Wieder versammelt man sich in der Mehrzweckhalle Chilewies zu einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung. Der Gemeinderat hat diesen Entscheid nach turbulenten Monaten gefällt und erhielt von der Rheintal+-Projektleitung grünes Licht – unter Auflagen.

Rückblende: Im ersten Anlauf sagten nur 34 Prozent der Stimmenden Ja zum 55 000-Franken-Kredit. Was danach folgte, sorgte landesweit für Schlagzeilen. Der fusionskritische 458-Seelen-Ort liebäugelte mit einem Wechsel in den Kanton Zürich. Doch Mitte Juni erteilte der Regierungsrat der Gemeinde an der Kantonsgrenze eine klare Abfuhr.

Nachdem die neun anderen Gemeinden Ja zum Kredit gesagt hatten, drohte Fisibach der Alleingang. Doch nun scheint eine Kehrtwende möglich. Eingeleitet wurde diese durch eine Veranstaltung Anfang Juli: Bei einer Orientierung des Gemeinderats sprach sich eine Mehrheit für eine Wiederaufnahme der Gespräche am Zurzibieter Fusionsprojekt aus. Auch wenn nur rund drei Dutzend Personen anwesend waren, war dies für den Gemeinderat Indiz genug.

«Im Anschluss hat der Gemeinderat die Lage diskutiert und sich nun entschieden, den Kredit erneut an einer ausserordentlichen Gmeind zu traktandieren», sagt Gemeindeschreiberin Anita Ekert.

Bedingungen und Mehrkosten

Die Projektleitung von Rheintal+ (sprich die Ammänner der involvierten Gemeinden) hat die mögliche Wiederaufnahme Fisibachs ins Fusionsprojekt gutgeheissen. Allerdings sind Bedingungen daran geknüpft. «Auf Änderungsanträge oder Auflagen seitens der Gemeinde Fisibach werden die bereits am Projekt beteiligten neun Gemeinden nicht eintreten», teilt Carmen Frei von der Projektkommunikation mit.

Und weiter: «Haben Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen schon je 55 000 Franken zur Projektfinanzierung gesprochen, muss Fisibach bei einer allfälligen Zustimmung zu Rheintal+ mit gewissen Mehrkosten rechnen.» Insbesondere der Projektbegleiter Jean-Claude Kleiner habe für Rheintal+ bereits viel Vorbereitungsarbeit geleistet. «Deshalb müssten die Unterlagen für die geplanten Workshops der Fachgruppen bei einer Fisibacher Beteiligung von ihm intensiv nachbearbeitet werden.» Das Kick-Off-Meeting zu Rheintal+ Mitte Juni fand ohne Fisibacher Beteiligung statt. Bei einem Ja könnten die Fisibacher beim nächsten Workshop am 14. September bereits in den Fachgruppen vertreten sein.

Einen Informationsanlass wird es im Vorfeld der ausserordentlichen Gmeind nicht mehr geben. Am Dienstag fand allerdings ein Treffen des Gemeinderats mit der Bevölkerung statt. «Es ging dabei nicht um die mögliche Fusion», sagt Anita Ekert, «die Exekutive wollte vielmehr den Puls der Bevölkerung fühlen, sie wollte wissen, wo die Einwohner die Stärken Fisibachs sehen.» Eine klare Fusions-Opposition wie vor fünf Monaten sei nicht an die Öffentlichkeit getreten. Eine Prognose wagt die Gemeindeschreiberin dennoch nicht.

Ein Ja zum Kredit scheint diesmal wahrscheinlicher. Die Zusicherung des Regierungsrats, wonach die Schüler weiterhin in den Kanton Zürich nach Weiach und Stadel in die Schule gehen dürfen, nimmt den Fusionsgegnern Wind aus den Segeln: Die Schulstandort-Frage war am 6. April ihr stärkstes Argument und die grösste Angst der Bevölkerung. Definitiv vom Tisch sind die Wechselgelüste in den Kanton Zürich. Die letzten zur Verfügung stehenden politischen Instrumente finden keine Mehrheit.