In der Nacht auf Donnerstag, um Mitternacht, ist die fünfjährige Meldefrist für den rechtmässigen Eigentümer der 2,6 Kilogramm Goldbarren abgelaufen, die zwei Gemeindeangestellte am 28. Juni 2012 in Klingnau gefunden hatten. Fast im letzten Moment haben sich noch zwei Personen beim regionalen Fundbüro gemeldet, die einen Anspruch auf das Gold stellen, das zirka 100’000 Franken wert ist. Das Fundbüro wird von der Regionalpolizei Zurzibiet geführt.

Hier in Klingnau fanden zwei Gemeindemitarbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren

Hier in Klingnau fanden zwei Gemeindemitarbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren

Die beiden Männer fanden die 10 Goldbarren am 28. Juni 2012 beim Mähen. Fünf Jahre später ist nach wie vor mysteriös, wie die zehn Goldbarren, die 2,6 Kilogramm schwer und zirka 100'000 Franken wert sind, dorthin kamen.

«Letzte und diese Woche haben zwei Personen ihren Anspruch auf den Goldfund geltend gemacht», sagt Polizeichef René Lippuner. Die eine Person sei persönlich beim Posten im Klingnauer Städtchen vorbeigekommen, die andere habe sich per Telefon gemeldet.

Genauere Angaben über die Leute, etwa ob sie in der Schweiz oder im Ausland wohnhaft sind, macht Lippuner nicht. Klar ist dagegen: «Beide Personen stellen Anspruch auf alle zehn Barren», wie Lippuner ausführt. Das war nicht bei allen Personen so, die sich wegen des Fundes meldeten. Die az kennt einen Mann, der nach Publikwerden des Funds überprüfen liess, ob einer der beiden 1-Kilogramm-Barren sein Eigentum ist. Das konnte ausgeschlossen werden.

Die zwei Personen haben nun bereits erste Unterlagen als Beweise eingereicht. «Diese sind aber noch nicht vollständig», sagt Lippuner. Das sei auch nicht nötig gewesen. Es reiche, den Anspruch anzumelden, weitere Unterlagen könnten nachgereicht werden. Ergibt sich ein Zusammenhang mit einem Delikt, müsse auch die Staatsanwaltschaft wieder in die Abklärungen miteinbezogen werden. In diesem Fall ist es naheliegend, dass das Delikt noch nicht angezeigt wurde. Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach hatte nach dem Goldfund nämlich überprüft, ob ein Zusammenhang mit einem bekannten Delikt steht – ohne Erfolg.

Lippuner stellt klar: «Es sind nun umfangreiche Ermittlungen nötig, um die Eigentumsansprüche zu klären.» Die Überprüfungen könnten noch länger dauern, sprich Wochen oder gar mehrere Monate. «Wir müssen sämtliche verfügbaren Dokumente prüfen.» Völlig abwegig scheinen die Ansprüche der beiden Personen damit nicht zu sein. «Der Fall kann eine komplett neue Wendung nehmen», sagt der Polizeichef.

Umstrittene Rechtslage

Wem händigt das Fundbüro die Goldbarren aus, falls sich die Hoffnungen dieser beiden Personen zerschlagen – der Gemeinde oder den Findern? «In diesem Fall würden wir die Rechtslage nochmals prüfen», sagt Lippuner. Weiter will er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern und erst die weiteren Abklärungen abwarten. Die Aussagen der Rechtsprofessoren in der az hat er zur Kenntnis genommen.

Laut dem juristischen Gutachten, das die Gemeinde Klingnau in Auftrag gab, würde sie das Gold erhalten, wenn der Eigentümer nicht festgestellt werden kann. Dieser Standpunkt ist allerdings umstritten. Von der az befragte Arbeitsrecht-Experten halten fest, dass die Rechtslage zumindest unklar ist. Roland Müller, Professor in St. Gallen und Bern, legte sich gar fest: «Die Gemeindemitarbeiter werden nach fünf Jahren Eigentümer der Goldbarren.» Roger Rudolph, Arbeitsrechts-Experte und Lehrbeauftragter der Universität Zürich, sprach von einer «offenen Rechtslage».

Kein Goldgeld für Klingnau?

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In letzter Sekunde melden zwei Personen Anspruch auf die mysteriösen Klingnauer Goldbarren. Jetzt muss der wahre Besitzer ermittelt werden.

Der Klingnauer Goldfund von 1905

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Im Wald zeugt ein Gedenkstein von einem Sensationsfund vor über 100 Jahren: Am 3. Februar 1905 stiessen Klingnauer Holzhauer auf eine Kiste mit 829 Goldmünzen.