Eine Frau, die unweit des Fleckens in Deutschland lebt, war am vergangenen Donnerstagabend mit ihrem zweijährigen Sohn im Regibad Zurzach zu Gast. «Wir sassen auf der Wiese in der Nähe des Kinderbeckens», erzählt die Frau, die sich bei der AZ gemeldet hat und anonym bleiben möchte. Um kurz nach 18.30 Uhr bemerkte sie auf dem nahegelegenen Rheinwegli, das vom Schwimmbad mit einem Zaun abgetrennt ist, einen Mann. «Ich sah, dass er die Hosen heruntergelassen hatte und sich selbst befriedigte.»

«Sehr unangenehme Situation»

Ihr Sohn sei zu diesem Zeitpunkt unglücklicherweise unbekleidet gewesen, da sie ihn gerade zum Umziehen bereit gemacht habe. Es sei eine äusserst unangenehme Situation gewesen: «Es machte den Eindruck, als würde der Mann den Augenblick geniessen. Er hatte sein Handy in der Hand und stand sehr nah, wodurch ich sehen konnte, dass die Videofunktion eingeschaltet war. Ob er meinen Sohn filmte oder sich selbst, weiss ich nicht», erzählt die Frau. Danach habe sie den Mann, den sie etwa 30 Jahre alt schätzt, aufgefordert, zu verschwinden, was er dann – wenn auch nur sehr langsam – getan habe. Anschliessend habe sie den Vorfall der Polizei gemeldet. Diese begab sich unmittelbar auf die Suche nach dem Exhibitionisten, konnte ihn aber nicht ausfindig machen.

Roland Pfister, Kommunikationschef der Kantonspolizei Aargau (Kapo), bestätigt den Vorfall auf Anfrage. Für den polizeilichen Einsatz und die Abklärungen zeichnete erst die Regionalpolizei Zurzibiet (Repol) verantwortlich. «Nachdem die Meldung bei uns eingegangen war, sind wir auf dem Weg beim Rheinufer eingetroffen. Wir suchten das Gebiet eine Stunde lang ab, leider fehlte von dem Täter jede Spur», sagt Daniel Salm, stellvertretender Polizeichef der Repol Zurzibiet.

Erster Vorfall beim Regibad

Im Regibad waren am Donnerstagabend die beiden Badmeister Christiane Hofmann und Sascha Smonig im Einsatz. Beide haben vom Vorfall keine Kenntnis. «Von unserem Standpunkt aus haben wir eigentlich einen guten Überblick über die gesamte Badi bis ans Rheinwegli. Die Situation haben wir allerdings nicht gesehen», sagt Christiane Hofmann.

Monika Dietsche, Betriebsleiterin des Regibads, sagt, ähnliche Fälle oder Meldungen über Exhibitionismus im und ums Regibad habe es in der Vergangenheit keine gegeben. Der Vorfall habe sie schockiert: «Wir tolerieren ein solches Verhalten nicht und verurteilen das Geschehene aufs Schärfste», so Dietsche.

34 Anzeigen im letzten Jahr

Exhibitionismusfälle sind keine Seltenheit, 2017 gingen im Kanton Aargau insgesamt 34 Anzeigen ein, wie die polizeiliche Statistik zeigt. Nach dem Exhibitionisten wird nun weiter gesucht. «Weil die Tat gegen eine minderjährige Person gerichtet war, obliegen die Ermittlungen ab sofort der Kantonspolizei», sagt Roland Pfister. Diese sogenannten Offizialdelikte haben automatisch eine Anzeige gegen unbekannt zur Folge.

Für die weiteren Abklärungen werde als Nächstes nach vergleichbaren Fällen in der Region gesucht, so Pfister. Aus einem einfachen Grund: «Exhibitionisten sind häufig Wiederholungstäter.»