Bad Zurzach

Fernziel ist ein neues Altersheim

Vier der sieben Podiumsteilnehmer, von links: Astrid Andermatt, Peter Lude, Eva Schütz und Bernhard Stofer. Foto: BY

Vier der sieben Podiumsteilnehmer, von links: Astrid Andermatt, Peter Lude, Eva Schütz und Bernhard Stofer. Foto: BY

Ein Podium hat am Donnerstagabend gezeigt: Das Interesse, wie es mit dem Thema alters- und behindertengerechtes Wohnen im Ort weitergeht, ist gross.

Bad Zurzach steht in den nächsten Jahren vor der Aufgabe, neue Voraussetzungen zu schaffen, damit ältere und handicapierte Einwohner einen würdigen Lebensabend verbringen können. Nicht nur die Orts-SP als Organisatorin der Podiumsdiskussion ortet Handlungsbedarf: Ein ganzer Saal voll mehrheitlich älterer Leute verfolgte die Voten aufmerksam und widersprach kaum, als sich die Diskussion öffnete.

Die Gemeinde ist daran, ein Leitbild zu erarbeiten, mit dem bauliche Massnahmen angestossen werden sollen. Der federführende Gemeinderat Peter Lude weiss als Tetraplegiker aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, auf Hindernisse zu stossen. Für ihn gehört bereits eine 10-cm-Schwelle dazu, der Einschränkungsgrad sei aber individuell und deshalb könne es nur eine hundertprozentige Lösung geben.

Lude setzt sich kompromisslos für ein absolut hindernisfreies Bauen ein: Ebene Flächen, Rampen, keine Türschwellen, Lifte und genügend Platz gehören dazu. «Alter und Behinderungen sind nicht vermeidbar. Die Frage ist, ob wir den Niedergang einfach nur verwalten oder ob wir uns der Sache ernsthaft annehmen wollen», sagte Lude. Von Beginn an richtig zu planen und zu bauen, riet Bernard Stofer (Procap Olten). Dies verursache nicht einmal Mehrkosten, ausgenommen bei historischen Gebäuden, wo der Denkmalschutz jeweils ein gewichtiges Wort mitrede, und dies nicht immer im optimalen alters- und behindertengerechten Sinne. Aber auch mit diesen Leuten könne man reden.

Kein «richtiger» Zeitpunkt

«Wann ist der richtige Zeitpunkt für alte und pflegebedürftige Leute, sich in Obhut zu begeben?» Mit dieser Frage lenkte die moderierende Grossrätin Astrid Andermatt das Gespräch weiter. Irene Gerzner vom Altersheim Pfauen und Pfarrerin Therese Wagner stiessen ins gleiche Horn: «Auch wenn die ältere Generation solche Gedanken oft tabuisiert, müssen wir sie ermutigen, sich frühzeitig mit der künftigen Wohnsituation zu befassen.»

Den richtigen Zeitpunkt gebe es nicht, dieser Entscheid müsse sachte und sehr individuell herbeigeführt werden. Franz Keller, ehemaliger Gemeindeammann von Bad Zurzach, erinnerte an frühere Zeiten des «Altersasyls» und stellte fest, die Ansprüche seien gewachsen. So wie damals werde niemand mehr abgeschoben. Anerkennung von verschiedenen Seiten gab es für Spitex (Lucia Erne) und Pro Senectute (Eva Schütz). Deren Dienstleistungen seien nicht mehr wegzudenken. Gerade die Spitex gelte es zu fördern, damit Palliativ-Patienten (Pflegebedürftige in ihren letzten Tagen) in ihrem gewohnten Umfeld betreut werden könnten. So würden auch die Pflegeplätze in Heimen entlastet, so Karl Ehrensperger, Mediziner aus Würenlingen.

Vision: Neues Heim im Zentrum

Letztere sind mit 59 Betten ohnehin knapp in Bad Zurzach und werden mit der Bevölkerungsentwicklung der nächsten Jahre immer knapper. Für die Vision eines neuen Altersheimes mit doppelt so vielen Pflegeplätzen im Zentrum von Zurzach («maximal 400 Meter von allen alltäglichen Verrichtungen entfernt») wird Gemeinderat Peter Lude wohl künftig noch einige Male weibeln.

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