Soziale Plattform

Facebook: Erst Respekt, dann aber Neugier

Die Kursteilnehmer wagen die ersten Mausklicks im Facebook. PKR

Facebook-Kurs

Die Kursteilnehmer wagen die ersten Mausklicks im Facebook. PKR

Facebook ist in aller Munde. Doch was ist die soziale Plattform eigentlich? Und wie funktioniert Facebook? Ein Augenschein beim Kurs «Facebook kenn keine Altersgrenzen».

«Ich bin aufgewachsen mit Briefeschreiben», sagt Ruth Hinnen aus Lengnau. «Facebook ist doch irgendwie ein Hirngespinst. Die virtuelle Welt hat etwas Unheimliches an sich.»

Mehr als ein Dutzend Männer und Frauen, alle vermutlich älter als 40, besuchen an diesem Abend im Informatikraum der Schule Rain in Kleindöttingen den Kurs «Facebook kennt keine Altersgrenzen.» Der Respekt vor dieser Internetseite ist bei vielen gross: Es leuchten hell die grünen Bildschirmschoner - aber kaum jemand getraut sich, die Buchstaben einzutippen, welche in die neue Welt führen: www.facebook.com.

Erklären, was Facebook ist

Ehe es richtig losgeht, sagen alle, weshalb sie hergekommen sind. «Ich möchte wissen, was meine Kinder die ganze Zeit machen», sagt eine Frau. Ein anderer Teilnehmer sagt: «Ich weiss einfach nicht, was dieses Facebook ist. Ich bin nicht so mutig und habe mich noch nicht getraut, mich anzumelden.»

Kursleiterin Helen Dietsche (47) erklärt, was Facebook ist. Sie ist Mutter von drei erwachsenen Kindern, Projektleiterin bei Infofactory in Brugg und seit rund vier Jahren bei Facebook dabei. «Die Zeiten sind vorbei, in denen man sich zum Plaudern ausschliesslich im Café, am Stammtisch oder in einer Bar trifft», sagt sie zu den Teilnehmern. Heutzutage würden sich die Menschen auch auf Facebook im Internet treffen. «Facebook ersetzt den persönlichen Kontakt von Angesicht zu Angesicht aber nicht.»

«Man kann sich blamieren»

Dietsche rät: «Schreibt nur auf Facebook, was ihr auch sonst im Leben öffentlich sagen würdet. Seid ein bisschen vorsichtig mit den Äusserungen, die ihr auf den Pinnwänden macht. Denn auf Facebook kann man sich ganz schön blamieren.» Nach gut einer Stunde der grosse Schritt: Die Teilnehmer sollen sich registrieren. Doch nicht alle machen mit. «Ich habe mich entschieden: Ich melde mich hier nicht an», sagt eine Frau. «Ich schreibe E-Mails, und das genügt mir. Vielleicht registriere ich mich, wenn ich pensioniert bin.»

Die Unsicherheit der älteren Generation betreffend Facebook habe mit Angstmacherei zu tun, sagt Dietsche nach dem Kurs. Man lese viel davon, wie vorsichtig man sein müsse betreffend der Privatsphäre. «Klar möchte ich die Leute auch sensibilisieren und auf die Gefahren hinweisen. Aber jeder kann selber bestimmen, was über ihn zu lesen ist.»

Facebook gegen Einsamkeit

Facebook könne für ältere Menschen einen grossen Nutzen haben, sagt sie: «Diese Plattform kann helfen, bestehende Beziehungen und Freundschaften zu pflegen und so ein bisschen vor der totalen Vereinsamung schützen», so Dietsche.

Inzwischen haben die meisten Teilnehmer ein Profil eröffnet. «Es wird euch packen», sagt Dietsche. Und tatsächlich weichen bei vielen Angst und Respekt der Neugier. «Ich habe schon ein paar Leute gesehen, die ich kenne», sagt ein Mann. «Ich bin gespannt, wen ich hier sonst noch so treffe.» Und auch Ruth Hinnen, die zu Beginn des Kurses noch Respekt vor Facebook hatte, strahlt jetzt übers ganze Gesicht und sagt: «Langsam habe ich eine Ahnung, was dieses Facebook sein soll. Man trifft hier Leute, die man auch sonst kennt, und hier man kann mit ihnen kommunizieren oder Fotos von ihnen ansehen. Ich werde auf jeden Fall dranbleiben.»

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