Lengnau

Familiensache im Dorfmuseum – Mosaikbilder von Cornelia und Silvan Schneider

Silvan Schneider vor seinem Rehbild mit Mosaik-Kater Pfupf neben Cornelia mit ihrem Tulpenbaum.

Silvan Schneider vor seinem Rehbild mit Mosaik-Kater Pfupf neben Cornelia mit ihrem Tulpenbaum.

Cornelia Schneider und ihr Sohn Silvan haben für eine Ausstellung zusammengespannt. Das Resultat lässt sich sehen.

Auf der Treppe vom Dorfmuseum wartet das Foto eines wunderfitzigen kleinen Fuchses im herbstlichen Unterholz darauf, aufgehängt zu werden. Im ersten und zweiten Stock sind Silvan und Cornelia Schneider dabei, ihrer ersten Ausstellung, die diesen Freitag Vernissage hat, den letzten Schliff zu geben. Das Motto «Mit Auge, Herz & Hand» trifft den Nagel auf den Kopf. Denn Mutter und Sohn Schneider üben ihre Hobbys nicht nur mit viel Herzblut, sondern auch mit scharfen Blicken, Ideenreichtum und viel Geschick aus.

Als Cornelia Hauenstein in Tegerfelden aufgewachsen, lebt die Lehrerin mit ihrer Familie seit über 30 Jahren in Unterendingen und hat über 25 Jahre an der Sek Lengnau unterrichtet. Mit 60 ist sie vorzeitig in Pension gegangen. Das war vor einem Jahr, diverseste Hobbys aber pflegt Cornelia Schneider schon viel länger. «Ich habe vieles ausprobiert, weil mich so vieles interessiert», erklärt sie. Mit 55 beispielsweise hatte sie das Schwimmen für sich entdeckt; heute gehört sie, zusammen mit Tochter Chantal auf der «Tempo»-Bahn im Schwimmbad Obersiggenthal zur Elite.

«Abfall»-Holz

«Vor fünf Jahren hatte ich mit Chantal einen zweitägigen Mosaik-Kurs besucht und da hat es mir voll den Finger reingenommen», lacht sie. Was sie darunter versteht schlägt sich nun in der Ausstellung nieder. Zum Beispiel in ihrem Kater «Pfupf», den Schneider zweidimensional als Mosaik verewigt hat. Auf Birkenstämmen tummelt sich eine bunte Mosaik-Vogelschar: «Schwarzmeise, Buntspecht, Gimpel, Zaunkönig und andere mehr, einfach alle, die sich in unserem Garten tummeln.» Ein raumhohes Mosaik-Bild zeigt einen Bambuswald mit Elfe. Die Mosaiksteine stammen entweder von zerschlagenem Geschirr oder Wandplättli. «Ich kenne einige Plättlileger, die mir alte Musterbücher und Abfall-Plättli schenken.»

Auch für ihr zweites aktuelles Hobby, dessen Ergebnisse in der Ausstellung zu bestaunen sind – das Drechseln – verwendet Cornelia Schneider ausschliesslich «Abfall»-Holz. Hier sitzt sie mit ihrem Sohn Silvan an einer unerschöpflichen Quelle.

Fuchs und Hase

Der 28-jährige gelernte Maurer schliesst demnächst seine Zweitausbildung zum Landschaftsgärtner ab. Als ausgesprochener Naturbursche streift Silvan Schneider in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne durch Wälder, über Felder und Wiesen. Nachdem er sich vor Jahren – «einfach so» – eine Spiegelreflex-Kamera angeschafft hatte, wurde diese zu seinem treuen Begleiter auf seinen Erkundungstouren durch die Natur. Eine noch bessere Kamera folgte und immer spannendere, immer erstaunlichere Bilder entstanden. Als bei Mutter und Sohn die Idee reifte, eine Ausstellung zu gestalten – «Freunde und Bekannte hatten uns dazu animiert» – wandte Silvan Schneider sich einen befreundeten Fachmann, der ausgewählte Fotos auf Leinwand aufzog.

So werden in der Ausstellung Wunder der Natur detailliert zu bewundern sein. Etwa eine Biene, die an einer Schwarzdorn-Blüte nascht. Ein Feldhase, der sich putzt, ein wachsames Reh inmitten von Farn oder Regentropfen auf Grashalmen. «Die meisten Aufnahmen sind oberhalb von Lengnau und rund um Baldingen entstanden. Dort habe ich mich allerdings häufig sehr lange gedulden müssen, bis ich ‹mein› Sujet vor der Linse hatte.»

Essigbaum und Zeder

Aus dem Wald und aus den Gärten, in denen Silvan arbeitet, bringt er seiner Mutter grössere und kleinere, glatte und knubblige Stücke von verschiedensten Hölzern. Ob Zypresse, Fichte, Buche, falsche Akazie, Essigbaum, Ahorn, Zeder – Cornelia Schneider schafft aus jedem Holz kleine und grössere Kunstwerke – Gefässe, Ziergegenstände, Schmuck. «Vor zwei Jahren war ich an einem Drechsel-Kurs auf dem Ballenberg. Ich war auf Anhieb so fasziniert, dass ich umgehend eine kleine Tisch-Drechselbank gekauft habe.» Ein Jahr später war diese durch eine grosse Bank ersetzt worden. Dort sind ebenso wundersame, wie wunderbare Objekte entstanden. So gibt es in der Ausstellung ebenso einfache Holz-Eier, wie einen «Tulpenbaum» zu sehen; Birnen, Kirschen, Armreifen, Fingerringe. Viele Gegenstände sind besonders hübsch aus verschiedenen Hölzern kombiniert.

«Mit Auge, Herz & Hand» macht unverkennbar deutlich, dass der Fantasie und dem Ideenreichtum von Cornelia Schneider ebenso wenig Grenzen gesetzt sind, wie ihrem Feuereifer fürs kunstvolle Tüfteln. Ihre schier unbändige Begeisterung teilt Silvan, die Kamera in Händen, mit ihr.

Meistgesehen

Artboard 1