Spruchbänder an den Wänden der Mehrzweckhalle mit der Aufschrift «70! Nein, niemals» und «70 Asylanten Nein» zeugten davon, dass die Ankündigung des Kantons, im ehemaligen Hotel Verenahof eine Unterkunft für maximal 70 Asylsuchende einzurichten, im Grenzdorf alles andere als Freude ausgelöst hatte. Dennoch blieb die von rund 250 Bürgerinnen und Bürgern aus Koblenz und aus den umliegenden Dörfern besuchten Veranstaltung jederzeit im Rahmen des gebotenen Anstands und Respekts.

An dieser Feststellung ändert auch nichts, dass mehrere Voten der Kantonsvertreter mit höhnischem Gelächter quittiert wurden. Bereits die Ankündigung von Moderator Markus Leimbacher, Regierungsrätin Susanne Hochuli habe die Information an die Abteilungsleiter delegiert, verursachte ein unüberhörbares Murren. Ihre Anwesenheit wäre nicht sach- und stufengerecht gewesen, sagte Leimbacher. Wenn sich aber erweisen sollte, dass ihre Anwesenheit bei künftigen Veranstaltungen notwendig sei, werde sie sicher nach Koblenz kommen.

Kanton steht in der Pflicht

Im Verlauf des ausführlichen Informationsblocks sagte Cornelia Breitschmid, Leiterin des kantonalen Sozialdienstes, die Unterbringung Asylsuchender sei ein schwieriges Geschäft. Der Kanton habe aber die Pflicht, die Asylsuchenden menschenwürdig unterzubringen. Roland Julen, Sektionsleiter Asyl im Kantonalen Sozialdienst, bat um einen Vertrauensvorschuss und wies darauf hin, dass die bereits bezogenen Unterkünfte aus allen Nähten platzen. «Die Grenze des Zumutbaren ist in einigen Fällen bereits überschritten.»

Emotional geführte Diskussion

In der Diskussion hatten die Vertreter des Kantonalen Sozialdienstes einen schweren Stand. Auf den Vorwurf, von einer gerechten Verteilung der Asylsuchenden könne keine Rede sein, musste Cornelia Breitschmid einräumen, die Gesetzgebung sehe die Möglichkeit vor, dass sich gut gestellte Gemeinden freikaufen können. Mehrmals aufgegriffen wurde das Thema Kriminalität. Sektionsleiter Julen räumte ein, gegen das Fehlverhalten Einzelner sei man relativ machtlos. Werde aber jemand beim Delinquieren erwischt, werde er hart bestraft. Mehrmals erwähnt wurde das Thema Schwarzfahren mit öffentlichen Mitteln.

Zweifel tauchten auch auf, ob die Betreuung und Sicherheit mit nur gerade zwei Personen sichergestellt werden kann. «»Was ihr da machen wollt, ist unzumutbar», sagte ein sichtlich erboster Koblenzer. «Militärunterkünfte würden sich besser für die Unterbringung der Asylsuchenden eignen.»

«Ablehnung klar kommunizieren«

Der langjährige Gemeindeammann Walter Gassler forderte die Koblenzerinnen und Koblenzer auf, den Gemeinderat in seinen Bestrebungen zu unterstützen und gegenüber dem Kanton klar zu kommunizieren, dass man das Asylzentrum nicht wolle.

Applaus hatte die vor der Veranstaltung gemachte Stellungnahme des Gemeinderats ausgelöst, er erachte es als grundsätzlich falsch, ein Asylantenheim dieser Grössenordnung in einem Wohngebiet einzurichten. «Wir erwarten von den zuständigen Instanzen, dass sie das Ganze überdenken und die Konzentration von Asylanten im Zurzibiet hinterfragen.» Vizeammann Roland Christen sagte, der Gemeinderat strebe einen Rückzug des Baugesuches durch die kantonalen Sozialdienste an.