2008 wurde das Festival der Stille ins Leben gerufen. Ein Jahr davor begann die Internet-Karriere von Valentina Lisitsa. Am 25. April 2007 lud die gebürtige Ukrainerin bei Youtube ihr erstes Video hoch, eine Rachmaninow-Etüde. Heute gilt die 44-Jährige als erster Youtube-Star der klassischen Musik. Über 95 Millionen Klicks und rund 445 000 Abonnenten verzeichnet ihr Kanal.

Die Pianistin ist eine der grossen Attraktionen beim 10-Jahr-Jubiläum des Festivals der Stille. Valentina Lisitsa spielt am Samstag, 18. August, in der Kirche Kaiserstuhl bei Kerzenlicht die Nocturnes von Friedrich Chopin. Konzertbeginn ist um 21 Uhr. Es sind nur noch vereinzelt Plätze verfügbar.

Lisitsa ist weit mehr als ein blosses Internet-Sternchen und den Auftritt auf der grossen Bühne vor wahrhaftigen Menschen durchaus gewohnt. Im Jahr 1991 gewann sie mit ihrem Ehemann Alexei Kuznetsoff den ersten Preis bei einem der weltweit wichtigsten Wettbewerbe für Klavierduos. 1992 zogen beide in die USA, um ihre Karriere als Konzertpianisten aufzubauen. Mehrere Gewinne bei Wettbewerben und daraus resultierende Konzertverpflichtungen markierten die Anfänge ihrer Laufbahn. Doch entwickelte sich Lisitsas Karriere über längere Zeit nicht entscheidend weiter, sodass sie nach neuen Möglichkeiten suchte, ein Publikum für sich zu gewinnen. Hier bewies sie ihr aussergewöhnliches Gespür für neue Entwicklungen und ihre Offenheit für unkonventionelle Wege. Der Erfolg im Internet ebnete ihr eine weltweite Konzertkarriere auf den grossen Bühnen.

Ein spektakuläres Rezital in der Londoner Royal Albert Hall vor 8000 Zuhörern im Juni 2012 bedeutete endgültig den internationalen Durchbruch. Das Publikum konnte im Vorfeld online über das Programm des Abends abstimmen – ein Weg, die Zuhörer am Konzertereignis zu beteiligen, der zu einer Art Markenzeichen für Valentina Lisitsa geworden ist. Ein Markenzeichen des Festivals der Stille ist, dass die Konzerte an verschiedenen Orten stattfinden und jeder Ort sich durch eine besondere Stimmung auszeichnet.

Zehn Jahre ist es nun her, dass das Künstlerehepaar Daria Zappa und Massimiliano Matesic aus Kaiserstuhl das Konzertfestival ins Leben rief. Zur Jubiläumsausgabe sind an zwei Wochenenden, vom 17. bis 19. August und vom 24. bis 26. August, hochkarätige Musiker verschiedener Sparten an besonders schönen Orten zu hören. Die Schauplätze befinden sich in diesem Jahr in Kaiserstuhl, Bad Zurzach, Erzingen (D), Hohentengen (D) und Fisibach.

Eröffnet wird das Festival der Stille am Freitag um 20.30 Uhr mit «Belle Époque», einem musikalisch-literarischen Abend mit italienischen Opernarien, in der Kaiserbühne in Kaiserstuhl. Am Samstag folgt Lisitsas Kernzenlicht-Konzert in der Kirche St. Katharina.

Am Sonntag, 19. August, geht es ins deutsche Erzingen zur idyllisch gelegenen Bergkapelle. Unter freiem Himmel (bei schlechtem Wetter in der evangelischen Matthäus Kirche) widmet sich das Ensemble Arcimboldo ab 17 Uhr der «Vergessenen Avantgarde der Alten Musik».

Weiterer Weltstar zum Abschluss

Das Programm am zweiten Wochenende startet jazzig im Weinforum des Hohentengener Weingutes Engelhof (Freitag, 24. August, ab 20.30 Uhr, mit dem «Karin Ospelt Quartett»). In der Oberen Kirche Bad Zurzach werden am Samstag, 25. August, 20.30 Uhr, «Elegische Klänge» mit Werken von Rachmaninow und Ravel zu hören sein, dargeboten mit Klavier, Violine und Cello vom jungen Schweizer «Trio Rafale».

Zum grossen Abschlusskonzert wird am Sonntag, 26. August, 17 Uhr, in den Festsaal des Ebianums in Fisibach geladen. Hier treten der Weltstar der Mandoline, Avi Avital, die Festivalleiter Daria Zappa (Violine) und Massimiliano Matesic (Leitung, Cembalo), Shaher Fawaz (Tablas) sowie das Zürcher Kammerorchester mit einem Programm auf, das im Zeichen der Begegnung steht.