Leuggern

Enormer Geldsegen auf einen Schlag: Gemeinde erhält 23,7 Millionen Franken an Sondersteuern

Leuggern kommt überraschend in den Genuss eines Millionen-Betrags: Das Geld stammt von einer natürlichen Person, «wegen eines ausserordentlichen Ereignisses», wie der Gemeindeammann sagt. Das ganze Dorf könnte profitieren: Der Steuerfuss in der 2157-Seelen-Gemeinde soll um zehn Prozent sinken.

Rund 23,7 Millionen Franken: So hoch ist der ausserordentliche Steuerertrag, den die Gemeinde Leuggern erhalten hat. Überwiesen wurde das Geld im Jahr 2019, das steuertechnisch relevante Ereignis datiert aus dem Vorjahr. 

Auf die Frage, von wem die Sondersteuer stammt, antwortet Gemeindeammann Stefan Widmer: «Von einer natürlichen Person, wegen eines ausserordentlichen Ereignisses.» Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes darf er keine weiteren Angaben zur Herkunft des Sondersteuerertrages machen.

Auswirkungen für das ganze Dorf

Klar ist: Das ausserordentliche Ereignis hat kurz- und mittelfristig starke Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen. Die gesamte Bevölkerung soll nun vom unerwarteten Geldsegen profitieren, wie den Unterlagen zur Gemeindeversammlung zu entnehmen ist, die gestern veröffentlicht wurden: Der Gemeinderat schlägt vor, den Steuerfuss von 117 Prozent auf 107 Prozent zu senken.

Abgestimmt wird darüber an der Gemeindeversammlung am 13. November. «Selbst wenn wir den Steuerfuss entsprechend nach unten korrigieren, werden wir,  aufgrund verschiedener Faktoren, keinen tieferen Steuerertrag aufweisen als bisher», erklärt Stefan Widmer.

Möglich mache die Steuersenkung nicht in erster Linie der einmalige Geldsegen von 23,7 Millionen Franken, sondern vielmehr die nun allgemein jährlich zu erwartenden Steuereinnahmen. Der Gemeinde habe die Finanzen bereits in den vergangenen Jahren im Griff gehabt und Budgets mit schwarzen Zahlen präsentieren können, hebt der Gemeindeammann hervor. 

Mehr Spielraum für Investitionen

Der unerwartete Geldsegen bietet der Gemeinde neue Optionen für Investitionen. Einige Projekte können aber nun doch schneller vorangetrieben werden: «Beispielsweise lancieren wir einen Ideenwettbewerb für die Neugestaltung des Dorfzentrums im Bereich des Spitals und Kirche», so der Gemeindeammann.

«Ausserdem können wir das Geld für die Sanierung der Härdlestrasse verwenden, wofür die Gemeindeversammlung bereits vor dem Steuersegen einen Kredit gesprochen hat.» Widmer stellt aber klar: «Wir werden den ausserordentlichen Steuerertrag selbstverständlich nicht innerhalb einer Legislatur verpulvern, es gilt langfristig zu denken.»

4,5 Millionen Franken für Finanz- und Lastenausgleich

Denn jede Medaille hat auch ihre Kehrseite. Leuggern hat bisher jährlich netto rund 400'000 bis 500'000 Franken aus den kantonalen Finanz- und Lastenausgleich erhalten. Dies unter anderem aufgrund  des verhältnismässig tiefen Steuerertrags: Er belief sich beispielsweise im Jahr 2017 auf 4,58 Millionen Franken oder umgerechnet rund 2100 Franken pro Kopf – einen Wert, der unter dem kantonalen Durchschnitt lag.

«Neu belegen wir in dieser Rangliste kantonsweit einen Spitzenplatz», sagt Stefan Widmer. «Und aufgrund der ausserdordentlichen Sondersteuer wird Leuggern voraussichtlich mit sehr hohen Finanzausgleichsbeträgen belastet werden.» Der Gemeinderat rechnet mit 4,5 Millionen Franken, die in den Jahren 2021 bis 2023 einbezahlt werden müssen. Ein entsprechender Betrag soll nun zurückgestellt werden; auch über diesen Antrag des Gemeinderates wird die Gemeindeversammlung am 13. November abstimmen.

Die Zukunft der Gemeinde sehe positiv aus, ist Widmer überzeugt. «Dank der Steuersenkung und der tiefen Baulandpreise hoffen wir auf ein massvolles Bevölkerungswachstum in unserer schönen Gemeinde, die über eine gute Infrastruktur verfügt und gut in Richtung Zürich und Basel erschlossen ist.»

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