Kleindöttingen/Birr

Einstige Lehrtochter wird Bäckerei-Chefin – eine Ära endet im Traditionsbetrieb

Der Beck Maier in Kleindöttingen ist in neuen Händen. Alexandra Häfeli hat das Geschäft von Beat Maier übernommen. Sie hat bei ihm die Lehre gemacht. Das bisherige Sortiment soll bleiben. Nach und nach will Häfeli mit neuen Produkten experimentieren.

Es ist 16 Uhr, eigentlich würde Alexandra Häfeli um diese Uhrzeit im Bett liegen und schlafen. Für den Pressetermin in Lexy’s Bäckerei Konditorei in Kleindöttingen hat sie sich den Wecker gestellt, sie erscheint putzmunter. Die Arbeitszeiten als Bäckerin ist sie ja gewohnt. Als neue Geschäftsführerin der Bäckerei werden ihre Arbeitstage künftig noch länger. Eigentlich bewegt sie sich bei der Produktion im Hintergrund und koordiniert 14 Mitarbeiter in zwei Filialen, aber auch an der Theke will sie Präsenz zeigen. Gerade in ländlichen Gemeinden wie Böttstein wollen die Leute ihre Bäcker schliesslich kennen.

Seit Anfang Februar führt die 34-Jährige die Bäckerei im grössten Böttstemer Ortsteil und deren Zweigstelle in Birr. «Mit der eigenen Bäckerei habe ich mir einen Traum verwirklicht, das ist schon immer mein Wunsch gewesen», freut sie sich. Sie hat damit die beiden Filialen von Beck Maier übernommen. In dem Betrieb hat sie bereits ihre Lehre gemacht. Nach mehreren Stationen ist sie vor sechs Jahren wieder in das Bäckereiteam Maier zurückgekehrt: «Nirgends war ich so zufrieden wie hier.»

30 Jahre lang war der Betrieb in den Händen von Beat Maier. Der mittlerweile 60-Jährige ist Spross eines Bäckereigeschlechts, das 1898 in Laufenburg seinen Anfang nahm. Beats Urgrossvater Friedrich Maier gründete dort vor 120 Jahren seine erste Backstube, die mittlerweile mit zehn Filialen im Aargau längst zu einem Bäckerei-Imperium angewachsen ist. Beat Maiers Brüder führten das Familienunternehmen weiter, er machte sich selbstständig.

16'000 Donuts in einer Woche

1988 eröffnete Maier in Döttingen seine eigene Bäckerei, zwar auch mit dem Familiennamen, aber losgelöst von der Familienkette. Auch diese wuchs zwischenzeitlich auf beachtliche Grösse: In fünf Verkaufsstellen beschäftigte Maier einst bis zu 30 Mitarbeiter und bearbeitete Grossaufträge. «Der Rekord waren 16'000 Donuts in einer Woche», erinnert er sich. Meist seien Baustellen vor den Läden verantwortlich dafür gewesen, dass der Umsatz einbrach und er die Zweigstellen schloss. Vor 20 Jahren verlagerte er die Produktionsstätte nach Kleindöttingen.

Mit 60 Jahren gab er nun seine Bäckerei zum 1. Februar ab: «Bis zur Pensionierung wollte ich nicht warten, dann hätte sich vielleicht nicht direkt einen Nachfolger gefunden.» Künftig wird er bei «Lexy’s», seinen Neffen, die das Geschäft in Laufenburg leiten, und anderen befreundeten Bäckern aushelfen.

Dass seine Bäckerei wie andere lokale Traditionsunternehmen aufgrund mangelnder Interessenten an der Frage nach einem Nachfolger scheitern, wollte er nicht. Die eigenen drei Kinder sind glücklich in ihren eigenen Jobs. Mit Alexandra Häfeli als motivierter Nachfolgerin aus dem eigenen Team ist Maier zufrieden.

Häfeli erlebte mit der Neueröffnung einen guten Start: «Das Konzept kommt gut an, ich habe schon viele Komplimente bekommen.» Für die Zukunft hat sie grosse Pläne, «Lexy’s» soll auffallen. Das Café in Kleindöttingen soll ausgebaut, die Wände rosa gestrichen und die Klappen der alten Backöfen in die Dekoration integriert werden.

Das bisherige Sortiment soll bleiben, Häfeli nutzt Maiers Originalrezepte. Nach und nach will sie aber mit neuen Produkten experimentieren. Zudem soll ihre persönliche Leidenschaft bald Einzug in die Bäckereien in Birr und Kleindöttingen halten: Autodidaktisch hat sie sich das Schaffen kreativer Torten nach Wunschmotiv beigebracht. In Zukunft könnten in der Backstube ebenfalls «Special Cakes» entstehen.

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