Klingnau

Fischer steigen gegen Kanton auf die Barrikaden

Aus der Luft wird die Verlandung des Klingnauer Stausees deutlich sichtbar – wie sie behoben werden soll, ist heftig umstritten. Foto: Kurt Wächter

Aus der Luft wird die Verlandung des Klingnauer Stausees deutlich sichtbar – wie sie behoben werden soll, ist heftig umstritten. Foto: Kurt Wächter

Empörung über Pläne, rund 40 000 Kubikmeter PCB-verschmutztes Material aus dem Stausee in den Rhein zu leiten.

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt plant die Reaktivierung des Seitenarms im Klingnauer Stausee. Damit soll die Verlandung des Vogelreservats von internationaler Bedeutung verlangsamt werden.

Vorgesehen ist, mit einem Saugbagger eine 25 Meter breite und 2 Meter tiefe Rinne zwischen dem Aarelauf und dem Gippinger Graben auszuheben und das mit Schwermetallen und Polychlorierten Biphenylen (PCB) belastete Aushubmaterial – rund 40000 Kubikmeter – mit einer Leitung nach Felsenau zu pumpen und dort in den Rhein einzuleiten.

PCB ist krebserregend

Dieses Vorhaben löst bei Fischern Empörung aus. Hans Brauchli (Rekingen), Präsident des Aargauer Fischerverbandes, spricht Klartext: «Es geht doch nicht an, dass wir unseren Dreck entsorgen, indem wir ihn unseren Nachbarn einfach vor die Haustüre kippen. Schliesslich handelt es sich um Material, das PCB-belastet ist. Und PCB ist krebserregend.»

Hans Brauchli und Bernhard Kaufmann (Klingnau), Präsident der Pachtvereinigung Unteres Aaretal, geben sich kampfeslustig: «Wir werden eine Beschwerde gegen das Vorhaben des Kantons einreichen. Notfalls ziehen wir die Einsprache bis vor Bundesgericht.»

«Der Gesetzgeber verletzt Gesetze»

Brauchli und Kaufmann stellen sich mit Schrecken vor, was mit den Schwermetallen und dem PCB nach der Einleitung in den Rhein geschieht: «Sie gelangen in die aquatische Flora und Fauna und letztlich über den Fisch in die Körper der Menschen.» Die beiden Fischer bringen keinerlei Verständnis dafür auf, dass der Kanton seine Pflicht, Vorbild zu sein, nicht wahrnimmt und Gesetze missachtet, auf die er sich sonst oft und gerne beruft.

Gemeint sind dabei konkret das Stockholmer Abkommen von 2001, das zum Ziel hat, die menschliche Gesundheit und die Umwelt vor Schadstoffen wie DDT, PCB und Dioxin zu schützen, sowie das Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer.

Fischer verweisen auf Bundesgesetz

Bernhard Kaufmann und Hans Brauchli verweisen mit Nachdruck auf den Passus des Bundesgesetzes, der besagt, dass jedermann verpflichtet ist, «alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt anzuwenden, um nachteilige Auswirkungen auf die Gewässer zu vermeiden». Als nachteilige Auswirkungen werden aufgeführt: «Verunreinigung und andere Eingriffe, welche die Gestalt oder die Funktion eines Gewässers beeinträchtigen, oder nachteilige physikalische, chemische oder biologische Veränderungen des Wassers.»

Der Präsident des Aargauer Fischerverbandes und der Präsident der Pachtvereinigung Unteres Aaretal gehen davon aus, dass der Kanton die Entsorgung des Schlicks nicht wie im Baugesuch ausführen kann. Sie wollen sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, dass das Aushubmaterial fachgerecht entsorgt und nicht via Rhein den weiter unten liegenden Gebieten aufgehalst wird.

Zustimmung zur Reaktivierung

Die beiden Fischer legen Wert auf die Feststellung, dass sie nicht gegen die Reaktivierung des Seitenarms sind, sondern gegen den ihrer Meinung nach verantwortungslosen Umgang mit den belasteten Materialien. Brauchli und Kaufmann vermuten, dass die Kosten eine grosse Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt haben. Dem halten sie entgegen, dass die Aargauer Bevölkerung zu den Mehrkosten von rund 2,5 Millionen Franken für eine fachgerechte Entsorgung höchstwahrscheinlich sofort Ja sagen würde.

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