Klingnau

Erstaunlicher Fund im Städtli erinnert an verheerenden Grossbrand von 1586

Der verheerende Brand in Klingnau. Gemalt vom Geistlichen Johann Jakob Wick.

Der verheerende Brand in Klingnau. Gemalt vom Geistlichen Johann Jakob Wick.

Bauarbeiter entdecken bei der Jahrhundert-Sanierung Asche-Überreste des Grossbrands von 1586, als das Städtchen in ein Flammenmeer gehüllt war. Sie machten auch Funde, die mit dem einstigen Friedhof neben der Stadtkirche zu tun haben.

Bei der grossen Sanierung im Städtchen kam Überraschendes zum Vorschein: Bauarbeiter fanden alte Aschereste. Gemeindeschreiber Rolf Walker bestätigt der AZ den Fund. «In der Sonnengasse, im Bereich vom oberen Stadtbrunnen bis hin zum alten Amtshaus und in der Einmündung der Katharinengasse, wurden beim Materialersatz der Fundationsschicht weiche schwarze Schichten vorgefunden», sagt er.

Von Asche im eigentlichen Sinn war nichts mehr zu sehen. Von «schmierigen, pechschwarzen Schichten» spricht Bauleiter Stephan Hagenunger vom Klingnauer Ingenieurbüro Schifferli. «Sie wiesen eine weiche Konsistenz wie siltiger Ton auf.»

Die Asche-Rückstände befanden sich in den Baugräben auf einer Länge von zirka 40 Metern und einer Breite von 6 Metern. Sie waren im Durchschnitt 30 bis 60 Zentimeter dick. Insgesamt dürfte es sich um zirka 50 Kubikmeter gehandelt haben. Nach Hagenungers Einschätzung dürften die Asche-Überreste auf den verheerenden Grossbrand vom 7. Juli 1586 zurückzuführen sein. Es handelt sich um die bis heute grösste Brandkatastrophe in der 778-jährigen Geschichte des Städtchens.

Die Asche konnte nicht im Boden liegen bleiben. «Für die zuverlässige Tragfähigkeit einer Fundationsschicht sind solche Ablagerungen ungeeignet», erklärt Hagenunger. «Der Gemeinderat verfügte daraufhin in Abstimmung mit der Bauleitung den kompletten Austausch», sagt Walker.

Die Gräben sind mittlerweile geschlossen. In dieser Woche wird der Deckbelag aufgetragen. Die Jahrhundert-Sanierung wird damit abgeschlossen. Das Material wurde als sogenannter Inertstoff separat entsorgt. Der zusätzliche Aufwand für Entsorgung und Materialersatz hat nicht budgetierte Kosten zur Folge gehabt. Über die Höhe könne die Gemeinde noch keine Angaben machen, sagt Walker.

Das Klingnauer Städtchen am Montagmorgen – diese Woche wird der Deckbelag aufgetragen, als Abschluss der Jahrhundert-Sanierung.

Das Klingnauer Städtchen am Montagmorgen – diese Woche wird der Deckbelag aufgetragen, als Abschluss der Jahrhundert-Sanierung.

Menschliche Knochen entdeckt

Bei den Sanierungsarbeiten stiessen die Bauarbeiter im Untergrund ausserdem auf menschliche Knochen und an zwei Orten auf Überreste der Stadtmauer. «Die Knochen lagen nur einen halben Meter unter der Strasse im unmittelbaren Bereich zwischen Kirche und unterem Stadtbrunnen», sagt Hagenunger. Erklären lässt sich das leicht: Bis 1813 befand sich der Friedhof im Städtchen, neben der Kirche, ehe er an den heutigen Standort im Gäntert verlegt wurde. Zudem sind beim Schlossrain sowie beim ehemaligen Sitz der Lokalzeitung «Die Botschaft» Reste der Stadtmauer gefunden worden. Die Kantonsarchäologie hat diese dokumentiert. Auf die Mauerreste beim Schlossrain stiessen die Arbeiter in einem halben Meter Tiefe. Dort wurden sie auch belassen.

Der untere Brunnen und die Klingnauer Stadtkirche.

Der untere Brunnen und die Klingnauer Stadtkirche.

Der Feuer anno 1586 brach am 7. Juli, um 12 Uhr, im Schloss aus, sprang auf das nächstgelegene  Haus der Schattengasse über und breitete sich rasend schnell aus, befördert durch die vielen Holzbauten. Die Flammen frassen sich von Dachstuhl zu Dachstuhl der Schattengasse bis zum damaligen Obertor, und von dort die ganze Sonnengasse zurück.

Das Feuer griff zudem auf den Kirchturm über, der völlig ausbrannte. Die Glocken stürzten herunter und schmolzen in der Glut. Ein Raub der Flammen wurde auch das damalige Rathaus, das zwischen Kirche und oberem Brunnen stand. Der Brand forderte ein Menschenleben und einen Schwerverletzten. 84 Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen. 43 Wohnhäuser davon brannten vollständig nieder, ebenso das obere Tor und eine Trotte, 37 Wohnhäuser erlitten grosse Schäden, weil der Dachstuhl oder die oberen Stockwerke ausbrannten. Stehen blieb vom Schloss nur der Turm, von der Pfarrkirche Schiff und Chor. Verschont wurden die Unterstadt, also die Gebäude zwischen Schattengasse und Aare, sowie die Vorstadtgebiete. 

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