Leuggern ist nun wahrlich keine grosse Gemeinde. Auch nicht für Aargauer Verhältnisse. Aber auf der Tennislandkarte geniesst das Dorf mit seinen etwas über 2000 Einwohnern Strahlkraft. Seit den 1990er-Jahren trainieren hier immer wieder vielversprechende Talente im Ort nahe der deutschen Grenze. Dazu gehörten unter anderem die früheren Profispieler Alexander Sadecky und Sandro Ehrat, die beide einmal für das Schweizer Davis Cup-Team selektioniert wurden.

Die prominenteste Spielerin, die nicht nur lange in Leuggern trainiert hat, sondern auch dort aufwuchs, ist Stefanie Vögele. Obwohl sie ihre Trainingsbasis mittlerweile nach Prag verlegt hat, trifft man sie noch immer ab und zu im Sportcenter Leuggern an, wo mit Oliver Mrose und Yanik Kälin auch die beiden aktuell besten Zurzibieter Tenniscracks regelmässig spielen.

Back ist Vollzeit-Lehrer und Trainer

Die meisten Spitzenspieler, die in den letzten Jahren in Leuggern trainiert haben, taten dies bei Christoph Back. Der 47-Jährige, der hauptberuflich als Realschullehrer ennet der Grenze in Tiengen arbeitet, steht seit 25 Jahren in Leuggern als Coach auf dem Tennisplatz. Noch immer findet er neben seinem Vollzeit-Pensum als Lehrer jede Woche zehn bis fünfzehn Stunden Zeit, um sein Wissen weiterzugeben und Spieler zu betreuen.

Auch Christoph Back hatte in jungen Jahren einst in Leuggern trainiert. Mit 16 hatte er seine Trainingsbasis von Tiengen nach Leuggern verlegt und seine Profikarriere dort lanciert. Den Durchbruch hatte er zwar nicht geschafft, konnte jedoch einige beachtliche Erfolge feiern. Unter anderem gehörte er zu den Top 10 der Schweizer Rangliste und hat drei Saisons gemeinsam mit Roger Federer im TC Old Boys Basel in der Nationalliga A Interclub gespielt. «Das war natürlich ein absolutes Highlight», so Back, der seine Profiambitionen nach drei Jahren beendet und sein Studium in Sport, Mathematik und Politik in Angriff genommen hatte.

Zweifacher Europameister

Als er im zweiten Semester seines Studiums Vater wurde, begann er seine Tätigkeit als Tennistrainer auszubauen. Und ist dieser seither treu geblieben. «Eigentlich macht man ja jeden Tag dasselbe. Aber bei jedem einzelnen Schüler braucht es eine andere Herangehensweise», sagt Back. «Es gibt keine Schablone, die man einfach einsetzen kann und dann klappts. Das ist es, was mich auch nach so vielen Jahren noch immer fasziniert an meiner Arbeit.»

Die entscheidenden Kriterien, um als Trainer erfolgreich zu sein, sind für ihn die Leidenschaft und die Motivation. «Wenn du als Trainer deine Spieler nicht motivieren kannst, kannst du gleich aufhören. Dann bringt dir auch alles Wissen um Technik, Taktik und Kondition nichts.» Die Motivation und die Leidenschaft hat Back, der noch immer sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland in der Altersklasse 45+ in der höchsten Spielklasse Interclub spielt, noch längst nicht verloren.

Er steckt voller Tatendrang, auch wenn derzeit in Leuggern weniger Spitzenspieler trainieren als noch zu den besten Zeiten. «Jetzt helfe ich Sandro Rigo dabei, die vielen Juniorinnen und Junioren, die in Leuggern das Tennisspielen erlernen, an den Wettkampfsport heranzuführen», sagt Back. «So können wir in Leuggern künftig wieder ein Trainingszentrum aufbauen, das für alle Spieler ideale Bedingungen bietet. Daran zu arbeiten, ist eine Herausforderung, die mich extrem reizt.»

Und auch er selber will nach überstandener Verletzungspause wieder vermehrt zum Racket greifen. Der zweifache Europameister (40+ und 45+) will spätestens bei den über 50-Jährigen wieder angreifen. Auch nach vier Jahrzehnten auf dem Tennisplatz brennt bei Christoph Back das Feuer für seinen Sport noch immer wie am ersten Tag.