Döttingen

Erziehung mit Kopf, Herz und Hand – seit 50 Jahren das Credo dieser Schule

Ein Klassenzimmer der Heilpädagogischen Schule in Döttingen.

Ein Klassenzimmer der Heilpädagogischen Schule in Döttingen.

Die Heilpädagogische Schule (HPS) hat 1965 im Hause der Familie Niedrist in Döttingen ihren Betrieb aufgenommen. Diesen Sonntag feiert sie ihr 50-jähriges Jubiläum.

Sonne, Wolken und 18 Grad: So sieht die Wetterprognose für Sonntag, 10. Mai 2015 aus. Damit kann die Heilpädagogische Schule (HPS) Döttingen gut leben: An diesem Tag wird sie 50 Jahre alt.

Wie es am 10. Mai 1965 ausgesehen hat, weiss Schulleiterin Irmgard Trenkler – seit 1995 an der HPS – ebenso wenig wie die Chronik. Diese zeigt nur auf, dass die HPS Döttingen an diesem Tag im Hause der Familie Niedrist an der Hauptstrasse ihren Betrieb aufgenommen hat.

«Das war damals praktisch eine Wohnung mit einem Klassenzimmer und einer Küche für das Praktische», sagt die Schulleiterin. Sie lächelt, als sie um sich blickt. Kein Wunder, die heutige HPS mit ihren 49 Mitarbeitenden hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit der ersten.

Die jetzige an der Schulstrasse 2a thront – etwa 15 Fussminuten vom Bahnhof Döttingen entfernt – auf einer Anhöhe; sie ist geräumig und hell und vermittelt den Eindruck: Hier können Menschen atmen. Doch wir greifen vor – blenden wir zurück.

Schülerzahl stieg kontinuierlich

Nachdem die Schule 1965 ihr provisorisches Domizil bezogen hatte, musste sie bald nach neuen Räumen Ausschau halten. Das grosse Gebäude im «Kinderheim St Johann» stand zur Neunutzung zur Verfügung. Ergo wurde 1972 eine Kommission gegründet, um einen Trakt des Kinderheims zu einem Schulgebäude für die HPS umzubauen.

Am 26. April 1976 war es dann soweit: Die neuen Zimmer konnten bezogen werden. Weil die Schülerzahl aber kontinuierlich anstieg, musste 1991 zunächst ein Provisorium für zwei weitere Schulzimmer errichtet werden, bevor die HPS schliesslich am 9. August 2004 im neuen Haus ihren Betrieb starten konnte.

«Wir haben 1965 mit fünfzehn Kindern begonnen; heute haben wir 61. Grundsätzlich nehmen wir Buben und Mädchen vom Kindergartenalter bis zum Schulaustritt mit kognitiver Behinderung auf, wenn sie im Bezirk Zurzach und den angrenzenden Gemeinden wohnen», sagt Irmgard Trenkler.

Ist die gestiegene Schülerzahl Ausdruck einer grösseren gesellschaftlichen Akzeptanz? «Die Integration von Menschen mit einem Handicap in die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten verbessert; die Barrieren brechen langsam auf. Noch vor 100 Jahren besuchten Kinder mit besonderen Bedürfnissen keine Schule oder sie konnten in der Regelschule nicht entsprechend gefördert werden.» Aber das Denken in der Bevölkerung, habe sich gewandelt.

Am Leitbild und an den Grundsätzen der HPS Döttingen hat sich nichts geändert. «Wir orientieren uns am Lehrplan der Regelschule und richten diesen aus nach den Bedürfnissen und der Lebensrealität der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen», betont Trenkler und fügt sogleich zwei weitere Stichworte hinzu: Fordern und Fördern.

In der Praxis heisst das: Die HPS – eine Tagesschule samt Mittagsbetreuung – bietet mit individueller Förderplanung ein entwicklungs-adäquates Förderangebot an, das jedes Jahr dokumentiert und überprüft wird.

Ziel ist es, die Fähigkeiten der jungen Menschen so zu schulen, dass sie trotz ihren Schwierigkeiten später ein weitgehend selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen können.

Trenkler verweist auf den Schweizer Pädagogen Heinrich Pestalozzi: «Unsere Erziehung und Bildung orientiert sich an seinen Grundsätzen ‹Kopf, Herz und Hand›.»

«Die Erwartungen sind gestiegen»

Grundsätze und Leitbild blieben über die Jahre gleich; gab es in jüngerer Zeit dennoch Veränderungen? «Ja. Heute gehen wir noch differenzierter der Frage nach: Wo liegen die Stärken der Kinder? Je nachdem werden sie im einen oder anderen Bereich speziell gefördert.»

Das, so die HPS-Schulleiterin, bedinge jedoch verstärkte personelle Ressourcen. Die Schulleiterin führt ein Beispiel an: «War in früheren Zeiten eine einzelne Heilpädagogin für eine Klasse zuständig, sind jetzt in Abteilungen von sieben bis acht Schülern zwei bis drei Mitarbeitende für die noch individuellere Förderung der Kinder zuständig.» Die Arbeit sei sehr spannend, aber auch intensiv, weshalb es nur wenige Heilpädagogen mit einem 100-Prozent-Pensum gebe.

Was hat sich allenfalls noch verändert in den letzten Jahren? «Die Elternzusammenarbeit», so Trenkler. «Die Erwartungen der Eltern an die HPS sind ganz klar gestiegen. Eltern wollen heute orientiert sein, wollen mitreden können. Es ist längst nicht mehr so wie einst, als die Lehrpersonen etwas sagten und die Eltern einfach zuhörten. Schule und Eltern haben gemeinsame Ziele, deshalb befinden wir uns auch in regelmässigem Austausch. Wir sind sehr glücklich über Mütter und Väter, die sich engagieren.»

Engagieren für eine Zukunft – so die Hoffnung von HPS und Eltern – in der Menschen mit Besonderheiten immer selbstverständlicher ihren Platz finden werden.

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