Wegen Parkierens trotz Parkverbot hatte vor Wochenfrist ein Rentner aus Rekingen vor dem Einzelrichter gestanden. Weil der betreffende Weg mit keinem Parkverbot belegt ist, wurde der Rentner – der von einem Nachbarn angezeigt worden war – freigesprochen. Gestern nun musste besagter Nachbar seinerseits vor Einzelrichter Cyrill Kramer vortraben: Der 56-Jährige war der mehrfachen Beschimpfung, der Nötigung, Drohung, Tätlichkeiten und – auch er – des Parkierens im Parkverbot beschuldigt. Der Freispruch in diesem Punkt war voraussehbar, die anderen Beschuldigungen gaben einiges zu reden – und zu schmunzeln.

Denn so spinnefeind wie die beiden Kontrahenten können sich wohl nur Nachbarn sein. Austragungsort der Fehden ist ein Strässchen mit fünf Einfamilienhäusern und Tiefgarage. Streitigkeiten zwischen den Anwohnern schwelen dort seit Jahren – zwischen dem 56-Jährigen und dem Rentner kam es immer wieder mal zu verbalen Eruptionen.

Beschimpfungen und Drohungen

Laut Anklageschrift soll der Jüngere den Rentner mit Schlötterli wie «Huere Wixer», «Arschloch, «Tubel» angehängt haben, ihm ferner «I schloh di zäme, dass nie meh laufsch» angedroht und einmal mit seinem spitzen Schuh gegen Schienbein und Fuss getreten haben.

Auf mehrere der Beschuldigungen hatte die Staatsanwältin nicht eingehen wollen, war aber vom Obergericht zurückgepfiffen worden und hatte, ohne Einvernahme des Beschuldigten, alle in den Polizeiakten aufgeführten «Taten» zur Anklage erhoben.

Besonders pikant ist, was sich im Juli 2014 zutrug, als sich die beiden Streithähne in der Tiefgarage beim Ein- respektive Hinausfahren begegnet waren. Da soll der 56-Jährige nach einem kurzen verbalen Disput zunächst sein T-Shirt hochgezogen, dem Rentner seinen nackten Bauch präsentiert haben (im Papa-Moll-Format, wie vor Gericht zu sehen war) und danach seinen entblössten Allerwertesten.

Letzteres bestritt der Beschuldigte vehement: «Ich schwöre bei allem, was ich habe, dass ich weder zu ihm sagte, er könne auch meinen Arsch fotografieren, noch dass ich die Hose runtergelassen habe.» Im Übrigen habe ihn der Rentner immer wieder provoziert, sei ständig auf Konfrontationskurs gewesen.

Der Verteidiger des 56-Jährigen zerpflückte in seinem Plädoyer die protokollierten Aussagen und Anschuldigungen des Rentners in ihre teilweise widersprüchlichen Bestandteile und forderte einen vollumfänglichen Freispruch für seinen Mandanten. Tatsächlich sprach Richter Kramer den Beschuldigten in den allermeisten Punkten nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» frei.

Einen Schuldspruch jedoch gab es wegen des nackten Pos. «Sie hatten bei der Polizei ausgesagt, dass Sie mit den Worten, der Nachbar ‹könne ja auch den Arsch fotografieren› Ihre Hose fünf oder zehn Zentimeter hinuntergezogen hatten. Laut Bundesgerichtsurteil ist das klar eine Beschimpfung», begründete Kramer den Entscheid.

Das Verdikt: 5 Tagessätze à 200 Franken Geldstrafe bedingt. Mit einer Busse von 300 Franken, 400 Franken an die Gerichtskosten und die Rechnung seines Anwalts ist der Allerwerteste tatsächlich – nomen est omen – ein wertvoller Körperteil. Zumindest wenn er im ungeeigneten Moment entblösst wird.