Ende August hat Martin Albers, Oberbürgermeister der Kreisstadt Waldshut-Tiengen in einem Interview mit dem «Südkurier» Stellung zum Bau einer zweiten Zollbrücke vom Lonza-Kreisel hinüber nach Koblenz bezogen.

Albers macht im Interview den Widerstand der Gemeinde Koblenz sowie mangelndes Interesse des Kantons Aargau dafür verantwortlich, dass die neue Rheinbücke noch nicht in greifbare Nähe gerückt ist. «Ich werbe für die zweite Zollbrücke», lässt sich Albers zitieren. «So habe ich der Regierungspräsidentin erläutert, dass die Brücke zwingend im Generalverkehrsplan des Bundes auftauchen muss. Eines Tages wird sich die Frage stellen, wann die alte Brücke den Verkehr nicht mehr packt.»

«Brücke dient der deutschen Seite»

Heidi Wanner, Gemeindeammann von Koblenz, hat für diese Haltung wenig Verständnis: «Von den Aussagen Martin Albers bin ich irritiert. Meines Wissens haben die von einer zweiten Zollbrücke direkt oder indirekt betroffenen Schweizer Gemeinden noch keiner Lösung zugestimmt. Eine Rheinbrücke beim Lonza-Areal würde in erster Linie der Entlastung der Bundesstrasse 34 auf deutscher Seite sowie dem Schweizer Zoll zur besseren Erreichbarkeit der neuen Zollanlage im Lonza-Areal dienen.»

Wanner weist darauf hin, dass der Raum um die Kreisstadt Waldshut-Tiengen seit Jahrzehnten verkehrsüberlastet ist und seit Jahrzehnten Varianten für eine Umfahrung diskutiert und geprüft werden.

Heidi Wanner: «Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht, weil sich die Region rund um Waldshut über die Linienführung einer Umfahrung nicht einig ist. Auf diese Weise kann die längst notwendige Grossinvestition in eine Umfahrungsstrasse vermieden werden.»

Eine neue Brücke über den Rhein würde den Verkehr in diesem Abschnitt auf die Schweizer Seite verlegen, sagt Wanner. «Für Waldshut wäre das eine elegante, für Koblenz aber eine nicht akzeptable Lösung.»

Wanner befürchtet, dass durch den Bau einer zweiten Zollbücke mit direktem Anschluss an den Zollhof der Übergang Koblenz noch mehr Lastwagenverkehr als bisher verkraften müsste: «Der Schweizer Zoll generiert am Übergang Koblenz ein hohes Einkommen. Im letzten Jahr waren es über 300 Millionen Franken. Mit diesen Zahlen ist das Zollamt Koblenz das fünftgrösste in der Schweiz. Der Bund dürfte ein grosses Interesse daran haben, dass diese Einnahmen noch gesteigert werden.»

Wanner erinnert daran, dass die Schweizer Zollverwaltung in den letzten Jahren massiv Personal abgebaut hat. «Eine Konzentration des Personals und damit auch des Verkehrsaufkommens auf weniger Rheinübergänge kann vor diesem Hintergrund nur von Vorteil sein.»

Weitere wichtige Argumente, die aus Sicht der Gemeinde Koblenz gegen den Bau eines zweiten Rheinübergangs sprechen, sind laut Gemeindeammann Heidi Wanner, dass das fragliche Gebiet im Bundesinventar der geschützten Landschaften und Naturdenkmäler aufgeführt ist und dass das Auenschutzgebiet mit einer zweiten Brücke stark beeinträchtigt würde.

«Zu erwarten ist zudem eine massive Mehrbelastung der Koblenzer Dorfkernzone durch Verkehr, höhere Luft- und Lärmbelastungen sowie eine Einschränkung der Siedlungsentwicklung der Gemeinde.»

Wenn die Rheinbrücke beim Lonza-Areal nicht gebaut und die massiven Verkehrsprobleme im Raum Waldshut/Koblenz endlich gelöst werden sollen: Kommt dann eine Brücke auf der Höhe des Gewerbegebiets Schmittenau als Alternativ-Standort zur Lonza-Brücke infrage? Wanner «Aus meiner Sicht hätte die Schweiz mit einer Brücke in der Schmittenau nur Vorteile. Es stellt sich die Frage, warum dieser Übergang aus dem Richtplan des Kantons Aargau gestrichen wurde.»

«Wir warten auf die dritte Spur»

Albers Aussagen, Koblenz wirke lösungsverhindernd und der Kanton Aargau verfolge seine Aufgaben mit wenig Interesse, machen Heidi Wanner betroffen. «Im Gegensatz zu Waldshut-Tiengen hat die Gemeinde Koblenz zusammen mit dem Kanton Aargau schon vor Jahrzehnten eine Umfahrungsstrasse realisiert. Das dringliche Problem einer Umfahrung von Waldshut zu lösen, hat die heutige Regierung von ihren Vorgängern geerbt und wird es wahrscheinlich weitervererben. Es sei denn, man könnte die Umfahrung über Schweizer Gebiet realisieren.»

Die Gemeinde Koblenz und der Kanton Aargau hätten immer den Dialog mit den nördlichen Nachbarn gesucht und offen kommuniziert. Sowohl die Gemeinde Koblenz als auch der Kanton Aargau seien daran, die vereinbarten verkehrstechnischen Massnahmen zu realisieren. «Wir warten – bevor wir über den Bau einer zweiten Zollbrücke diskutieren – gespannt darauf, ob auf deutscher Seite die dritte Spur zum Zollübergang zeitgerecht realisiert wird.»