Herr Villiger, konnten Sie schon verarbeiten, was am Donnerstag in Gossau geschehen ist?

Christian Villiger: Ja, natürlich. Der Verarbeitungsprozess hat stattgefunden, auch wenn er mit Frust und Enttäuschung verbunden war. Aber so ist das im Sport. Es gibt einen Gewinner und einen Verlierer. Der Gewinner heisst in diesem Fall Fortitudo Gossau.

Wie haben Sie die letzten Sekunden erlebt. Feierten Sie innerlich schon den Aufstieg?

Nein. Ich war sehr angespannt, weil klar war, dass es noch eine Grosschance geben wird. Jeder, der Zweifel hatte an unserem Protest nach dem Spiel gegen Suhr Aarau, hat in Gossau vor Augen geführt bekommen, dass man im Handball in sechs Sekunden sehr wohl ein Tor erzielen kann. Genau das wollten wir mit unserem Protest ja verdeutlichen. Und genau das ist uns nun in Gossau leider widerfahren.

Wie war die Stimmung im Team?

Auf der Heimfahrt im Car war es stiller als sonst. Wir hatten in den letzten Spielen ein paar Mal die Chance, den Sack zuzumachen. Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen und das Verdikt sportlich akzeptieren.

Hat im dritten Spiel innert fünf Tagen die Kraft gefehlt?

Wir lagen einmal mit vier und einmal mit fünf Toren in Rückstand. Es hat mich total beeindruckt, wie das Team in diesen Situationen wieder zurückgekommen ist. Das zeigt, dass die Spieler physisch und psychisch voll da waren. Und ich möchte sagen: Ich bin stolz auf unsere Spieler. Vor allem auf die Eigengewächse wie zum Beispiel die Riechsteiner-Brüder. Der TV Endingen wird seinen Weg unbeirrt weitergehen.

Endingen hat dreimal in Folge den Aufstieg in der Barrage verpasst. Fehlt in solchen Situationen nicht auch ein Top-Ausländer?

Es wäre schön, einen solchen zu haben. Aber wir haben für unser Niveau zwei sehr gute Ausländer in unseren Reihen. Wir streben den Aufstieg nicht mit der Brechstange an.

Dennoch: Dreimal in Folge ... das kann nicht nur Pech sein oder gar ein Fluch.

Klar, wenn es dreimal in Serie nicht klappt, fehlt irgendwas. Aber wir waren von Mal zu Mal näher dran. Wir sind auf allen Ebenen näher an die Nationalliga A herangerückt. Wir gehen unseren Weg unbeirrt und mit klarer Zielsetzung weiter.

Wie lautet diese?

Unser Ziel haben wir vor rund sechs Jahren mit der Formel 1212 definiert. Das heisst, wir wollen mit 12 Spielern aus der Region und 2 Profis zu den besten 12 Schweizer Mannschaften gehören. Natürlich wäre uns die NLA lieber als die NLB.

Wie geht es nun weiter?

Der TV Endingen führt seinen eingeschlagenen Weg fort. Ich bin überzeugt: Die Zuschauer finden die grundehrliche Einstellung des Vereins und der Spieler gut. Das zahlt sich aus. In der Unterstützung und in den Zuschauerzahlen.

Und sportlich?

Vom HSC Suhr Aarau stossen mit Tano Baumann und Philipp Wildi zwei junge Spieler zu uns. Das Trainerduo hat laufende Verträge. Verabschiedet haben wir uns von Karlo Ladan, der zum Ligarivalen Möhlin wechselt, und von Luca Gottardi, der seine Karriere beenden muss.

Steht der TV Endingen nach dem Bezug der neuen GoEasy-Halle wirtschaftlich betrachtet unter Aufstiegszwang?

Der Aufstieg in die Nationalliga A ist für uns kein Muss. Wir probieren, mit unseren Mitteln haushälterisch umzugehen und Schwerpunkte zu setzen. Dass wir nicht aufsteigen müssen, heisst aber nicht, dass wir nicht aufsteigen wollen. Dass wir wollen, haben wir ja mit den Protesten in den letzten Tagen und Wochen bewiesen.