Rekingen

Finanzminister Brogli: «Klagen Sie weniger, Randregion zu sein»

Landammann und Finanzdirektor Roland Brogli: «Wollen Sie mich nach Bern abschieben?» Angelo ZambelLi

Landammann und Finanzdirektor Roland Brogli: «Wollen Sie mich nach Bern abschieben?» Angelo ZambelLi

Roland Brogli kam am Donnerstag zum Landammann-Stammtisch in der Rekinger «Mühle». Der Regierungsrat erzählte von einer früheren Tumorerkrankung, wieso er nicht Ständerat werden will – und dass er das Zurzibiet als intakter wahrnehme als andere Regionen mit grösserem Wachstum.

«Mal ganz ehrlich: Was würdet Ihr über den Landammann sagen, wenn ich jetzt nicht anwesend wäre?» Mit dieser Frage eröffnete Roland Brogli den Stammtisch im heimeligen Restaurant zur Mühle in Rekingen.

Die aus zwei Dutzend Männern und einer einzigen Frau bestehende Runde getraute sich nicht – oder hatte schlichtweg keinen Anlass – auf diese scherzhaft gemeinte Frage einzugehen, nutzte aber ihrerseits die Gunst der Stunde, dem Aargauer Finanzdirektor ein paar knifflige Fragen zu stellen.

Erstes, ausgiebig diskutiertes Thema war die Sparpolitik des Kantons. Brogli dazu: «Wir müssen bereit sein, da und dort Abstriche zu machen. Ohne Verzicht geht es nicht, denn wir leben nach wie vor auf hohem Niveau.»

Als wesentliche Kostenfaktoren im Finanzgerüst des Kantons nannte der Landammann die Umstellung des Schulsystems auf 6 Jahre Primar- und drei Jahre Oberstufe, die Umstrukturierung der Staatsanwaltschaften und die Änderungen im Kinder- und Erwachsenenschutzrecht.

Den nicht ganz ernst gemeinten Einwurf des Gippinger Ex-Grossrats und Zollbeamten Kurt Wyss, die Staatsanwälte würden zu viel verdienen, kontere Brogli staubtrocken: «Die Staatsanwälte sind ähnlich überbezahlt wie die Zollbeamten.» Damit hatte der Landammann die Lacher auf seiner Seite.

Schlagfertig reagierte der Magistrat auch auf die Frage, weshalb er nicht als Ständerat kandidiere. «Soll ich denn nach Bern abgeschoben werden? Nein im Ernst: Ich kann mich mit meinem Amt als Regierungsrat zu 100 Prozent identifizieren. Ausserdem kann ich als Regierungsrat bedeutend mehr bewirken denn als Ständerat.»

Pensionierung näher als Ständeratskandidatur

Mit verschmitztem Lächeln im Gesicht fügte der Landammann hinzu, er sei mit seinen 13 Dienstjahren das älteste Mitglied in der Regierung. «Ich muss davon ausgehen, dass meine Jährchen im Aargauer Regierungsrat gezählt sind. Eine Pensionierung liegt deshalb näher als eine Ständeratskandidatur.»

Auch sonst gab Roland Brogli am Rekinger Landammann-Stammtisch einiges aus seinem Innenleben preis: «Meine Krankheit hat mich gelehrt, dass alles im Leben begrenzt ist.»

Vor zehn Jahren wurde bei Roland Brogli eine Tumorerkrankung festgestellt, die er dank einer intensiven Therapie überwand. Ein Finanzdirektor müsse immer ein bisschen streiten, verriet Brogli. «Ich kämpfe für meine Positionen, kann aber auch verlieren.»

Der Landammann-Stammtisch – inzwischen bereits zum vierten Mal durchgeführt – geht auf eine Initiative von Gastro Aargau zurück und wird von der Vereinigung auch organisiert.

«Die Gastronomiebetriebe im Kanton haben für die Bevölkerung eine grosse Bedeutung als Begegnungsort und als Treffpunkt», sagt Geri Keller, Vorstandsmitglied von Gastro Aargau. Gäbe es die Wirtschaften und die Stammtische nicht mehr, würde eine wichtige Diskussionsmöglichkeit wegfallen.

«Ihre Region ist intakt»

Heiss diskutiert wurde am Donnerstagabend auch die Rolle des Zurzibiets im Konzert der Aargauer Bezirke. Landammann Roland Brogli riet den Fragestellern, die sich auf die für den Randbezirk Zurzach negativen Auswirkungen des neuen Raumplanungsgesetzes bezogen, besonnen zu bleiben: «Ich nehme Ihre Region als intakter wahr als Regionen, die in den letzten Jahren ein grosses Wachstum hatten. Deshalb: Besinnen Sie sich auf die eigenen Stärken und klagen Sie weniger darüber, eine Randregion und deshalb benachteiligt zu sein.»

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