Bad Zurzach

Fantasie gepaart mit Leichtigkeit und viel Humor

Trotz Abwesenheit erwärmte Ted Scapa die Besucher in der Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach.

Skulpturen von bunt bemalten Elefanten, einer auf dem Rücken liegenden goldenen Kuh mit Früchten und Gemüse auf dem Bauch; Bilder von Leuchttürmen in Variationen, einem Alphornbläser, einem Segelfisch und vieles, vieles mehr: Die Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach nimmt die Besucher mit auf eine mitreissende Entdeckungsreise in die Wunderwelt von Multitalent Ted Scapa, dessen leichter Strich blitzschnell Geschichten auf Papier zaubert und dessen Hände mitreissende Objekte schaffen.

Am 17. Januar 1931 als Eduard Schaap in Amsterdam geboren, hatte er sich 1962 in der Schweiz niedergelassen und hier die Verlegertochter Meret Meyer-Benteli geheiratet. Knapp 30 Jahre lang hatte er danach den Benteli-Verlag in Bern geleitet. Er veröffentlichte grossartige Bildbänder über Künstler wie Klee, Kandinsky, Warhol. Jean Tinguely wurde sein bester Freund.

An der Vernissage am Freitagabend war bei aller Freude und Begeisterung auch leise Wehmut spürbar, liegt der 88-jährige Künstler doch in Bern im Spital und wurde an der Vernissage schmerzlich vermisst: Ted Scapa, der «absolute Weltenbürger von wunderbarer Lockerheit, Humor und Leichtigkeit», wie ihn Roy Oppenheim in einer kurzen Ansprache charakterisierte. Als Scapa in den 60er- und 70er-Jahren als Moderator der Kindersendung «Spielhaus» die Herzen von Buben und Mädchen eroberte, arbeitete Oppenheim beim Schweizer Fernsehen und ist Ted Scapa seither freundschaftlich eng verbunden. «Als ich ihn kürzlich im Spital besuchte, verabschiedete er sich von mir mit den Worten: Wir sehen uns bald wieder – wir fangen ja erst an.»

Berner Regierungsrätin vor Ort

Da der offizielle Anlass hinter der Galerie im Freien stattfand, verursachte die herrschende Temperatur den Besuchern klamme Finger und kalte Füsse. Doch die Herzen waren warm. Nicht nur wegen der Bilder, Objekte und wunderschönen Bücher, die es im Innern zu bestaunen und bewundern gibt. Auch die lateinamerikanischen Lieder, die Nina Dimitri und Silvana Gargiulo mit sprühendem Charme und Witz vortrugen, heizten tüchtig ein. Besonders aber wärmten und beglückten persönliche Worte die Zuhörer.

Die Berner Regierungsrätin Beatrice Simon – seit vielen Jahren eng mit dem Künstler befreundet – sprach in ihrer Rede Ted Scapa direkt an: «Ich bewundere deine enorme Schaffenskraft und deinen Lebensmut. Du hast die Menschen gern und sie haben dich auch unheimlich gern.» Scapas Welt voller Fantasie, Farben und Humor nehme die Menschen mit auf eine absolut CO2-neutrale Weltreise. «Mit dine Bilder isch dr Alltag als Finanzdirektorin viil gäbiger z’ertrage», sagte Simon. Scapas Tochter Tessa las eine Grussbotschaft ihres Vaters vor, die Zeugnis von der Unverdrossenheit des Kranken ablegte: «Ich habe scheints Wasser auf der Lunge. Vielleicht hätte ich eben mehr Rotwein trinken sollen.»

Mit dem Journalisten, 1990 Gründer von «10 vor 10» Jürg Wildberger, war auch der Vater von Ted Tessas Nichte und Neffen anwesend. Die Mutter der Zwillinge – Scapas zweite Tochter Ghita – war 2005 kurz nach deren Geburt 42-jährig an einem Aortariss verstorben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1