Perfekter hätte die Kulisse für die Energiediskussion im Rahmen des az Wahlkampfbusses beim Landgasthaus Schützen in Leibstadt nicht sein können.

Unten am Rhein das neue Stauwehr des Wasserkraftwerks Dogern, rheinaufwärts das Atomkraftwerk Leibstadt, die untergehende Sonne als Wärmespender für die rund 80 Veranstaltungsbesucher und ein kühler Wind, der in der Lage war, das Styropor-Windrad auf dem Wahlkampfwagen der Jungen SVP Aargau zu zerstören.

Grüner Hansjörg Wittwer vor der Fahrt mit dem az-Wahlkampfbus

Grüner Hansjörg Wittwer vor der Fahrt mit dem az-Wahlkampfbus

Knalleffekt als Einstieg

An der engagiert geführten Diskussion unter freiem Himmel beteiligten sich die Nationalratskandidatinnen Astrid Andermatt (SP, Lengnau) Marianne Binder (CVP, Baden), und Claudia Hauser (FDP, Döttingen) sowie die Nationalratskandidaten Roland Bialek (EVP, Buchs), Hansjörg Knecht (SVP, Leibstadt) und Hansjörg Wittwer (Grüne, Aarau). Werner De Schepper, stellvertretender Chefredaktor der az Aargauer Zeitung, lockte die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer mit seinen Fragen aus der Reserve.

Marianne Binder forderte er eingangs auf, zu erklären, weshalb sie eine Pirouette in ihrer Haltung zur Atomenergie gemacht habe. Sie habe von klein auf die Atomenergie erlebt und ihr vertraut, sagte Binder. Ihr sei aber auch stets bewusst gewesen, dass AKW Risiken bergen: «Fukushima hat mich deshalb nicht geschockt. Geschockt hat mich vielmehr, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Fukushima ungenügend waren», sagte Binder.

Hansjörg Wittwer nach der Fahrt mit dem az-Wahlkampfbus

Hansjörg Wittwer nach der Fahrt mit dem az-Wahlkampfbus

Dass sie nun den Ausstieg aus der Atomenergie bejahe, sei mit dem Beschluss der Partei zu erklären. Hinter diesen stelle sie sich, weil er als Mehrheitsbeschluss zustande gekommen sei, sagte Binder.

Astrid Andermatt verwies als erklärte Gegnerin der Atomenergie auf das Problem der Endlagerung und darauf, «dass wir uns mit einem Weiterbetrieb der AKW die Zukunft verbauen. »

«Huschhusch-Politik»

Hansjörg Knechts Hauptanliegen ist die Sicherstellung von kostengünstiger Energie und dass die für die Industrie eminent wichtige Bandenergie sichergestellt werden kann. Das Vorgehen des Bundesrates und des Parlaments bezeichnete der Leibstadter Unternehmer als «Huschhusch-Politik».

Ein Grüner Politiker legt in Leibstadt Hand an

Ein Grüner Politiker legt in Leibstadt Hand an

Hansjörg Wittwer bezeichnete die Kernkraft als «gefährliche und veraltete Technologie. Er setzt seine Hoffnung auf Geothermie: «Ein Werk wäre auch auf der Beznau-Insel denkbar.»
Claudia Hausers Hauptanliegen ist es, energietechnisch nicht abhängig vom Ausland zu werden. «Mir ist Strom aus Schweizer Atomkraftwerken lieber, weil wir die Sicherheitsstandards vorschreiben und kontrolliere können.» Die heutigen Atomkraftwerke sollten laut Hauser weiter laufen, solange ein sicherer Betrieb gewährleistet ist.

Junge SVP dampft in Leibstadt drauf los

Junge SVP dampft in Leibstadt drauf los

Roland Bialek vertrat in Leibstadt die Meinung, neue Technologien allein könnten die anstehenden Probleme nicht lösen. Er glaube nicht daran, dass die Schweizer Bevölkerung die Atomenergie nach Fukushima nicht mehr wolle, sagte Bialek.