Koblenz

«Es ist das Recht der Schwächeren, sich zu wehren»

Widerstand gegen Asylzentrum: Die Bevölkerung der Region verlieh ihrem Ärger im Oktober 2012 mit Spruchbändern Ausdruck. Jetzt hat der Kanton das Projekt ad acta gelegt. ZVG

Widerstand gegen Asylzentrum: Die Bevölkerung der Region verlieh ihrem Ärger im Oktober 2012 mit Spruchbändern Ausdruck. Jetzt hat der Kanton das Projekt ad acta gelegt. ZVG

Kanton zieht Baugesuch für Asylunterkunft beim Verenahof zurück – im Bezirk ist von einem Freudentag die Rede. «Es ist das Recht der Schwächeren, sich zur Wehr zu setzen», sagt Mario Erdin vom Komitee gegen das Asylzentrum.

Der Ärger im unteren Aaretal – insbesondere im Grenzdorf Koblenz – war vor einem Jahr gross. Der Kanton hatte angekündigt, im leer stehenden Hotel Verenahof eine Asylunterkunft einrichten zu wollen. Jetzt herrscht Freude: Der Kanton verkündete gestern Vormittag, er ziehe das Gesuch für den Umbau der Immobilie zurück.

Mario Erdin vom Komitee gegen das Asylzentrum spricht von einem Freudentag: «Die Nachricht hat uns überrascht. Wir hatten die Hoffnung nie aufgegeben, dass die Unterkunft nicht zustande kommt, obwohl der Kanton sein Ziel entschlossen verfolgte.» Dass gemäss Kanton wirtschaftliche Gründe der Eigentümerin ausschlaggebend für den Rückzug des Baugesuches gewesen sein sollen, erstaunt Erdin. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies der einzige Grund war. Vielmehr glaube ich, dass der Kanton merkte, dass er in Koblenz mit grossem Widerstand rechnen musste.»

Das Komitee bereitet nun ein Dankesschreiben an Politiker in der Gegend vor. Alle Grossräte hätten sich gegen das Projekt ausgesprochen, und auch der Planungsverband sei dagegen gewesen. Dass geschlossen gegen das Asylzentrum gekämpft wurde, sei sehr erfreulich. «Es ist das Recht der Schwächeren, sich zur Wehr zu setzen», sagt Erdin. «Es darf nicht sein, dass einer bevölkerungsmässig kleinen und wirtschaftlich schwachen Gemeinde weitere Bürden auferlegt werden, während sich starke Ortschaften von Verpflichtungen freikaufen können.»

«Keinen Druck auf Besitzer ausgeübt»

Vizeammann und Briefträger Roland Christen, der seit der gesundheitlichen Absenz von Gemeindeammann Heidi Wanner das Dossier «Asylheim im Verenahof» betreut, erfuhr die frohe Botschaft beim Vorbereiten seiner Tour in der Post in Leuggern. «Die Freude war riesig», sagt Christen. Der Gemeinderat habe immer gehofft, dass der Kanton das Baugesuch zurückziehe. Dass es so schnell gegangen sei, sei super und dürfe dem geschlossenen Widerstand und der Solidarität einer ganzen Region zugeschrieben werden. Christen versichert, gegenüber dem Liegenschaftsbesitzer keinen Druck aufgesetzt zu haben. «Wir hatten uns aber vorgenommen, in nächster Zeit mit ihm zusammenzusitzen und unsere Probleme mit den Plänen des Kantons zu besprechen.»

Christen geht davon aus, dass das Projekt «Verenahof» endgültig begraben ist. «Wir können aber nicht ausschliessen, dass der Kanton ein neues Projekt in einer anderen Liegenschaft in unserer Gemeinde lanciert. Doch auch dagegen würden wir uns zur Wehr setzen», sagt Christen, «denn wir sind grundsätzlich nicht bereit, neben dem Grenzverkehr, dem Fluglärm und den Hochspannungsleitungen weitere Lasten zu tragen.»

Felix Binder, Präsident des Planungsverbandes Zurzibiet: «Dass der Kanton das Baugesuch zurückzog, hat sicher auch damit zu tun, dass Politiker und Gemeinden als Einheit aufgetreten sind.» Man habe nicht einfach nur protestiert, sondern argumentiert. «Unser Argument war, dass die Gegend mit der Unterkunft in Rekingen bereits eine verhältnismässig hohe Anzahl Asylsuchende beherbergt, und dass erst andere Gegenden ihrer Pflicht nachkommen sollen.»

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