Es ist nicht alltäglich, dass sich ein amtierender Nationalrat derart vehement in die Lokalpolitik einschaltet. Hansjörg Knecht, SVP-Nationalrat aus Leibstadt, hat es getan.

Um an der Gemeindeversammlung in seiner Heimat teilnehmen zu können, hat er sogar seine Ferien im Tessin unterbrochen.

Ferien, die er schon lange geplant hatte und die über Fronleichnam Tradition haben.

«Ich habe mich immer in der Lokalpolitik engagiert», sagt der ehemalige Gemeinderat (1990 bis 1997), «es interessiert mich sehr, was im Dorf oder im Bezirk passiert. Ich mache nicht nur in Bern Politik.»

"Rund eine Million teurer"

Auf den Plan gerufen hatte Knecht Traktandum 4 der Gemeindeversammlung. Dieses lautete «Vorprojekt Sanierung Oberdorfstrasse – Variantenentscheid Dorfbach».

Zwei Varianten waren ausgearbeitet worden. Die teurere für insgesamt 6,99 Millionen Franken empfahl der Gemeinderat zur Annahme. Dies löste bereits im Vorfeld der «Gmeind» einige Diskussionen aus.

Am 12. Mai fand zu diesem Thema eine Informationsveranstaltung statt, bei der die zwei Varianten «Oberdorfstrasse/Leuggernstrasse» und «Oberdorfstrasse/Vogelmatt» ausführlich vorgestellt wurden.

«Der Gemeinderat schlägt mit dem Einverständnis des Kantons eine Luxuslösung vor, die rund eine Million teurer ist als die einfache Variante», sagte Knecht dazu.

Die Gemeindeversammlung folgte schliesslich Knechts Appell und schickte die vom Gemeinderat bevorzugte Variante mit 84:25 Stimmen bachab.

Mehrere Votanten hatten sich vor allem aus finanziellen, aber auch aus gestalterischen und ökologischen Gründen dagegen ausgesprochen.

Für den Gemeinderat bedeutet dies, dass er nun die Variante «Oberdorfstrasse/Vogelmatt» weiterbearbeiten wird. Diese kostet 6,13 Millionen Franken.

«Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat», sagt Knecht. Man dürfe nicht nur vom Sparen reden, sondern müsse auch entsprechend handeln, fordert er.

Die Variante Vogelmatt kommt sowohl Gemeinde wie Kanton billiger zu stehen. Zudem hätte die teurere Variante die Zufahrten des Gewerbes im Oberdorf eingeschränkt, wo auch Knechts Mühle steht.

Sparkurs auch beim Kanton

Knecht will nun sogar beim Aargauer Regierungsrat intervenieren, damit dieser in Zukunft der Verwaltung besser auf die Finger schaut.

«Es kann nicht sein, dass man leichtsinnig Geld ausgibt, wenn eine billigere Variante vorhanden ist, die ebenfalls gesetzeskonform ist.»

Ob die Stimmbürger auch ohne seine Intervention in seinem Sinn entschieden hätten, will Knecht offen lassen. «Das ist schwer zu sagen», findet er, «aber ich habe viele positive Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten.»

Die übrigen Geschäfte der «Gmeind», das Protokoll, der Rechenschaftsbericht und die Verwaltungsrechnung 2015 sowie die Einbürgerung von Arlinda Sulejmani, wurden jeweils mit grosser Mehrheit angenommen. Von 754 Stimmberechtigten nahmen 136 Personen an der Gemeindeversammlung teil. Damit unterliegen die Entscheide dem fakultativen Referendum.