Koblenz

Einst beschossen die Franzosen diesen Bunker

Patrick Gosteli (mitte) erklärt den Besuchern, wie die Panzerabwehrkanone im Infanteriewerk Koblenz-Tunnel funktionierte.

Patrick Gosteli (mitte) erklärt den Besuchern, wie die Panzerabwehrkanone im Infanteriewerk Koblenz-Tunnel funktionierte.

Am Europäischen Tag des Denkmals stand das unterirdische Infanteriewerk Koblenz-Tunnel für Besucher offen. Es ist die einzige Anlage, die von den Franzosen tatsächlich unter Beschuss genommen wurde.

Beim Betreten der Bunkeranlage hinter den 2,5 Meter dicken Mauern wird es kühler, von der Hitze des Tages ist rasch nichts mehr zu spüren. Zuerst gelangen die Besucher in den Geschützraum. An den Wänden hängen Pläne und militärisches Material zur Besichtigung. «Eine solche Gasmaske habe ich auch noch getragen», sagt ein Besucher beim Blick auf die Ausstellungsgegenstände.

Prototyp der Befestigungsanlagen

«Dies ist der Prototyp der Befestigungsanlagen am Rhein» erklärt Patrice Gosteli, der die Anlage zehn Jahre lang betreut hatte. Sie sei noch ziemlich gross gebaut worden, die späteren wurden kleiner. Das Infanteriewerk Koblenz-Tunnel war die einzige moderne Anlage, die 1939 für einen Kampfeinsatz bereit war.

Die Anlage sollte den ersten Stoss der Deutschen bremsen und die Brücke sichern. Gosteli zeigte, wie die installierte Panzerabwehrkanone funktionierte und wie man sich gegen Angriffe von aussen wehren konnte. «Damals war die Kanone natürlich noch nicht hier, weil nicht vorhanden», so Gosteli. Man habe Maschinengewehre verwendet.

Beschuss durch Franzosen

Koblenz-Tunnel ist auch die einzige Anlage, die tatsächlich unter Beschuss genommen wurde. Es handelte sich jedoch nicht um einen deutschen Angriff, sondern um einen französischen. Ihre Truppen hatten die Orientierung verloren. Als die Franzosen den Bunker sahen, nahmen sie ihn sicherheitshalber einmal unter Beschuss. Heute sind die Einschusslöcher mit roter Farbe markiert und deutlich sichtbar.

96 Stufen in die Tiefe

Im Geschützraum konnte man auf einer Leiter in den Mannschaftsraum hinunter klettern. Auf engem Raum befinden sich ein Essnische und acht Betten. Wieder ist es ein bisschen kühler geworden. Nun geht es 96 Stufen in die Tiefe. Die Wände bei der Wendeltreppe sind voll kondensiertem Wasser. «In den Bunkern hat man oft Probleme mit der Feuchtigkeit», so Titus Bürgi, der zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern des Vereins Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal die Anlage in Koblenz heute betreut. Früher war die Feuchtigkeit kein Problem, da immer eine Entlüftungsanlage lief.

14 Grad im Generatorraum

Ganz unten, im Generatorraum, 30 Meter unter dem Eingang, ist es noch lediglich 14 Grad warm. Früher war hier ein weiterer Abwehrbunker. Der heutige Notausgang ist im Koblenzer-Tunnel. Diesen sollte man nur vorsichtig betreten, da die Züge mit hohem Tempo unterwegs sind.

«Es braucht hunderte von Stunden zur Wartung der Anlage», so Bürki: Kontrollieren, Fetten und Malen sind die Aufgaben. Das funktioniere, weil man sich im Verein helfe. «Was ist übrig geblieben nach all den Jahren? Es sind Kirchen und Festungen», sagt Bürki. Das Ziel des Vereines sei es, letztere der Nachwelt zu erhalten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1