Es gibt eine Geschichte, die besagt, dass sich zwei Fremde im Zug treffen und merken, dass sie je eine Person kennen, die sie gerne für immer loswürden. Einer der beiden schlägt daraufhin vor, dass sie den Mord für den jeweils anderen ausführen, damit die Polizei mangels Verbindung zwischen Täter und Opfer den Fall nie wird aufklären können – es ist der perfekte Mord. Nur glaubt der eine Gesprächspartner, der andere habe bloss gescherzt. Doch der hat «seinen» Mord bereits ausgeführt und besteht auf die Vollendung des Deals.

Im Zimmer des Psychoanalytikers

Das beschreibt Patricia Highsmith in einem Buch, Alfred Hitchcock hat es verfilmt. Auf dieser Stoffgrundlage basiert auch «Ein Deal à la Hitchcock», das die Geschichte ins Zimmer eines Psychoanalytikers und seines Patienten übersetzt.

Im Stück befinden sich der Therapeut und sein Patient nicht nur in einer Highsmith/Hitchcock-Geschichte, sondern sie erklären sich auch gegenseitig die Buch- und Filmversion. Sie zitieren daraus, spielen sie nach, erklären sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten – das Stück verwendet zu viel Zeit auf die im Grunde lustige Anlage der «Adaption der Adaption der Adaption». Eigentlich ist viel packender, dass der Therapeut Salomon und sein Patient Müller – so glaubt zumindest der geistig angeknackste Müller – einen ähnlichen Deal abgeschlossen haben. Der spielt sich nun mit minimalen Zutaten ab: Das Stück kommt ohne Action-Klamauk aus und rollt den Psychothriller vor dem Zuschauer fast nur mit Worten packend aus. Wenn ein Stück auf einer Gesprächstherapie basiert, ist charakteristisch, dass eben viel gesprochen wird.

Fühlbare Spannung

Nicht nur der Patient erhält eine Doppelstunde Therapiesitzung, sondern auch der Besucher. Die Spannung zwischen Therapeut (Ernst C. Sigrist) und Patient (Peter N. Steiner, der auch Regie führt) ist im Keller des Amtshauses Kaiserstuhl fühlbar: Wann begreift der Therapeut, dass der Patient für den Tod seiner (des Therapeuten) Frau verantwortlich ist? Wann merkt er, dass der Patient nun ebenfalls einen Mord von ihm erwartet? Ist der Therapeut am Ende weniger ahnungslos, als er tut?

Die beiden spielen ihr Versteckspiel hervorragend. Man werweisst, wer am Schluss wen bedrohen wird, wer zuerst die Nerven verliert. Die Schauspieler changieren meisterhaft zwischen Selbstkontrolle, Ausrastern oder leichten Psychosen ihrer Figuren.

Das Stück lebt fast ausschliesslich davon, was sich die zwei Männer, die sich gegenübersitzen, erzählen. Und hier findet sich auch die Ursache für einige Längen: Ein Psychothriller, der vom Wort statt von der Action lebt, sollte nicht zu viele Wiederholungen enthalten. Und doch kommen mehrfach ähnliche Situationen zwischen Therapeut und Patient vor.

Löst sich das Stück erst einmal von dieser Problematik, kommt es in Fahrt. Es enthält schliesslich auch alle Zutaten für einen packenden Thriller: Spannung zwischen den zwei Männern, ein Mordopfer, einige Psychoanalytiker-Witze zur Auflockerung und besonders eine Story mit Potenzial zum Miträtseln.

Ein Deal à la Hitchcock Kaiserstuhl Laxdal-Theater. Bis 31.12., weitere Vorstellungen: www.laxdal-theater.ch.