaiserstuhler vom Aargau lossagen.

Wenn schon, dann zusammen: Nun wollen sich auch die Kaiserstuhler vom Aargau lossagen.

Sollte dem Referendum zugestimmt werden, will das Komitee den Stadtrat auffordern, eine mögliche Fusion mit Fisibach zu prüfen und die Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinweg mit Weiach und den weiteren umliegenden Gemeinden zu intensivieren. Ob ein Kantonswechsel infrage kommt, ist selbst im Komitee umstritten.

Stadtpräsident Ruedi Weiss wurde am Mittwochabend über das geplante Referendum in Kenntnis gesetzt. Überrascht ist er nicht, macht aber keinen Hehl daraus, dass er die Kräfte lieber für anderes einsetzen würde: «Die vertiefte Prüfung der Fusion der Rheintal+-Gemeinden erlaubt uns eine Standortbestimmung. Welche Art und Tiefe der Zusammenarbeit in der Region wollen wir in den nächsten 10 bis 20 Jahren? Wenn gute Gründe gegen eine Fusion sprechen, werden wir diese zur Ablehnung empfehlen und vertrauen darauf, dass die Stimmbürger auch den richtigen Entscheid fällen.»

Die Kosten betragen, nach Abzug des Kantonbeitrags, noch 20'000 Franken. «So billig bekommen wir sonst keine professionelle Fusionsprüfung, auch nicht mit Fisibach», sagt Weiss. Auch für den Stadtrat sei, wie für viele Einwohner, der Schulstandort ein «Killer-Kriterium». Vor zwei Jahren wurde beschlossen, dass die Kinder aus Fisibach und Kaiserstuhl die Schulen in Weiach und Stadel besuchen. Das soll so bleiben.

«Bleiben Randgemeinde, egal wo»

Zum Thema Kantonswechsel sagt Weiss: «Sollten wir von der Stimmbevölkerung den Auftrag erhalten, einen solchen zu prüfen, nehmen wir den natürlich entgegen.» Das Referendum per se entspreche aber nicht einem solchen Auftrag. Weiss ist aber überzeugt: Hinter verschlossenen Türen finden mindestens 50 Prozent der Kaiserstuhler einen Kantonswechsel interessant. «Aber er ist kaum praktikabel und würde einen Jahrzehnte dauernden Support durch alle Ebenen voraussetzen. Zudem bleiben wir eine Randgemeinde, egal ob im Aargau oder in Zürich.»