Bad Zurzach

Fasnachtsende mit Kinder-Geschrei, Weiber-Geheul und einem brennenden Prinzen

Mit dem «Ättirüedi» und der «Lätschete» ist die fünfte Jahreszeit im Flecken zu Ende gegangen. Der «Ättirüedi» verteilte Süssigkeiten und Würstli an die Kinder; an der «Lätschete» beweinten die Erwachsenen den Tod von Prinz Karneval.

Die Szene erinnerte an frühere Zeiten, als Hochzeitspaare noch Zältli in die vor der Kirche wartende Menge warfen: Auf seiner Tour durch den Flecken schmeisst der «Ättirüedi» am Aschermittwoch allerlei Leckereien in die Luft.

Die ihn begleitenden Kinder müssen versuchen, die Orangen, Zälti oder Würstli in der Luft zu fangen oder im Bodenkampf zu ergattern. Doch ohne Gegenleistung gibts die von den örtlichen Betrieben gespendeten Gaben nicht: Auf die Frage des «Ättirüedi» «Wo sind mini liebe Buebe und Maitli?» muss eine laute, eine sehr laute Antwort folgen.

Erst wenn die Kinder laut genug geschrien haben, ist der «Ättirüedi» bereit, in seinen Jutesack zu greifen und die Leckereien zu verteilen. Bei diesem munteren Spiel wissen die Kinder nie, wo sie lauern müssen: Einmal wirft der «Ättirüedi» (Stephan Baldinger) die Sachen nach vorn, ein andermal über die Schulter nach hinten.

Der Aettirüedi verteilt Süssigkeiten und Würstli an die Kinder

Der Aettirüedi verteilt Süssigkeiten und Würstli an die Kinder

Dem «Ättirüedi» bedeutet es viel, dass niemand benachteiligt wird. Deshalb schart er die kleinen Kinder um sich, die grösseren müssen auf Distanz bleiben. So kann er sicher sein, dass auch das kleinste und scheueste Kind etwas erhält.

Die Figur des «Ättirüedi» geht auf die Pestzeit im 16. Jahrhundert zurück. Die Überlieferung besagt, dass ein Mann in Frauenkleidern bei den reichen Leuten vorsprach, um eine milde Gabe zu erbetteln. Diese verteilte er an die Armen im Ort.

Den endgültigen und viel beweinten Abschluss fand die Bad Zurzacher Fasnacht mit der «Lätschete». Wie es die Tradition verlangt, zogen die Heulweiber wehklagend vom Sternenbrunnen zum Verenamünster, wo Götz von Pfauenauge eine Abschiedsrede auf den verblichenen Prinz Karneval hielt.

Anschliessend zog der Trauerzug – angeführt von einer Gruppe von Musikern der «Lattensager» und der Gugge «se Barzlis» – hinunter zur Rheinbrücke, wo der Dahingeschiedene angezündet und den Fluten übergeben wurde.

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